«USA müssen mit Feinden zusammenarbeiten, um IS zu stoppen»

Die USA sehen den syrischen Regierungschef Baschar al-Assad als Feind. Ein weiterer Feind ist aber auch die Terroristengruppe Islamischer Staat IS. Und um gegen diese, in den Augen der USA noch grössere Gefahr anzukämpfen, müssten sich eigentlich verfeindete Akteure nun wohl zusammenschliessen.

Jesidische Flüchtlinge in den Bergen an der Grenze von Irak zu der Türkei. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Die Terrorgruppe Islamischer Staat ist nicht nur für religiöse Minderheiten wie die Jesiden eine Gefahr. Keystone

Die USA sind alarmiert. Die Kämpfer des Islamischen Staates IS seien eine Gefahr für die USA und für Europa, so etwas raffiniertes wie IS kenne man noch nicht, sagt US-Verteidigungsminister Chuck Hagel. Man müsse auf alles gefasst sein. «Darum ist es auch sehr wahrscheinlich, dass die USA in Syrien jetzt doch militärisch eingreifen», sagt Fredy Gsteiger. Er ist diplomatischer Korrespondent von SRF und Fachmann für Sicherheitsfragen und Geopolitik.

Noch deutlicher als Verteidigungsminister Hagel hat es Generalstabschef Martin Dempsey formuliert: Man könne der Gruppe IS nur begegnen, wenn man auch auf syrischem Territorium zuschlage. Gsteiger fügt hinzu: «Das Bewusstsein, dass etwas getan werden muss, ist in Washington sicher grösser als je bisher im Syrien-Konflikt.»

USA nicht mehr im Abseits

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Angriff auf Moschee

Bei einem Angriff mehrerer bewaffneter Männer auf eine sunnitische Moschee im Osten Iraks sind offenbar mehr als 70 Personen getötet worden.
Nach Medienberichten soll es sich bei den Tätern um schiitische Milizen handeln. Andere Quellen bezeichneten allerdings Kämpfer der Terrorgruppe Islamischer Staat als Urheber des Angriffs.

Auf die grosse Frage, was geschehen muss, gibt es bis anhin keine klare Antwort. Aber sicher ist, dass die USA im Syrien-Konflikt nicht mehr im Abseits stehen bleiben können.

Müssten die USA sogar mit dem jetzigen Feind Baschar al-Assad zusammenarbeiten, um die Terrorgruppe IS zu bekämpfen? «Für US-Präsident Obama ist das die heikelste Frage überhaupt», sagt der diplomatische Korrespondent von SRF. Bisher war die offizielle US-Politik die, Assad quasi als Ungeheuer, Massenmörder und brutaler Schlächter der eigenen Bevölkerung darzustellen – und dies nicht zu Unrecht, sagt Gsteiger weiter.

Jetzt werde es natürlich entsprechend schwierig, auch nur eine geringe Form der Kooperation zu rechtefertigen und der amerikanischen Bevölkerung zu verkaufen. Doch Verteidigungsminister Hagel sagte, der IS sei zurzeit die grösste Gefahr für die USA. «Und zumindest indirekt heisst das, dass Assad im Moment nicht mehr die grösste Gefahr ist, die in oder aus Syrien heraus droht», sagt Gsteiger.

Mindestens stillschweigende Unterstützung

Luftangriffe wie jene in Irak sind seiner Meinung nach recht plausibel. Allerdings bräuchten die USA auch für solche Luftschläge mindestens die stillschweigende Unterstützung des Assad-Regimes und möglicherweise der syrischen Schutzmacht Russland. «Denn die Amerikaner wollen nicht riskieren, dass syrische Fliegerabwehr am Ende noch amerikanische Flugzeuge abschiessen», so der Korrespondent.

«Im Kampf gegen die radikal-islamische Terroristengruppe Islamischer Staat kommt eine interessante Koalition zustande», sagt Gsteiger. Die IS habe es geschafft, sehr verfeindete Akteure ein Stück weit zu versöhnen: USA, Syriens Regierungschef Assad, Russland, Iran und möglicherweise auch Saudiarabien haben im Moment das gemeinsame Interesse, den IS auszuschalten.

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