USA gegen IS: Aus Kampf wird Krieg

Bislang haben die USA das Wort «Krieg» im Kampf gegen die Terrormiliz Islamischer Staaten (IS) tunlichst vermieden – nun aber hat die US-Regierung die Tonart verschärft. Die USA wollen jetzt offensichtlich direkt die Terrorchefs ins Visier nehmen.

Bewaffnete Mitglieder des IS ziehen in schwarzen Kleidern und vermummt durch die Strasse. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Die Terrormiliz IS verfügt offenbar über eine Truppenstärke von rund 30'000 Mann. Keystone/Archivbild

Die US-Regierung spricht jetzt erstmals von einem Krieg gegen die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) in Syrien und im Irak. Bisher hatte sie den Kampf ausdrücklich als eine Terrorabwehr-Aktion bezeichnet und das Wort Krieg gemieden.

Der Sprecher des Weissen Hauses, Josh Earnest, meinte am Freitag, die USA seien in einem Krieg mit IS, «in derselben Weise, wie wir uns in einem Krieg mit Al-Kaida und deren Verbündeten rund um die Welt befinden.» Nahezu wortgleich äusserte sich auch der Sprecher des Verteidigungsministeriums, John Kirby.

Neues Ziel: Die Terrorchefs des IS

Noch am Donnerstag hatte US-Aussenminister John Kerry in einem Interview des Senders CNN gesagt, Krieg sei ein falscher Begriff für den Kampf gegen den IS. Es handele sich um eine «sehr bedeutende Terrorabwehr-Operation». Auch Präsident Barack Obama hatte in seiner Strategie-Rede an die Nation in der Nacht zum Donnerstag nicht von Krieg gesprochen.

Die USA wollen jetzt offensichtlich direkt die Führung der Terrormiliz ins Visier nehmen. Das deutete Kirby am Freitag vor Journalisten in Washington an. Es werde jetzt «offensivere Bemühungen» geben.

Bislang greift die US-Luftwaffe als einzige ausländische Macht Stellungen der IS-Extremisten im Norden des Iraks an. Obama hatte am Mittwochabend in Washington zudem Luftangriffe gegen den IS im benachbarten Syrien angekündigt. Unterstützt wird die Militäraktion mitunter von zehn arabischen Staaten. Dazu gehören die sechs Golfstaaten sowie der Irak, Jordanien, der Libanon und Ägypten.

Obama verteidigt US-Strategie (unkommentiert)

0:44 min, vom 13.9.2014

Obama will Kräfte «weise» einsetzen

Die Strategie der USA beruht weitgehend auf Luftangriffen und der Ausbildung ausländischer Kräfte für den Bodenkampf gegen den IS. Obama bekräftigte in einer Rede: Der beste Weg, um eine Gruppe wie den IS zu bekämpfen, liege nicht in der Entsendung einer grossen Anzahl von US-Kampftruppen. «Das würde nicht unseren Interessen dienen. Tatsächlich würde damit nur riskiert, Extremismus noch mehr anzufachen», so Obama.

«Um einer Bedrohung wie dieser zu begegnen, müssen wir klug sein», sagte Obama weiter. «Wir müssen unsere Kräfte weise einsetzen. Und wir müssen die Fehler der Vergangenheit vermeiden.»

Nötig sei jetzt eine unablässige Antiterror-Kampagne gegen die Miliz, die amerikanische Luftkapazitäten, Beiträge von Verbündeten und Partnern sowie stärkere Unterstützung für Kräfte vorsehe, die diese Terroristen am Boden bekämpften. «Und das ist genau, was wir tun.»

Sendungsbeiträge zu diesem Artikel

  • Obamas Kampfpläne in Syrien

    Aus Tagesschau vom 11.9.2014

    Barack Obama hat in der Nacht erklärt, was er weiter gegen die Terrormiliz IS zu tun gedenkt. Es war eine klare Kampfansage. Der US-Präsident plant jetzt auch in Syrien Luftangriffe, und er will mit kleinen Spezial-Einheiten auch am Boden operieren. Einschätzungen von USA-Korrespondent Arthur Honegger.

  • Ein IS-Überlebender berichtet

    Aus 10vor10 vom 10.9.2014

    Fast täglich erreichen uns Meldungen von Enthauptungen, Folterungen und Massakern durch IS-Terroristen. In der Regel verzichten wir auf die Darstellung dieser Gewalt. Bei Ali Hussein Kadhim machen wir eine Ausnahme: Der Iraker wurde von IS-Truppen beinahe hingerichtet und erzählte amerikanischen Journalisten seine Geschichte.