Weisshelme in Syrien «Unsere Aufgabe ist es, Leben zu retten»

Die Weisshelme retten Zivilisten im syrischen Bürgerkrieg. Ihr Chef redet am WEF in Davos den Mächtigen ins Gewissen.

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Raed Saleh über die Situation in Aleppo

Sie graben nach Verschütteten und bringen Verletzte im syrischen Bürgerkrieg in Sicherheit – die Weisshelme. Nach eigenen Angaben arbeiten rund 3000 Freiwillige für die private Zivilschutzorganisation. Für ihren humanitären Einsatz wurde sie im vergangenen Jahr mit dem alternativen Nobelpreis ausgezeichnet.

Der Chef der Weisshelme, Raed Saleh, nutzt das WEF in Davos, um Politikern und Wirtschaftsführern ins Gewissen zu reden und sie über die furchtbare Lage der Zivilisten in Syrien aufzuklären.

Raed Saleh nimmt eine Urkunde entgegen. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Im November erhielten Raed Saleh (mitte) und die Weisshelme den alternativen Friedensnobelpreis. Reuters

SRF News: Wie ist die Situation derzeit in Aleppo?

Raed Saleh: Aleppo wird von iranischen und libanesischen Milizen kontrolliert – von pro-syrischen Kräften also. Die grosse humanitäre Krise spielt sich derzeit ausserhalb der Stadt auf dem Land ab. Dort sind zehntausende Menschen, die geflohen sind, ohne ein Dach über dem Kopf. Aufgrund der Kälte sind auch schon Menschen gestorben.

Wie erleben Sie persönlich Aleppo nach dem Fall der Stadt?

Verändert hat sich eigentlich nicht viel. Was aber auffällt: die pro-syrischen Milizen stehlen, was nicht niet- und nagelfest ist. Sie räumen Häuser, transportieren alles ab und die Stadt leert sich.

Spüren Sie seit der Auszeichnung mit dem alternativen Friedensnobelpreis mehr Unterstützung für Ihre Arbeit?

Es ist eine Auszeichnung, die Hoffnung gibt. Dieses Zeichen der Solidarität bestärkt uns noch mehr für die Zivilbevölkerung in und um Aleppo zu tun. Die Menschen in Syrien vertrauen uns jetzt noch mehr. Die Auszeichnung hat auch dazu geführt, dass uns noch mehr Freiwillige helfen, wenn wir Hilfseinsätze leisten.

«  Ich möchte aufzeigen, wie die syrische Bevölkerung leidet. »

Erwarten Sie vom Auftritt in Davos noch mehr Unterstützung?

Ich bin nicht hier, um Geld zu sammeln. Ich möchte aufzeigen, wie die syrische Bevölkerung leidet. Meine Anwesenheit soll Druck erzeugen auf alle Politiker und Wirtschaftsführer, die hier sind, damit sie sich noch mehr für einen Frieden in Syrien einsetzen und damit das Töten aufhört.

Was ist das Drängendste, das Sie gleich anpacken, sobald Sie wieder in Aleppo zurück sind?

Unsere wichtigste Aufgabe ist es, Leben zu retten. Auch wenn ich hier in Davos bin, meine Leute sind unterwegs wie immer. Wir wollen jeden Tag so viele Menschen wie möglich retten. Das ist unsere Aufgabe.

Das Interview führte Rino Curti.