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Bald müssen homosexuelle Väter ihr Kind nicht mehr im Ausland abholen
Aus SRF 4 News aktuell vom 13.07.2021.
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Urteil des höchsten Gerichts Leihmütter für Homosexuelle in Israel: Das müssen Sie wissen

Das Gericht bestätigt ein früheres Urteil. Jetzt muss die Regierung ein entsprechendes Gesetz erlassen.

Darum geht es: In Israel dürfen gleichgeschlechtliche Paare und alleinstehende Männer in Zukunft mithilfe von Leihmüttern Kinder bekommen. So hat das oberste Gericht des Landes am vergangenen Sonntag geurteilt. Bisher mussten Betroffene Hilfe im Ausland suchen, wenn sie ein Kind per Leihmutterschaft haben wollten. «Nepal war beispielsweise eine der Destinationen», weiss die in Israel lebende Journalistin Gisela Dachs. Das Gericht beauftragt mit dem Urteil die israelische Regierung, binnen sechs Monaten ein entsprechendes Gesetz zu erlassen. Ein ähnliches Urteil hatte das Gericht schon im Februar 2020 gefällt, doch die damalige Regierung unter Benjamin Netanjahu unternahm nichts in der Sache.

So sind die Reaktionen: Das Urteil des obersten israelischen Gerichts sei bei Unterstützern der LGBT-Community begeistert aufgenommen worden, sagt Dachs. «Sie bezeichneten es als ‹historischen Meilenstein im Kampf für die Gleichberechtigung›.» Auf der anderen Seite stehen die jüdischen ultraorthodoxen Kreise: Vor allem streng religiöse Parteien lehnen Gesetzesänderungen zugunsten von homosexuellen Paaren ab, weil sie dies als Verstoss gegen jüdische religiöse Gebote sehen. So twitterte der frühere Innenminister Arje Deri von der ultraorthodoxen Schas-Partei, das Urteil sei «ein Schlag gegen Israels jüdische Identität». Ansonsten seien die Reaktionen auf das Urteil eher verhalten gewesen, so Dachs.

Das ist die Haltung der Regierung: Die neue israelische Regierung unter Premier Naftali Bennett ist sehr breit aufgestellt – und erstmals seit Jahrzehnten sind keine ultraorthodoxen Parteien mehr darin vertreten. Trotzdem sind an der Regierung auch Gegner der Gleichberechtigung von gleichgeschlechtlichen Paaren beteiligt – etwa die sehr konservative muslimische Ra'am-Partei. «Auch die muslimische Minderheitsbevölkerung in Israel wird von dem Urteil nicht begeistert sein», sagt die Journalistin Dachs. Auf der anderen Seite sind wichtige Regierungsmitglieder bekennende Homosexuelle, wie etwa Gesundheitsminister Nitzan Horowitz. Bei der Umsetzung des Gerichtsurteils gebe es deshalb «einigen Spielraum und Möglichkeiten».

So ist die Realität in Israel: Die einzige Demokratie im Nahen Osten gehört bei den Rechten von Homosexuellen mit zu den tolerantesten westlichen Ländern – und vor allem die Hauptstadt Tel Aviv gilt als besonders liberal. Doch in den ultraorthodoxen jüdischen Gemeinschaften ist das Thema tabu. Dachs hat eine Erklärung dafür, wieso die israelische Gesellschaft insgesamt Homosexuellen gegenüber dennoch recht aufgeschlossen ist: «Homosexuelle in Israel haben sich das Familienideal sehr stark zu eigen gemacht.» Dieses Ideal sei in der jüdischen Tradition stark verankert, was den homosexuellen Menschen zu gesellschaftlicher Legitimität verhelfe. «Wenn sich in einer Familie eine Person als homosexuell outet, dann ist oftmals seine ganze Familie dafür, dass auch er eine eigene Familie haben darf», so Dachs.

SRF 4 News aktuell, 13.7.2021, 06:40 Uhr;

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47 Kommentare

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  • Kommentar von Theresa Müller  (t.mueller66)
    Liebes SRF-Team
    Obwohl in diesem Artikel die Staatsform Israels nicht zur Sache tut, hat es wieder einmal die Parole „die einzige Demokratie des Nahen Ostens“ in den Artikel geschafft. Dies ist schlichtweg falsch, da in Israel bspw. die Meinungsfreiheit stark eingeschränkt ist und die Einhaltung von bürgel. Grundrechten für den Staat fremd ist. Es ist im journalistischen Sinne, dass von solchen Falschaussagen zukünftig abgesehen bzw. präzise aufgeklärt wird! Danke!
    1. Antwort von Michael Rom  (Micherer)
      In welchen Bereichen wird Ihrer Ansicht nach die Meinungsfreiheit eingeschränkt und durch wen?
  • Kommentar von Zeljko Calusic  (Zeljko Calusic)
    Wir kämpfen für die Gleichberechtigung der Frau in der Schweiz. Anderswo in den armen Ländern werden die Frauen als Leihmütter ausgebeutet. Das ist nicht recht. Das ist die moderne Sklaverei. Das sollten wir keinesfalls in unserem Land erlauben. Und dies sollten wir weltweit bekämpfen.
  • Kommentar von Zeljko Calusic  (Zeljko Calusic)
    Seit 2007 gibt die eingetragene Partnerschaft. Damals haben die LGBT Kreise in der Arena behauptet, dass sie nicht heiraten oder Kinder adoptieren wollen. Aber das war eine Lüge. Nur 14 Jahre später stimmen wir über die Ehe für alle inklusive Samenspende für lesbische Paare ab. In den nächsten zehn Jahren werden wir ganz bestimnt über die Leihmutterschaft abstimmen. Denn es ist die klassische Salamitaktik. Diesmal stimme ich NEIN. Denken wir endlich an die Kinder.