Zum Inhalt springen

Header

Audio
«Goldene Morgenröte»: Urteil im Prozess gegen Faschisten-Partei
Aus Rendez-vous vom 05.10.2020.
abspielen. Laufzeit 07:59 Minuten.
Inhalt

Urteil in Griechenland «Goldene Morgenröte»: Partei oder kriminelle Vereinigung?

Gewalt gegen Linke und Migranten: Ein Athener Gericht klärt, ob die Führung der Faschisten-Partei hinter Gitter gehört.

Petros Konstantinou ist seit Jahren aktiv im Kampf gegen die «Goldene Morgenröte». Der 59-jährige Athener Stadtrat koordiniert die «Bewegung gegen den Rassismus und die faschistische Bedrohung», eine der bekanntesten griechischen Antifa-Initiativen.

Seit den 1990er-Jahren habe es immer wieder Angriffe der «Goldenen Morgenröte» gegen Migranten und Linke gegeben, sagt Konstantinou. Mit ihrem Einzug ins Parlament im Jahre 2012 nahmen die Angriffe zu – von der Polizei hatten die Opfer meistens keine Hilfe zu erwarten: «Sie tolerierte die ‹Goldene Morgenröte› nicht nur, sie gab ihr sogar Rückendeckung. Das war skandalös.» Es habe Angriffe am helllichten Tag in Anwesenheit der Polizei gegeben.

Aufschrei in Zivilbevölkerung

«Die Opfer, die eine Anzeige erstatten wollten, wurden weggeschickt oder verhaftet, da es oft Migranten ohne Aufenthaltserlaubnis waren», schildert Konstantinou. Erst mit dem Mord an Fyssas habe sich das geändert. Die Empörung in der Gesellschaft sei zu gross geworden. «Es gab Demos und Streiks, sodass am Ende alle Parlamentsmitglieder der Partei festgenommen wurden.»

Anhänger der «Goldenen Morgenröte» 2015 in Athen
Legende: Anhänger der «Goldenen Morgenröte» marschierten in den letzten Jahren immer wieder auf griechischen Strassen auf – mit unmissverständlichen Auftritt. Keystone

Vor Gericht wurden mehrere Straftaten zusammengeführt: Neben dem Mord an Fyssas, dem versuchten Mord an zwei Ägyptern und an linken Gewerkschaftern, geht es darum, ob die Parteispitze der «Goldenen Morgenröte» eine kriminelle Vereinigung gegründet und geführt hat. Ein Vorwurf, den die Partei von Anfang an von sich gewiesen hat. Die Morde und versuchten Morde seien einzelne Straftaten, mit denen sie nichts zu tun gehabt haben, so ihre Verteidigungslinie.

Wenn sie nicht verurteilt werden, werden sie sagen können, dass das eine politisch motivierte Anklage war, wegen ihrer rechten Ideologie
Autor: Eleftheria KoumandouGriechische Journalistin

Die 45-jährige Journalistin Eleftheria Koumandou ist Gründungsmitglied des Golden Dawn Watch, eines unabhängigen Beobachtungsorgans des Strafverfahrens gegen die «Goldene Morgenröte».

Für sie ist der Mord an Fyssas ein gutes Beispiel für die kriminellen Strukturen der neofaschistischen Partei: «Das war die Definition der kriminellen Vereinigung schlechthin. Alles fing mit einer Auseinandersetzung in einem Café an. Sofort hat der eine den anderen informiert, vom Rangniedrigsten zum Ranghöchsten bis hin zum Anführer der Partei, Nikolaos Michaloliakos.»

Michaloliakos beim Prozess in Athen, 2015
Legende: Nach dem Mord am linken Rapper wurde Parteichef Michaloliakos festgenommen. Im Gegensatz zu anderen Parteimitgliedern, die gegen Kaution freikamen, verblieb er in Haft. Keystone

Von oben seien Befehle erteilt worden, sich zu treffen und dem Opfer aufzulauern. «Es folgte eine SMS an die Mitglieder der Region, ‹alle ins Büro – jetzt›. Alles ist sehr schnell passiert, was zeigt, dass die ‹Goldene Morgenröte› ihre Mitglieder darin ausgebildet hatte und dass sie gelernt haben, ihrem Ranghöheren zu gehorchen», sagt Koumandou.

Heute ist die «Goldene Morgenröte» nicht mehr im nationalen Parlament vertreten. Ein Freispruch könnte die neofaschistische Partei aber wieder stärker machen, sagt Koumandou: Gerade deshalb sei es wichtig, dass nicht nur die Täter der Morde und versuchten Morde verurteilt werden, sondern auch die Parteispitze.

«Wenn sie nicht verurteilt werden, werden sie sagen können, dass das eine politisch motivierte Anklage war, wegen ihrer rechten Ideologie», sagt die Prozessbeobachterin. «Sie wurden aber nicht wegen ihrer Ideologie angeklagt, das sieht das griechische Rechtssystem nicht vor; sie sind vor Gericht wegen ihrer Taten.»

Im Bild: Antifaschistische Demo an Rapper Fyssas, 2014 in Athen.
Legende: Das Athener Gericht will am Mittwoch sein Urteil verkünden. Gewerkschaften, Antifa-, Studierenden- und Schülerorganisationen wollen vor dem Gerichtsgebäude gegen die «Goldene Morgenröte» demonstrieren. Im Bild: Antifaschistische Demo in Gedenken an Rapper Fyssas, 2014 in Athen. Keystone

Der Politiker Petros Konstantinou wird bei der Urteilsverkündung auch dabei sein. Eleftheria Koumandou wird im Gerichtssaal sitzen, als eine von wenigen akkreditierten Journalistinnen. Beide hoffen, dass der Prozess mit der Verurteilung der «Goldenen Morgenröte» endet.

Rendez-vous vom 05.10.2020, 12:30 Uhr

Jederzeit top informiert!
Erhalten Sie alle News-Highlights direkt per Browser-Push und bleiben Sie immer auf dem Laufenden.
Schliessen

Jederzeit top informiert!

Erhalten Sie alle News-Highlights direkt per Browser-Push und bleiben Sie immer auf dem Laufenden. Mehr

Push-Benachrichtigungen sind kurze Hinweise auf Ihrem Bildschirm mit den wichtigsten Nachrichten - unabhängig davon, ob srf.ch gerade geöffnet ist oder nicht. Klicken Sie auf einen der Hinweise, so gelangen Sie zum entsprechenden Artikel. Sie können diese Mitteilungen jederzeit wieder deaktivieren. Weniger

Sie haben diesen Hinweis zur Aktivierung von Browser-Push-Mitteilungen bereits mehrfach ausgeblendet. Wollen Sie diesen Hinweis permanent ausblenden oder in einigen Wochen nochmals daran erinnert werden?

Meistgelesene Artikel

Nach links scrollen Nach rechts scrollen

12 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von René Balli  (René Balli)
    Mit Einsperren dieser Leute wird das Problem sicherlich nicht gelöst werden, es könnte sogar neuen Zulauf verursachen. Die Ursache ist die Angst der Bürger um ihre Heimat und Zukunft, weil sie sehen dass die EU und die Landesregierungen das Problem der Migration überhaupt nicht im Griff haben. Die Migration muss mit echter Hilfe vor Ort angegangen werden indem man den korrupten Regierungen den Geldfluss abstellt und endlich über Familienplanung spricht! Alles andere ist Symptombekämpfung.
    1. Antwort von tina nivo  (Fuchsi)
      was bitte ist das für ein Argument? Familienplanung? Entschuldigen Sie, was hat Familienplanung mit dem Mord an einem Menschen und mit einer Faschistischen Partei zu tun?
      Möchten Sie nun den Migranten vorschreiben wie viele Kinder sie zu bekommen haben, nur weil in der ch oder nachbarländern 1-2 kinder pro familie sind?
    2. Antwort von Krebs Alfred  (A.Santiago)
      @Balli. Es ist ermüdend, dass das Heil immer mit der Familienplanung gesucht wird. Dass aber viele Großkonzerne die zum Teil auch ihren Sitz in der Schweiz haben, sie Länder ausbeuten wird total vergessen. Bitte vergessen Sie nicht, dass ein Schweizer ein vielfaches mehr Ressourcen verbraucht als ein Flüchtling.
    3. Antwort von Rafael Wetli  (Rafael Wetli)
      Verwechseln Sie eine klar faschistische Partei nicht mit „normalen besorgten Bürgern“. Wer seine Meinung demokratisch und nicht im Widerspruch zur Verfassung äussert, kann am Dialog teilnehmen. In diesem Fall geht es in der Anklage ja genau nicht um die Gesinnung sondern um den Mord. Eine Schande wenn Sie hier das Problem bei anderen sehen.
  • Kommentar von Markus Holti  (M.A.Holti)
    Jede Art von Gewalt, ob physische oder psychische, wo der freie Wille nicht respektiert wird, ist nicht zu akzeptieren. Ob von rechts oder links spielt dabei keine Rolle. Es kann nicht sein, dass rechte Gewalt verurteilt wird und im gleichen Atemzug linke Chaoten in Schutz genommen werden oder umgekehrt. Dies ist nicht nur scheinheilig, sondern setzt falsche und gefährliche Signale. Der Staat muss hier auch in der Schweiz konsequenter und unparteiisch handeln.
    1. Antwort von tina nivo  (Fuchsi)
      es kann nicht sein, das Sie einen Mord vergleichen mit linker Gewalt. Probleme und Fakten mit anderen Dingen zu verlagern, ist ignoranz und pietätslos gegenüber dem Opfer! Wo bleibt der Anstand und Respekt?
  • Kommentar von Albert Planta  (Plal)
    Es ist Eigenartig, dass in Griechenland eine faschistische Partei etablieren konnte. Griechenland litt extrem unter den Faschisten im 2 Wk.
    1. Antwort von Lukas Gubser  (Mastplast)
      Das kommt halt davon dass Immigrationsprobleme Jahrelang wenn nicht Jahrzehnte negiert werden. Kommt in ganz Europa immer mehr, umso mehr arme dass es gibt umso mehr extreme wird es geben wie in den 30ern.
    2. Antwort von Andres Mettler  (Medi)
      @ Gubser
      Es ist nicht so, dass man diese "Probleme" negiert. Es gibt ganze Berufsgruppen die sich mit Immigration und Integration befassen. Wie privilegiert ist ihre Sicht, Menschen mit Schutzbedürftigkeit als Probleme brandzumarken. Dann noch der Vergleich mit den 30ern, dort war die grosse Depression die von der Wirtschsftskrise von 1929 ausgelöst wurde. Wenns jetzt mit den überhitzen Märkten wieder bergab geht, wer darf dann wohl als Sündenbock hinhalten?...Too big to fail nicht vergessen;)
    3. Antwort von Andres Mettler  (Medi)
      @ Gubser
      Es ist nicht so, dass man diese "Probleme" negiert. Es gibt ganze Berufsgruppen die sich mit Immigration und Integration befassen. Wie privilegiert ist ihre Sicht, Menschen mit Schutzbedürftigkeit als Probleme brandzumarken. Dann noch der Vergleich mit den 30ern, dort war die grosse Depression die von der Wirtschsftskrise von 1929 ausgelöst wurde. Wenns jetzt mit den überhitzen Märkten wieder bergab geht, wer darf dann wohl als Sündenbock hinhalten?...Too big to fail nicht vergessen;)
    4. Antwort von tina nivo  (Fuchsi)
      Die Faschistenproblematik erscheint für uns eigenartig. Diese hat auch nichts mit den Flüchtlingen zu tun, diese Haltung besteht seit längerem und nicht erst seit der Flüchtlingskrise. Es wäre schön wenn nicht immer das Argument, Flüchtlinge, kommen würde, denn damit macht man es sich viel zu einfach.
    5. Antwort von Krebs Alfred  (A.Santiago)
      @Plal. Es hat in jedem Land Menschen gegeben, die die Faschisten unterstützt haben. Es gibt immer eine Gruppe, die in solchen Fällen profitieren wollen.