US-Polizistin nach Todesschüssen angeklagt

Die neuerlichen Tötungen von Schwarzen US-Bürgern in Oklahoma und North Carolina treibt die Menschen auf die Strassen. Die Behörden in North Carolina reagieren auf diese Eskalation mit Gummischrott und Ausgangssperre. Derweil wird gegen eine mutmassliche Todesschützin ermittelt.

Demonstranten auf den Strassen von Charlotte. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Nach den tödlichen Schüssen auf einen Afroamerikaner zeigen Demonstranten auf Charlottes Strassen ihre Empörung. Keystone

Nach den tödlichen Schüssen auf einen unbewaffneten Schwarzen in Tulsa im US-Staat Oklahoma, ist eine Polizistin des Totschlags beschuldigt worden. Gegen die Beamtin sei Haftbefehl erlassen worden, erklärte Staatsanwalt Steve Kunzweiler.

Der Polizistin wird vorgeworfen, am vergangenen Freitag auf einer Strasse in Tulsa den 40-Jährigen Schwarzen Terence Crutcher erschossen zu haben. Der Vorfall war von Polizeikameras aufgezeichnet worden. Auf den Bildern ist zu sehen, wie sich der Mann mit erhobenen Händen an sein Auto lehnt. Es sieht so aus, als kooperiere er mit den Beamten. Dann trifft ihn plötzlich der Schuss einer Polizistin, er stürzt zu Boden, woraufhin ein weiterer Polizist eine Betäubungswaffe abfeuert.

Laut Ermittlungsunterlagen gab die Polizeibeamtin an, sie habe sich von Crutcher bedroht gefühlt – obwohl dieser keine Waffe trug und sich auch in seinem Auto keine Waffe befand.

Video von Todesschüssen in Charlotte veröffentlichen

Wenige Tage nach dem Vorfall in Tulsa war in Charlotte im Staat North Carolina ein weiterer Schwarzer von Polizisten auf dem Parkplatz eines Reihenhauskomplexes erschossen worden.

Demonstrant in Charlotte: «Das Video muss veröffentlicht werden»

0:36 min, vom 23.9.2016

Die Familie des Toten forderte nun die Veröffentlichung von Videoaufnahmen des Vorfalls. Die Angehörigen hätten die Aufzeichnungen am Donnerstag zu sehen bekommen, teilten die Anwälte der Familie mit. Um Transparenz zu schaffen, müsse die Polizei diese nun aber auch öffentlich machen.

Nach Polizeiangaben trug der 43-Jährige Keith Lamont Scott eine Handfeuerwaffe und stellte eine Bedrohung dar. Nach Angaben seiner Familie und Nachbarn trug Scott hingegen ein Buch – keine Waffe – und wartete auf den Schulbus, um seinen kleinen Sohn abzuholen.

Ausgangssperre verhängt

Der Todesfall hatte in Charlotte Proteste ausgelöst. Die Bürgermeisterin Jennifer Robers reagierte darauf ihrerseits am Donnerstagabend mit einer Ausgangssperre. Die Massnahme sollte um Mitternacht Ortszeit in Kraft treten und bis 6 Uhr morgens gelten. Zuvor hatte Gouverneur Pat McCrory bereits den Ausnahmezustand über der Stadt verhängt. Die Nationalgarde war im Einsatz.

Proteste in Charlotte

0:21 min, vom 23.9.2016

Das hinderte die Menschen aber in der Nacht auf Freitag nicht daran, sich der Ausgangssperre zu widersetzen. Die Demonstrationen seien jedoch weitgehend friedlich verlaufen, meldete die Polizei. Zwei Beamte waren aber von Demonstranten mit einer chemischen Substanz besprüht worden und mussten behandelt werden.

Bereits in der Nacht zum Donnerstag waren hunderte Menschen auf die Strasse gegangen. Es kam zu Zusammenstössen – die Polizei setzte Tränengas ein. Mehrere hundert Protestteilnehmer hatten eine wichtige Stadtautobahn in der Nähe des Stadions von Charlotte blockiert.