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Can Dündar
Legende: Der ehemalige Chefredakteur der Zeitung «Cumhuriyet», Can Dündar, lebte heute im Exil in Berlin Keystone
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Urteil in der Türkei Journalist Dündar zu mehr als 27 Jahren Haft verurteilt

  • Türkische Richter haben den türkischen Journalisten Can Dündar zu über 27 Jahren Haft verurteilt.
  • Dem 59-Jährigen werden Terrorunterstützung sowie «militärische oder politische Spionage» vorgeworfen.
  • Die Istanbuler Staatsanwaltschaft hatte nach Angaben von Dündars Anwälten bis zu 35 Jahre Haft gefordert.

Can Dündar erhielt eine Strafe von 18 Jahren und neun Monaten – dem 59-Jährigen wird «militärische oder politische Spionage» vorgeworfen. Das Gericht verurteilte ihn zudem zu acht Jahren und neun Monaten Haft wegen Terrorunterstützung, wie aus dem Protokoll des Gerichts hervorging. Von dem Vorwurf, geheime Informationen bekannt gegeben zu haben, wurde er demnach freigesprochen. Das Gericht ordnete zudem erneut Dündars Festnahme an.

Die Anwälte Dündars boykottierten aus Protest die Verhandlung. Sie hatten die Entscheidung zuvor damit begründet, dass sie kein Urteil legitimieren wollen, das zuvor bereits politisch entschieden worden sei.

Zeitungsbericht von 2015 erregte Anstoss

Hintergrund des Verfahrens gegen Dündar ist ein Zeitungsbericht aus dem Jahr 2015, in dem die regierungskritische Zeitung «Cumhuriyet» geheime Informationen veröffentlichte, die Waffenlieferungen der Regierung an Rebellen in Syrien belegen sollten. Damals war Dündar Chefredaktor der «Cumhuriyet».

Dündar war für die Veröffentlichungen 2016 zu mehr als fünf Jahren Haft wegen Geheimnisverrats verurteilt und vom Vorwurf der Spionage freigesprochen worden. Der Oberste Gerichtshof in Ankara hatte das Urteil 2018 aber aufgehoben und erklärt, ein neues Verfahren gegen Dündar müsse um den Strafbestand der Spionage ausgeweitet werden.

Mehrere Verfahren laufen noch

Zuletzt hatte das Gericht Dündar für flüchtig erklärt. Daraufhin war sein Vermögen in der Türkei nach Angaben der Anwälte beschlagnahmt worden. Seit dem Spätsommer 2016 lebt Dündar in Deutschland. Gegen den Journalisten laufen mehrere Verfahren in der Türkei.

SRF 4 News, 23.12.2020, 10 Uhr;

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15 Kommentare

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  • Kommentar von Karl Frank  (Europäer)
    Schmusen mit Erdogans Türkei wird lange dauern. Die Hoffnung der USA auf den Erdogans Rückkehrt auf amerikanisches Geschoss stirbt am Ende. Aber der Erdogan und ganze Türkei haben schon Wind von Geschäften mit Zentralasien und China gerochen. Die brauchen Europa und USA nicht mehr. Lange nicht mehr.
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  • Kommentar von Alois Keller  (eyko)
    Solidarität mit Can Dündar heisst Schmusekurs mit Erdogan beenden. Wer sich jetzt mit Can Dündar solidarisiert, aber weiterhin das Regime Erdogan mit Finanz- und Wirtschaftshilfen oder wie zuletzt Bundesaussenminister Maas mit Waffenexporten weiter unterstützen will, meint es nicht ehrlich. Statt Solidarität mit der verfolgten Opposition zu heucheln, muss die Bundesregierung ihren Schmusekurs gegenüber Erdogan beenden und klare Kante gegen dieses menschenverachtende Regime zeigen.
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  • Kommentar von Alois Keller  (eyko)
    Rekord-Waffenexporte aus Deutschland in die Türkei. Die Türkei hat in den ersten acht Monaten dieses Jahres Kriegswaffen für 250,4 Millionen Euro aus Deutschland erhalten. Sie belegen „in erschreckender Weise die skrupellose Hochrüstung der Türkei“. Sie würden wohl geeignet, um zum Einsatz zu kommen, wenn beim Konflikt der Türkei mit Griechenland um Gasfelder im östlichen Mittelmeer eines Tages eskalieren sollte. Zweigleisig ist - Waffenlieferung an die Türkei und Aysl für Can Dündar
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