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US-Wahlen Armutsbekämpfung jenseits von Washington

Reading im US-Bundesstaat Pennsylvania ist seit Jahren auf der Liste der zehn ärmsten Städte im Land. 40 Prozent der Einwohner leben in Armut. Reading will dieses Etikett loswerden. Doch es hat kein Geld. Die Stadt setzt deshalb auf die Eigeninitiative der Einwohner. Sie sollen einander helfen.

«Wir leben von Zahltag zu Zahltag»: Die vierfache Mutter Stacey Readinger fasst den Alltag der 40 Prozent zusammen, die in Reading, Pennsylvania, in Armut leben.

Sie arbeitet nur Teilzeit, frühmorgens, danach unterrichtet sie ihre Kinder mit Online-Kursen. Neben ihrem Teilzeitlohn erhält sie Lebensmittelmarken vom Staat und eine Krankenversicherung für die Kinder. Sie muss kämpfen, wie viele in Reading: «Die guten Jobs sind schnell weg, wenn man keine entsprechende Ausbildung hat.» Nur gerade acht Prozent der 88'000 Einwohner haben einen Universitätsabschluss.

Dazu sind viele der Bewohner Immigranten, fast 60 Prozent stammen aus Lateinamerika. Sie suchen in Reading ein besseres Leben und finden es auch. Die Stadt ist bekannt für günstigen Wohnraum und eine hilfsbereite Umgebung. Reading sieht ganz normal aus. Niemand bettelt um Geld, niemand schläft auf der Strasse.

Niedergang der Arbeiterstädte

Aber Reading teilt das Schicksal vieler Städte im Rustbelt der USA. Im Rostgürtel mit seinen Arbeiterstädten wurde einst alles produziert, was es für den Bau eines Autos braucht. Die Automatisierung und die Globalisierung haben jedoch die einst blühende Industriegegend zu Fall gebracht. Die grösseren Städte wie Detroit haben sich schneller erholt. «Reading sucht immer noch seinen Platz», sagt David Endy.

Er wohnt etwas ausserhalb der Stadt. Ein weiteres Problem: «Die Armen haben kein Geld für ein Auto, damit sie auswärts zur Arbeit gehen könnten», sagt er. Denn in den Krisenjahren sind viele Jobs verschwunden, es gibt zu wenig Arbeitsplätze.

Motto: «Bürger helfen Bürgern»

Für alle, die sich kein Auto leisten können, und für die Kinder betreibt Jason Orth einen Veloladen in Reading. Im Bike-Hub können Kinder und Erwachsene mit kleinem Portemonnaie günstig Fahrräder kaufen, die andere nicht mehr brauchen. Durchschnittspreis: 60 Dollar.

Der 42-jährige Orth war Alkoholiker, hat Diabetes und lebt von einer Invalidenrente. Velofahren ist seine Passion. Und als sechsfacher Vater will er etwas für die Kinder tun: «Die Kinder sollen hier einen sicheren Hafen haben, damit sie von der Strasse wegkommen.» Das ist seine Mission.

Sein Veloladen ist Teil eines Hilfsprojektes, das der Bürgermeister von Reading angestossen hat. Es nennt sich «Redesign Reading» und es basiert auf dem Grundsatz, dass unbenutzte Dinge an Bedürftige abgegeben oder auch Hilfsdienste geleistet werden. Das Motto: Bürger helfen Bürgern.

Lokale Lösungen für lokale Probleme

Reading hilft sich selber, es wartet nicht auf die Politik. Vom neuen Präsidenten oder der neuen Präsidentin erwartet hier kaum jemand etwas. Brian Kelly, Geschäftsführer von «Redesign Reading», sagt: «Unsere Probleme sind lokal. Ein neuer Präsident wird das Leben der Armen kaum beeinflussen.»

Alex, ein junger, freiwilliger Helfer im Bike-Hub, sieht die Sache ganz locker: «Präsidentenzeugs kümmert mich nicht, wer gewinnt, gewinnt. Let it rock!»

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3 Kommentare

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  • Kommentar von Susanne Lüscher (Lol)
    Das passiert doch in Europa auch. Wer die veröffentlichten Zahlen z.B der Arbeitslosigkeit noch glaubt, läuft mit geschlossenen Augen herum. Die liebe Globalisierung hat im Westen viele Arbeitsplätze ausgelagert. Wenn diese wieder zurückgeholt werden, wie in Detroit passiert, verdienen die Leuten gerade einmal die Hälfte von dem was sie vor der Auslagerung verdient haben.
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  • Kommentar von Harald Buchmann (Harald_Buchmann)
    Ein Land hat in 30 Jahren massivst die Armut der Menschen reduziert, und das ist China. Dort sollte man fuer Rezepte hinschauen, nicht in eine Kleinstadt in einem sozialpolitisch gescheiterten Staat. Ob China auch so erfolgreich sein koennte, wenn es Wahlen auf nationaler Ebene gaebe, oder ob dadurch die Finanzelite der staatlichen Kontrolle quasi automatisch entzogen wird, das waeren die richtigen Fragen.
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  • Kommentar von Luca Bachofner (Ama et fac quod vis!)
    War letztens in Berlin, ganz viele Obdachlose, unter jeder Brücke Zeltstädte, fragt man die Menschen auf der Straße, die Wissen gar nichts davon! Die Europäer Leben so Ignorant und glauben wir sind in allem besser als die Amerikaner, egal ob in Armut, Bildung oder sonst was, Herr Gott macht die Augen auf! Fragt die Menschen in Berlin oder Paris mal was zum Beispiel, da kommen genauso Ignorante antworten wie in New York...
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