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Verbot von Wegwerfprodukten EU will die Plastikflut eindämmen

Legende: Video Plastikmüll: EU setzt auf ein Verbot – was macht die Schweiz? abspielen. Laufzeit 02:07 Minuten.
Aus Tagesschau vom 24.10.2018.
  • In der EU gehören Plastikbesteck, Plastikteller, Trinkröhrchen und andere Wegwerfartikel aus Kunststoff bald der Vergangenheit an.
  • Nachdem die EU-Kommission im Mai ein Verbot gewisser Plastikprodukte vorgeschlagen hatte, stimmte dem nun auch das Europaparlament zu.
  • Nur knapp ein Drittel des Plastikmülls wird nach Angaben der EU-Kommission eingesammelt und wiederverwertet.

Die Lage ist ernst. Weltweit, auch in Europa, werden enorme Mengen Kunststoff genutzt und weggeworfen. Nur knapp ein Drittel des Plastikmülls wird nach Angaben der EU-Kommission eingesammelt und wiederverwertet.

Für Meeresbewohner eine grosse Gefahr

Ein Grossteil des Rests landet auf Müllkippen oder in der Umwelt. Plastik zerfällt aber sehr langsam und häuft sich besonders im Meer und an Stränden an. Bis zu 85 Prozent aller in der EU angespülten Abfälle sind aus Kunststoff. Für Vögel, Fische und andere Tiere ist das eine grosse Gefahr. Sie verheddern sich darin oder fressen es. Plastikspuren gelangen so auch auf den Teller.

Die EU-Kommission und der Umweltausschuss im Parlament haben deshalb eine Reihe von Massnahmen ins Rennen gebracht, um Plastikmüll einzudämmen. Die Abgeordneten in Strassburg stimmten am Mittwoch mit grosser Mehrheit für einen entsprechenden Richtlinienentwurf.

Leichte Plastiktüten nicht betroffen

Am deutlichsten spürbar für Konsumenten wären wohl geplante Verbote von Wegwerf-Plastikprodukten, die nur einmal benutzt werden. Darunter fallen Strohhalme, Wattestäbchen, Plastikgeschirr und -besteck.

Schweiz plant kein Verbot

Der Beschluss des Europaparlaments, diverse Einweg-Plastikprodukte zu verbieten, hat keine direkten Auswirkungen auf die Schweiz. Der Bundesrat hat erst kürzlich auf eine parlamentarische Anfrage geantwortet, dass in der Schweiz keine explizite Umweltgefährdung durch weggeworfene Produkte wie etwa Plastikröhrchen bestehe. Er plane deshalb – im Unterschied zur EU – kein Verbot.

Verbannt werden sollen aber nur Gegenstände, für die es aus Sicht der EU-Kommission bereits Alternativen gibt. Der Umweltausschuss im EU-Parlament wollte zusätzlich leichte Plastiktüten auf die Verbotsliste setzen. Ein solches Verbot hat aber keine Mehrheit im Parlament bekommen.

Mitgliedstaaten müssen noch zustimmen

Reduktionsziele sollen die EU-Staaten für Plastikprodukte einführen, die nicht ohne weiteres durch andere Materialien ersetzbar sind. Das betrifft etwa Behälter für Lebensmittel wie Boxen für Sandwiches oder Verpackungen für Früchte und Gemüse. Alle EU-Staaten sollen zudem bis 2025 den Verbrauch bestimmter anderer Produkte wie Plastikbecher um ein Viertel senken müssen – zum Beispiel über Preiserhöhungen oder Werbung für Alternativen.

Nachdem nun das Parlament eine gemeinsame Linie gefunden hat, muss ein Kompromiss mit den Mitgliedstaaten gefunden werden. Wird wie geplant im Jahr 2019 eine Einigung erzielt, müssten diese die neuen Regeln bis 2021 umsetzen.

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33 Kommentare

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  • Kommentar von Verena Schär (Nachdenklich)
    An uns Weltmeister im Reisen und Ferien machen (oft in die 3 Welt) nehmt euren Plastik mit nach hause, damit er nicht in der Natur landet oder in der Natur verbrannt wird. Wieviel Plastik lassen wir alle am Feriendomizil zurück? Sonnencrem, Shampoo, Windeln, defekte Schuhe, Sonnenbrillen, Taschen usw. Da fängt unsere Verantwortung gegenüber Asien, Afrika, Südamerika, dem Nord- und Südpol, Bergregionen an. All die Kreuzfahrtschiffe die viele so gern benutzen müllen all die Anlegerorte ein.
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  • Kommentar von Marco Ehmke (MarcoEh)
    Positiv dass man Massnahmen einleitet, doch leider nicht konsequent. Überall Ausnahmen, es könnte dem Konsumenten weh tun. Immerhin besser als nichts, doch hinterfragen wir uns selbst: Umweltschutz kann nicht nur dann erfolgen, wenn wir nichts davon spüren. Ich empfinde es als störend wieviel Müll wir pro Woche produzieren, obwohl wir sensitiv auf das Thema sind und versuchen auf ein Minimum zu reduzieren. Wieviel Müllsäcke entsorgt ihr jede Woche?!
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  • Kommentar von Tom Duran (Tom Duran)
    Und was bitte soll das bringen wenn 99% des Plastikmüll aus der Industrie und Schifffahrt stammt? Die Idee an sich ist ja gut, nur die Weltmeere werden so sicher nicht gerettet. Typisch Regierungen: man malträtiert den Bürger um von der eigenen Unfähigkeit und Untätigkeit abzulenken. Warum z.B. wird der Industrie nicht vorgeschrieben auf Plastik zu verzichten wo es geht? Nicht mal das tun die Regierungen. Und was ist mit der Forschung um natürliche und 100% abbaubare Kunststoffe?
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    1. Antwort von S graf (chili)
      Welche Regierung? In der Schweiz ist doch das Volk der bestimmende Faktor… wer wird malträtiert und wer ist unfähig? Mühsam dieses ewige Schuld abweisen.... nochmal: eine Welt, ein Globus, ein Problem... und wir hocken alle mitten drin, auch Sie… scheint irgendwie schwer zu verstehen zu sein, aber es gibt keine alternative Welt... ach ja, unsere Umlaufbahn haben wir ja auch schon soweit, dass sie zugemüllt ist… es lebe der Satelit, das TV und das Natel
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    2. Antwort von L. Drack (samSok)
      Toll, Tom Duran, woher nehmen Sie die Zahl 99% aus „Industrie und Schifffahrt“? Das Helmholtz Centre for Environmental Research publizierte letztes Jahr einen Bericht, wo zu lesen ist dass 90% des Plastikmülls in den Weltmeeren von nur 10 schlimmsten Flüssen stamme. Schon klar, dass jeder Plastik irgendwann industriell hergestellt wurde, bevor er gebraucht und entsorgt wird. Aber das meinen Sie wohl nicht.
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