Zum Inhalt springen
Inhalt

International «Venezuelas Regierung sät Angst, während das Volk hungert»

Über eine Million Demonstranten gehen gegen den sozialistischen Präsidenten Venezuelas auf die Strasse. Auch die Anhänger der Regierung machen mobil. Das ölreiche Land steckt in einer schweren Krise und ist tief gespalten. Bei der «Einnahme von Caracas» kam es auch zu Ausschreitungen.

Die Protestwelle gegen das linksgerichtete Regime Venezuelas reisst nicht ab. «Tausende Venezolaner gehen für die Freiheit auf die Strasse», sagte die Frau des inhaftierten Oppositionsführers Leopoldo López, Lilian Tintori. Sie bekräftigten damit ihre Forderung nach einem schnellen Volksentscheid über die Absetzung von Präsident Nicolas Maduro.

Tränengas und Provokationen

«Mehr als eine Million Menschen haben ein Referendum in diesem Jahr gefordert, um Schluss zu machen mit dem Mangel, der Inflation, der Unsicherheit und der politischen Verfolgung», sagte der oppositionelle Bürgermeister des Hauptstadtbezirks El Hatillo, David Smolansky.

Das Oppositionsbündnis MUD berichtet, Sicherheitskräfte hätten Tränengas auf Demonstranten gefeuert. Ausserdem hätten Regierungsanhänger den Protestzug infiltriert, um zu provozieren und Unruhe zu stiften.

Die Bürgermeisterin von San Cristóbal und Ehefrau des inhaftierten Oppositionellen Daniel Ceballos, Patricia Ceballos, sagte: «Die Regierung sät Angst und bereichert sich, während das Volk Hunger leidet.»

Weitere Protestaktionen angekündigt

Die Wahlbehörde hatte den Termin für die zweite Unterschriftensammlung für den Volksentscheid gegen Maduro zuletzt auf Ende Oktober festgelegt. Der Opposition ist das zu spät, denn damit könnte die Regierung das Referendum bis ins kommende Jahr hinauszögern. Dann würden laut Verfassung die Sozialisten selbst bei einer Niederlage des Präsidenten an der Macht bleiben.

Die Opposition kündigte weitere Demonstrationen an, um ein baldiges Referendum gegen Maduro zu erzwingen. Am 7. September wollen die Regierungsgegner in den Provinzhauptstädten sechs Stunden auf die Strasse gehen, am 14. September zwölf Stunden, wie MUD-Chef Jesús Torrealba sagte.

Erbe gefährdet

Auch Tausende Regierungsanhänger gingen zur Unterstützung Maduros auf die Strasse. «Unsere Partei wird diese Rechten friedlich schlagen, unser Sieg wird der Frieden sein», sagte Freddy Bernal von der sozialistischen Partei Venezuelas. Die sogenannten Chavisten sehen durch die Proteste der Opposition das Erbe und die sozialen Errungenschaften des gestorbenen Präsidenten Hugo Chávez gefährdet.

Maduro warf der Opposition vor, die Bürger zur Gewalt anzustacheln. Der Staatschef beschuldigte den oppositionellen Parlamentspräsidenten Henry Ramos Allup, «Hass, Vergeltung, Faschismus und Gewalt zu fördern».

Er werde die Immunität der Abgeordneten des von der Opposition kontrollierten Parlaments per Dekret aufheben, kündigte er bei der Kundgebung der Sozialisten am Donnerstag an. «Ich bin entschlossen, das Vaterland und die Souveränität des venezolanischen Volkes mit allen Mitteln zu verteidigen.»

Journalisten abgewiesen

Venezuela hat mehrere internationale Journalisten abgewiesen, die über den Protesttag gegen die Regierung berichten wollten. Die französische Zeitung «Le Monde» protestierte am Donnerstag in Paris gegen die Ausweisung ihrer Korrespondentin aus dem südamerikanischen Land. Auch Journalisten aus den USA und Kolumbien sowie ein Fernsehteam von Al-Dschasira waren betroffen.

Venezuela ist tief gespalten: Seit dem Sieg der Opposition bei den Parlamentswahlen Ende vergangenen Jahres streiten sich Regierung und Volksversammlung. Zudem leidet das Land seit Monaten unter einer schweren Wirtschafts- und Versorgungskrise. In den Supermärkten fehlt es an Lebensmitteln und Dingen des täglichen Bedarfs.

Keine wichtigen News verpassen

Erhalten Sie die wichtigsten Nachrichten per Browser-Push-Mitteilungen.

Push-Benachrichtigungen sind kurze Hinweise auf Ihrem Bildschirm mit den wichtigsten Nachrichten - unabhängig davon, ob srf.ch gerade geöffnet ist oder nicht. Klicken Sie auf einen der Hinweise, so gelangen Sie zum entsprechenden Artikel. Sie können diese Mitteilungen jederzeit wieder deaktivieren.

8 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von Klaus Kreuter (Klaus Kreuter)
    Ach ja Herr Steiner, haben Sie schon einmal unter einem sozialistischen Regime gelebt? Zeigen Sie mir ein Land wo das langfristig zum Wohle der Bevölkerung funktioniert oder funktioniert hat? Ich kann da aus eigener Erfahrung gut berichten, alle sind gleich - ein paar sind immer etwas gleicher und die Bevölkerung hungert. Ist ein Busfahrer geeignet Präsident zu sein?
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Sebastian Frey (Sebastian Frey)
    Berichte/Bilder der beiden Kundgebungen zeigen mir eher; dass die "Besetzung-Caracas mit Millionen" wie von der Opposition angekündigt, "nur" zehntausende im Mittelschicht-Quartier (osten von Caracas) auf die Strasse brachte. Gewalt entgegen dem Bericht Oben und der Sorge der Opposition ausblieben. // Ebenso waren zehntausende im Stadtzentrum auf der Strasse, pro Maduro. Welcher dies als "Gegenoffensive des Volkes" bezeichnete, gleichzeitig eigene Versäumnisse eingestand.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
    1. Antwort von Bruno Vogt (b.vogt)
      Ich weiss ja nicht was für Bilder sie gesehen haben aber die Bilder die ich sah da waren es sicherlich 1 Million Menschen. Ich weiss auch nicht wieso sie hier andauernd ein Militärregime unterstützen das der Bevölkerung nicht einmal genügend Lebensmittel zur Verfügung stellt. Wissen sie wie viele Menschen täglich in den Strassen Venezuelas ermordert werden, wegen fehlender Sicherheit? Der Staatsapparat löst sich immer weiter auf, ich war kürzlich dort und weiss wovon ich spreche, sie auch?
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Christian Szabo (C. Szabo)
    Jeder Staat mit Ressourcen, die begehrt sind, ist gezwungen, diese auszunutzen. Alle erfolgreichen Staaten diversifizieren ihre Wirtschaft aus eigener Energie. Oder der Zwang kommt von aussen. Das Potential seiner Bürger auszunutzen ist der richtige Weg. Die Geschichte ist da eindeutig und ganz klar. Unfrieden zu säen, ist eine effektive und relativ gefahrlose Methode, um Gegner zu stürzen. Teile und herrsche.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen