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Urteil zu Genome Editing «Das Urteil wird Auswirkungen auf die Schweiz haben»

Legende: Video Was ist eigentlich Genome Editing? abspielen. Laufzeit 01:14 Minuten.
Aus SRF News vom 24.07.2018.

Der Europäische Gerichtshof wird am Mittwochvormittag einen Grundsatzentscheid in puncto Gentechnik treffen. Ein Urteil, auf das alle, die mit dem Thema etwas zu tun haben, gespannt warten – Bauern, Umweltschützer, Konsumentenvertreter und Forscher. Es wird entscheidend sein, ob geneditierte Pflanzen auf unseren Tellern landen, sagt SRF-Wissenschaftsredaktorin Katrin Zöfel.

SRF News: Worum geht es bei diesem Grundsatzentscheid?

Katrin Zöfel: Es geht um Gentechnik bei Pflanzen, genauer um die Frage, ob Pflanzensorten, die mit neuer, moderner Gentechnik erzeugt werden, genauso streng reguliert werden sollen, wie gentechnisch veränderte Pflanzen bisher. Die sind recht streng reguliert – in der EU genauso wie in der Schweiz.

Genome Editing ist eine Methode, die wesentlich genauer und subtiler als die alten Gentechnik-Methoden.

Jetzt gibt es eben eine neue Technik – Genome Editing. Sie existiert erst seit ein paar Jahren – bisher vor allem in Laboren. Jetzt wird sie allmählich praxisreif. So stellt sich die Frage, wie man mit Weizen-, Raps- oder Reis-Sorten umgehen soll, die genomeditiert sind.

Genome Editing, das klingt immer noch wie Gentechnik?

Genome Editing ist eine Methode, die wesentlich genauer und subtiler als die alten Gentechnik-Methoden. Wenn eine Pflanze genomeditiert wird, dann ist das Ergebnis so minimal anders, dass man es kaum von natürlich entstandenen Genveränderungen unterscheiden kann. Und: Die meisten dieser Veränderungen könnten auch natürlich, also zufällig entstehen.

Das ist wohl das Argument der Befürworter einer Lockerung...

Die, die sich eine lockere Regulierung für diese neuen Pflanzen wünschen, argumentieren eben, dass das Ergebnis gar nicht so viel anders ist, als das, was in der Natur sowieso passiert. Und die anderen, die die sich eine strenge Regulierung wünschen, die sagen: Da wird ins Genom eingegriffen, also ist es Gentechnik, und muss auch so reguliert werden!

Eine Getreideähre
Legende: Der EuGH entscheidet, ob Nutzpflanzen künftig genetisch verändert werden dürfen. Reuters

Welche Konsequenzen kann das Urteil haben?

Wenn diese neuen Sorten nicht streng reguliert werden, dann bedeutet das, sie kommen auf den Acker. Und das heisst eben auch, dass Nahrungsmittel aus diesen neuen Sorten, auf den Tellern der Menschen landen werden. Der Europäische Gerichtshof kann natürlich nur für die Europäische Union entscheiden, nicht für die Schweiz.

Kann die Schweiz aber einen eigenen Weg gehen?

Das wird zumindest nicht ganz einfach werden. Denn eben diese Sorten sind kaum zu unterscheiden, von natürlichen Sorten. Es wäre sehr aufwändig, die Schweiz hier abzuschotten. Schon heute ist es ziemlich schwierig, ganz zu verhindern, dass zum Beispiel gentechnisch verändertes Soja in die Schweiz importiert wird.

Schon heute ist es ziemlich schwierig, ganz zu verhindern, dass zum Beispiel gentechnisch verändertes Soja in die Schweiz importiert wird.

Das heisst, mit anderen Worten: Wenn der europäische Gerichtshof die Regulierung lockert, steigt die Wahrscheinlichkeit, dass solche genetisch manipulierten, oder geneditierten Pflanzen auf Schweizer Tellern landen.

Auch die Schweiz muss sich also positionieren. Wird es da auch hier bald eine Entscheidung geben?

Der Bundesrat bereitet auf Ende Jahr einen Grundsatzentscheid vor. Bafu und BLW erarbeiten gerade ein Aussprache-Papier, das dann als Grundlage für diese Entscheidung dienen wird. Die Fachleute warten jetzt ab, wie das europäische Gericht entscheidet. Es ist ganz klar: Dieses Urteil wird beeinflussen, wie die Schweiz sich verhält.

Wenn wir noch einmal auf die Technik zurückkommen, was kann man denn damit tatsächlich machen?

Vorweg: diese Technik macht Dinge möglich, die vorher einfach undenkbar waren. Wenn man Pflanzenforscher fragt, die sind ganz aus dem Häuschen und hören gar nicht mehr auf zu fabulieren, was alles möglich werden könnte. Grundsätzlich gibt es zwei Schienen: Industrielle Nutzung, dafür z. B. Stärke in Mais, Ölsäuregehalt, aber auch Krankheitsresistenzen, Trockenheitstoleranz, und eben diese zweite Gruppe, von neuen Möglichkeiten, die mehr vom Acker her gedacht sind, die könnten eben auch beitragen zu einer nachhaltigeren Landwirtschaft.

Das Gespräch führte Teresa Delgado.

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47 Kommentare

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  • Kommentar von Beppie Hermann (Eine rechte Grüne)
    "Auch wenn die Berichterstattung über Genome Editing häufig das Gegenteil behauptet: Von der beworbenen Präzision der neuen Verfahren kann keine Rede sein." So das gen-ethische Netzwerk DE. "WissenschaftlerInnen stehen unter großem Druck, möglichst spektakuläre Ergebnisse in hochrangigen Fachschriften zu veröffentlichen. Kritik+Misserfolge haben keinen Platz, sie werden nicht veröffentlicht. Fragen nach ökolog.Auswirkungen u.Sicherheit für Menschen, Tiere, Pflanzen+Umwelt bleiben unbeantwortet"
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  • Kommentar von Alex Volkart (Lex18)
    Was gentechnisch verändert ist soll auch klar so deklariert werden, sonst belügt man den Konsumenten. Wenn die Gentechnik-Industrie die Konsumenten für sich gewinnen wollen sollen sie sie nicht belügen.
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  • Kommentar von A. Keller (eyko)
    Wir wollen keine genmanipulierte Pflanzen in der Schweiz. Die Menschen wollen blühende Wiesen und lebendiges Grün, das ihnen Lebensqualität schenkt. Die Zahl der Insekten hat in den vergangenen Jahren stark abgenommen. Vor allem die Fluginsekten sind betroffen. Doch die Insekten sind nicht isoliert zu betrachten, sie stehen am Beginn der Nahrungskette. Für grössere und kleinere Wildtiere sind sie eine nicht zu ersetzende Futterquelle. Für die die Aufzucht der Jungen geht. Gentechnik schadet nur.
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    1. Antwort von Beppie Hermann (Eine rechte Grüne)
      L H (l_h), genmanipulierte Pflanzen, die schädlingsbekämpfende Gifte von innen heraus selber produzieren, töten auch andere Insekten, zB solche, die sich an ihren Blüten verköstigen.
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