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Legende: Audio «Ich muss das Wissen meiner Urahnen weitergeben» abspielen. Laufzeit 08:20 Minuten.
Aus Rendez-vous vom 30.01.2019.
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Ureinwohner in Australien Auf den Spuren jahrtausendealten Wissens

Tourismus ist für die Aborigines nicht nur eine wichtige Einnahmequelle. So können die Ureinwohner auch ihr Wissen weitergeben.

Das Aluminiumboot tuckert langsam auf dem braungrauen Wasser des East-Alligator-Flusses. Hilton Garnarradj, ein schüchterner junger Aborigine mit zerknittertem Hemd und wildem Haar, erzählt.

Seine Zuhörer sind 20 Teenager auf Schulreise aus dem südaustralischen Adelaide. Sie vergessen ihre Smartphones, als Hilton von den Essgewohnheiten der Flussbewohner erzählt.

Junger Aborigine spricht.
Legende: Hilton fesselt die Zuhörerinnen und Zuhörer mit seinen Ausführungen. SRF/Urs Wälterlin

Jahrtausendealte Kultur

«Das Salzwasserkrokodil frisst seine Opfer nicht sofort. Es lagert sie erst ein paar Tage unter Wasser – bis die Leiche so richtig verrottet ist», sagt Hilton. Erst dann verspeise das Krokodil das Opfer. Einige der Jugendlichen kämpfen sichtlich gegen den Brechreiz.

Krokodil liegt am Strand.
Legende: Das Salzwasserkrokodil frisst auch Menschen, wenn es eine Gelegenheit findet. SRF/Urs Wälterlin

Hier, im isolierten Osten des australischen Nordterritoriums, zwischen dem Kakadu Nationalpark und dem Arnhemland, leben nicht nur Salzwasserkrokodile, sondern auch Aborigines. Und das seit mindestens 60'000 Jahren.

Die Ureinwohner haben grossen Respekt vor den lebenden Dinosauriern – zu Recht. Salzwasserkrokodile, die trotz ihres Namens vor allem im Süsswasser leben, sind die einzigen Tiere Australiens, die auch den Menschen auf dem Speisezettel haben.

Touristen wollen von Aborigines lernen

Hilton erklärt die Flurnamen dieser Landschaft, seiner Heimat. Jeder Felsvorsprung hat eine Bedeutung, jede Pflanze und jedes Tier werden genutzt. Der junge Mann und seine Kollegen von der Firma Guluyambi sind Teil eines Trends in der australischen Reiseindustrie: Indigener Tourismus.

Felszeichnung.
Legende: Felszeichnungen gehören zum kulturellen Erbe der Aborigines. srf/Urs Wälterlin

Das Erleben der Ur-Kultur Australiens ist populärer denn je, nicht nur unter Australiern. Auch mehr als 900'000 der neun Millionen ausländischen Touristen, die letztes Jahr nach Australien kamen, wollten Kontakt mit Aborigines und buchten eine Tour oder besuchten eine Galerie.

Eine Chance für benachteiligte Ureinwohner

Für viele Aborigines ist die Arbeit im Tourismus die einzige Chance für eine bezahlte Tätigkeit. Tourismus ist für die indigenen Australier aber auch aus einem anderen Grunde sehr wichtig.

«Überlebenswichtig», sagt der Stammesälteste Robert Namarnilk. «Es ist meine Aufgabe, das Wissen der Urahnen an die nächste Generation weiterzugeben, bevor ich sterbe.»

Kinder schauen dem Aborigine Hilton gespannt zu.
Legende: Hilton stösst mit seinen Erläuterungen auf grosses Interesse der Schüler. srf/Urs Wälterlin

Junge Aborigines, die Touristen herumführen wollen, müssen erst die jahrtausendealten Traditionen und Mythen lernen, bevor sie von ihnen erzählen können. So fänden sie zu ihren Wurzeln zurück. Sie entwickelten Stolz auf ihre Kultur, ihre Vergangenheit, ihre Herkunft, sagt der Stammesälteste.

Arbeiten am gegenseitigen Verständnis

Touristenführer Hilton seinerseits erklärt den Gästen, wie die Ureinwohner seit Jahrtausenden hier leben und sterben. Wie sie ihre Toten bestatten, Essen finden und jagen. Und die jungen Touristen staunen.

Boot auf einem Fluss.
Legende: Unterwegs auf dem East-Alligator-Fluss mit Touristenführer Hilton. SRF/Urs Wälterlin

Zurück bei der Anlegestelle erzählen die Schülerinnen und Schüler den am Ufer wartenden Lehrern begeistert vom Erlebten.

Der Beobachter wird den Eindruck nicht los, dass Hilton Garnarridj, dieser schüchterne Aborigine in seinem zerknitterten Hemd, in bloss einer Stunde mehr zum Verständnis zwischen schwarzen und nicht-indigenen Australiern beigetragen hat, als so mancher Politiker in einem ganzen Jahrzehnt.

Oftmals benachteiligt und diskriminiert

Oftmals benachteiligt und diskriminiert

230 Jahre nach Ankunft der Briten gehören die Aborigines noch immer zu den am stärksten benachteiligten Gruppen Australiens. Zwar sind manche Ureinwohner ganz normal im Arbeitsleben integriert – meist leben diese aber in den grösseren Städten Australiens. Anders sieht es in den ländlichen Gebieten des fünften Kontinents aus – wie etwa im isolierten Osten des australischen Nordterritoriums. Hier gibt es nur wenige Arbeitsplätze, die von den weissen Arbeitgebern meist an Weisse vergeben werden. Viele Aborigines leiden unter dem mangelnden Verständnis der weissen Bevölkerungsmehrheit und unter Rassismus. Ausserdem tut die derzeitige konservative Regierung nichts, um das Schicksal die Lebensumstände der Aborigines zu verbessern.

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12 Kommentare

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  • Kommentar von Walter Matzler  (Wma)
    Was die weisse Rasse in Australien ebenso wie in Amerika und Afrika angerichtet hat, ist nicht zu entschuldigen. Aber Kriege, Eroberungszüge und Sklavenhaltung hat es schon gegeben, bevor die Weissen diese Erdteile kolonisiert haben. So haben beispielsweise die nordamerikanischen Indianer ihre Gegner skalpiert, im Amazonas hat man Schrumpfköpfe aus ihnen gemacht und in Afrika sind Stammesfehden bis heute an der Tagesordnung. Was wir lernen sollten: Kriege und Dünkel sollten geächtet werden.
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  • Kommentar von A. Keller  (eyko)
    1788 beginnt die Kolonialisierung Australiens. Zunächst erreichen britische Sträflinge und deren Bewacher das Land, später folgen ihnen freie Siedler. Im folgenden Jahrhundert sterben viele Ureinwohner an eingeschleppten Krankheiten und durch Massaker. 1967 erhalten die Aborigines volle Bürgerrechte.Aborigines in ländlichen Regionen sind immer noch stark benachteiligt. Premier John Howard weigert sich bis heute, sich bei den Ureinwohnern für das ihnen zugefügte Unrecht zu entschuldigen.
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  • Kommentar von A. Keller  (eyko)
    Die Ureinwohner am Rande der Gesellschaft. Australische Ureinwohner wurden über Jahrzehnte unterdrückt.Sie gehören zu den ältesten Völkern der Erde.Seit etwa 50.000 Jahren leben sie auf dem fünften Kontinent.Die Aborigines wurden von Australien entmündigt. Armut,Arbeitslosigkeit und Alkoholsucht haben die Ureinwohner verelenden lassen. Jahrzehntelang hat sich die australische Regierung nicht für die desolaten Zustände in den Camps der Ureinwohner interessiert.Ein Rassimus der zu verurteilen ist
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    1. Antwort von Alfred Schläpfer  (191.5yenokavan)
      A. Keller, da haben Sie leider nur allzu recht. Und dass das sog. „Abo-hunting“ ein sonntäglicher Spass nach dem Kirchgang war, macht die Sache auch nicht besser. Aber auch wir in der Schweiz sind vom Rassismus nicht verschont. Die Diskriminierungen der Jenischen bis in die 80er Jahre des letzten Jahrhunderts hinterlassen immer noch Narben.
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