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Vorwürfe ohne Beweis: Trump spricht von «illegalen Stimmen»
Aus SRF 4 News aktuell vom 06.11.2020.
abspielen. Laufzeit 07:57 Minuten.
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US-Wahlen 2020 Politologe: «Trump strickt an einer grossen Verschwörung»

Präsident Donald Trump und Herausforderer Joe Biden liegen im Rennen um das Weisse Haus um Haaresbreite gleichauf. Die Nerven der Wähler und Beobachter sind zum Bersten gespannt. Die Kandidaten? Reagieren ganz unterschiedlich auf den Auszählungsthriller. Über deren Kommunikation und die Psychologie dahinter hat SRF News mit Thomas Jäger, Professor für Internationale Politik an der Universität Köln, gesprochen.

Thomas Jäger

Thomas Jäger

Politikwissenschaftler

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Der Politologe Thomas Jäger ist Professor für Internationale Politik und Aussenpolitik an der Universität Köln mit Schwerpunkt USA.

SRF News: Nach Mitternacht (MEZ) hat Präsident Trump gesagt: «Zahlt man nur die legalen Stimmen, gewinne ich locker. Zählt man auch die Illegalen, dann können sie versuchen, die Wahl zu stehlen.» Glaubt er selber wirklich, was er da sagt, wenn er immer wieder von Wahlbetrug spricht?

Thomas Jäger: Das ist schwierig zu wissen, ob er das nur spielt oder ob er die Rolle jetzt inzwischen über die vier Jahre so verinnerlicht hat, dass er wirklich meint, er würde betrogen. Aber was er eigentlich gesagt hat, ist, dass er alleine für die amerikanische Bevölkerung stehe; allein gegen das grosse Geld, gegen die grossen Medienkonzerne, gegen die grossen Tech-Konzerne, die alle versucht hätten, seine Wahl zu verhindern – etwa durch Umfragedaten, die sich alle als falsch erwiesen.

Je härter die Auseinandersetzung wird, desto mehr Menschen kann diese Erzählung erreichen.

Diese hätten versucht, Wahlgänge zu unterdrücken, hätten versucht, den Leuten zu sagen: «Geht überhaupt nicht raus. Es hat gar keinen Sinn. Trump wird nicht gewinnen.» Und Trump macht daraus eine grosse Verschwörung, als würden das grosse Geld, die grossen Medien- und Techkonzerne alle unter einem Hut sitzen und würden gegen ihn kämpfen. Aber man muss bedenken, dass das ungefähr ein Fünftel der amerikanischen Bevölkerung eben daran glaubt. Und je härter die Auseinandersetzung wird, desto mehr Menschen kann diese Erzählung erreichen.

«Wir haben keine Zweifel, dass Senatorin Harris und ich als Sieger feststehen werden, sobald alle Stimmen ausgezählt sind», sagte Joe Biden. Die Entwicklung der letzten Stunden gibt Biden recht.

Das ist richtig. Und das ist ja etwas, was sich durch Bidens Wahlkampf durchzieht. Im Sinne: Wenn der Trend dein Freund ist, dann lass ihn einfach laufen. So hat er das ja am Anfang gemacht, als er sich gar nicht gezeigt hat, sondern gesagt hat: «Die Pandemie geht so schlecht und die Regierung gibt so ein schlechtes Bild ab. Da brauche ich mich überhaupt nicht zu äussern.» Und jetzt mag er denken: Trump desavouiert sich selbst.

Wann ist mit weiteren Resultaten zu rechnen?

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In den Swing States in denen das Rennen noch offen ist, rechnen die Behörden wie folgt mit der Bekanntgabe von weiteren Resultaten:

  • Georgia: Die Resultate werden fortlaufend veröffentlicht. Mit weniger als 2000 Stimmen Unterschied ist es allerdings auch möglich, dass Stimmen, die nach der Auszählung eintreffen, etwa von Militärangehörigen und Ausland-Amerikanern, noch einen Einfluss auf das Ergebnis haben können.
  • Arizona: Die Behörden geben an, sie werden die nächsten Resultate am Freitag um 9 Uhr (17 Uhr MEZ) veröffentlichen.
  • Pennsylvania: Die Resultate werden laufend veröffentlichen. Die Behörden gehen davon aus, die meisten Stimmen heute Freitag auszählen zu können.
  • Nevada: Die nächsten Resultate werden am Freitag um 10 Uhr (18 Uhr MEZ) veröffentlicht. Es kann aber offenbar noch Tage dauern, bis das Endresultat feststeht.
  • North Carolina: In diesem Staat sind Briefstimmen gültig, die bis zum 12. November eintreffen. Sofern sie am Wahltag aufgegeben wurden. Das Resultat wird also auf sich warten lassen.

Jenseits der Kommunikation der beiden Anwärter: Worauf soll man denn in den nächsten Stunden im Kampf um die US-Präsidentschaft besonderes Augenmerk legen, wenn man sich ein Bild vom Wahlausgang machen will?

Nun, es sind die Staaten Pennsylvania, Georgia, North Carolina, Arizona und Nevada, in denen man genau schauen muss, wie sich der Trend entwickelt. Und letztlich bleibt nichts anderes übrig, als sich einen schönen Kaffee zu brühen und zu warten, bis das offizielle Wahlergebnis veröffentlicht ist.

Das Gespräch führte Roger Aebli.

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23 Kommentare

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  • Kommentar von Walter Stauffacher  (Wajrmara)
    Warum hat ein so riesiges Land das von Oligarchen gelenkt wird nicht eine dritte oder vierte Kraft in der Politik? Warum will offenbar die Hälfte der Amerikaner diesen narzistischen Flegel als Präsidenten? Vielleicht hat die Bevölkerung schlichtweg mehr als genug von den Kriegereien die seine Vorgänger (nach Carter) auf der Welt mit erlogenen Gründen angezettelt hatten. Hat man die Wahl zwischen Pest und Chlauensäuche, dan wählt man vielleicht das was ehrer zu überleben ist.
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  • Kommentar von Kurt Scherrer  (kurtskommentar)
    wäre die wahl wirklich manipuliert, hätte man SICHER dafür gesorgt, dass es nie auch nur in die nähe eines (fast) patts kommt, und hätte DT nie über die 40% kommen lassen. schade sind DT und anhänger nicht mit logik zu überzeugen.....
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    1. Antwort von Benedikt Walchli  (Baenzi)
      Logik? 4 Jahre haben sie es mit allen Mitteln legal und illegal probiert. Sie kennen die US Dems nicht wenn sie glauben das da nichts faul ist. Als sie sahen es wird heiss für Biden haben sie die Notbremse gezogen.
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  • Kommentar von Matthias Forster  (Matthias Forster 35)
    Ich denke es wurden schon Stimmen gezählt die nicht gültig wären. Von schon verstorbenen und so. Aber Trump wird trotzdem verlieren. Schlussendlich spielt es sowieso nicht so eine grosse Rolle, da es in einer Präsidentschaft nur wenige Veränderungen geben kann.
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