Was ist passiert? Am Mittwoch kam es in der Grossstadt Minneapolis im Norden der USA zu tödlichen Schüssen, bei denen eine 37-jährige Frau ums Leben kam. Sie wurde von einem Beamten der Einwanderungsbehörde ICE getroffen, als sie sich in einem fahrenden Fahrzeug befand. Die Frau erlag ihren Verletzungen im Spital.
Wie kam es zu den Schüssen? Vom Vorfall, der sich während einer Kontrolle der Behörde ICE ereignete, zirkulieren Videoaufnahmen. Nach Angaben der Polizei befand sich die Frau in ihrem Auto und blockierte eine Strasse in Minneapolis, als sich ein ICE-Beamter zu Fuss näherte. Der Wagen setzte sich demnach in Bewegung, woraufhin mindestens zwei Schüsse fielen. Wie die Nachrichtenagentur AP berichtet und auf Videoaufnahmen zu sehen ist, wurden diese von einem zweiten Beamten abgefeuert, der sich in unmittelbarer Nähe zum Fahrzeug befand. Gemäss Videoaufnahmen leisten die ICE-Beamten nachdem das Fahrzeug am Strassenrand stoppte keine erste Hilfe sondern rufen eine Ambulanz herbei. Die Frau hat gemäss AP eine Kopfverletzung erlitten und sei im Spital für tot erklärt worden.
Wer ist das Opfer? Nach bisherigen Erkenntnissen deute nichts darauf hin, dass die Frau im Fokus der Behörden stand. Die 37-Jährige war laut «Washington Post» eine preisgekrönte Dichterin und Mutter von drei Kindern im Alter von 6, 12 und 15 Jahren. Der demokratischen Senatorin Tina Smith zufolge war sie US-Staatsbürgerin, offiziell bestätigt ist dies von den Bundesbehörden noch nicht.
Wie reagieren die Offiziellen? Das Ministerium für Innere Sicherheit teilte auf der Plattform X mit, die Frau habe versucht, Einsatzkräfte zu überfahren. Die zuständige Ministerin Kristi Noem sprach von einem «defensiven» Schusswaffeneinsatz zum Schutz der Beamten und Unbeteiligter. Der Beamte habe in einer lebensbedrohlichen Situation gehandelt und befinde sich inzwischen zur Erholung im Spital. US-Präsident Donald Trump schrieb auf seiner Onlineplattform Truth Social, die Frau habe mit ihrem Fahrzeug einen ICE-Beamten «gewaltsam und vorsätzlich» angegriffen.
Sie säen Chaos in unseren Strassen. Und in diesem Fall haben sie wortwörtlich getötet. Sie versuchen das als Selbstverteidigung darzustellen.
Der demokratische Bürgermeister Jacob Frey kritisiert den Einsatz hingegen scharf und wies die Darstellung der Selbstverteidigung nach Sichtung von Videoaufnahmen entschieden zurück. Er wirft den Bundesbehörden auch vor, die Lage eskaliert zu haben. «Sie säen Chaos in unseren Strassen. Und in diesem Fall haben sie wortwörtlich getötet. Sie versuchen, das als Selbstverteidigung darzustellen. Ich habe das Video gesehen: Das ist Blödsinn!»
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Bild 1 von 6. Nach den tödlichen Schüssen prallte das Fahrzeug gegen ein geparktes Auto und kam schliesslich vor einem Kandelaber zum Stillstand. Bildquelle: REUTERS/Tim Evans.
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Bild 2 von 6. In der Frontscheibe des Autos ist ein Einschussloch zu erkennen. Bildquelle: REUTERS/Tim Evans.
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Bild 3 von 6. Im Wohnquartier von Minneapolis kam es am Mittwoch zu Protesten gegen die Einwanderungsbehörde ICE. Bildquelle: IMAGO/Alex Kormann.
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Bild 4 von 6. Am Donnerstag kam es im Süden von Minneapolis vor einem ICE-Gebäude zu Zusammenstössen zwischen Demonstrierenden und Sicherheitskräften. Bildquelle: IMAGO/Mostafa Bassim.
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Bild 5 von 6. Die Behörde ist seit Tagen mit einem massiven Aufgebot in der Stadt im Norden der USA präsent. Bildquelle: Alex Kormann/Star Tribune via AP.
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Bild 6 von 6. Am Ort des tödlichen Zwischenfalls kamen am Donnerstag Menschen zusammen, um der Getöteten zu gedenken. Bildquelle: REUTERS/Tim Evans.
Was ist der Hintergrund des Einsatzes? Seit mehreren Tagen läuft in Minneapolis und dem benachbarten St. Paul eine ICE-Operation, an der nach Angaben des Ministeriums für Innere Sicherheit mehr als 2000 Bundesbeamte beteiligt sind. Ziel sind den Behörden zufolge Ermittlungen im Zusammenhang mit mutmasslichem Sozialhilfe-Betrug, unter anderem im Umfeld der somalischen Gemeinschaft. Ursprung dieser Vorwürfe ist das Video eines Influencers. Unmittelbar nach dem tödlichen Vorfall kam es zu Protesten am Tatort. Auch in anderen Städten kam es Medienberichten zufolge zu Kundgebungen.
Was ist der Stand der Ermittlungen? Am Donnerstagabend (Schweizer Zeit) kritisierte die Strafverfolgungsbehörde von Minnesota zudem eine Behinderung ihrer Ermittlungen. Die US-Staatsanwaltschaft habe entgegen vorheriger Absprachen entschieden, dass ausschliesslich die US-Bundespolizei FBI die Ermittlungen leiten solle.