Noch vor wenigen Monaten sagte JD Vance klar, dass es nicht im Interesse der USA sei, Krieg gegen den Iran zu führen. Als US-Präsident Donald Trump Ende Februar dennoch den Angriff auf den Iran anordnete, soll Vance intern gewarnt haben. Trump räumte ein, dass sein Vize davon nicht so begeistert gewesen sei. Vance soll dem Präsidenten aber absolute Unterstützung versprochen haben.
Vom Trump-Kritiker zum Loyalisten
Diese Loyalität hatte Vance schon dazu verholfen, von Trump für das Amt des Vizepräsidenten nominiert zu werden. Schon am Tag der Nominierung sagte Vance, dass er in bedingungsloser Unterstützung die wichtigste Aufgabe eines Vizepräsidenten sehe: «Trump kann nicht überall sein und ich werde ihn im In- und Ausland dort vertreten, wo es mich braucht, um die politische Agenda voranzubringen.»
Dabei war JD Vance einst ein Trump-Kritiker. Darüber und über das Phänomen Trump schrieb er vor zehn Jahren in seinem Bestsellerbuch «Hillbilly Elegy». Darin erzählt Vance auch seine eigene Geschichte: Wie er in schwierigen und einfachen Verhältnissen im Bundesstaat Ohio aufgewachsen ist und den «American Dream» verkörpert.
Vance diente im US-Marine-Korps und schloss die renommierte Yale Law School ab. Später arbeitete er als Anwalt und Risikokapitalmanager, bevor er in die Politik ging. Diese Vergangenheit sei nicht immer einfach gewesen, sagt Vance, doch heute sehe er sie als Segen: «Meine Geschichte erlaubt mir als Politiker eine andere Perspektive auf die Menschen und das Leben zu haben.»
Aussenpolitisch selbstbewusst, doch unerprobt
Fähigkeiten, die der 41-Jährige nun in den Verhandlungen mit dem Iran unter Beweis stellen muss. Denn politische Erfahrung hat Vance wenig. Er war lediglich zwei Jahre lang Senator, bevor er im Januar 2025 das Amt des Vizepräsidenten antrat.
Er startete als machtbewusster und aktiver Vizepräsident. Noch nicht einmal einen Monat war er im Amt, als er Europa an der Münchner Sicherheitskonferenz mit markigen Worten brüskierte und sagte, die grösste Gefahr für Europa komme nicht von Russland, China oder einem anderen externen Akteur, sondern liege im Innern. Es folgte ein fast halbstündiger Vortrag, in dem Vance den europäischen Staaten ein verkommenes Demokratieverständnis vorwarf und die freie Meinungsäusserung in Gefahr sah.
Kurz darauf mischte sich JD Vance im Oval Office in die Diskussion zwischen dem ukrainischen Präsidenten Wolodimir Selenski und dem US-Präsidenten ein und provozierte einen Eklat. Vance warf Selenski Respektlosigkeit und Undankbarkeit vor.
Erste grosse Bewährungsprobe
Dann wurde es ruhiger um den Vizepräsidenten. Immer öfter trat Aussemminister Marco Rubio an der Seite von Donald Trump auf und nicht mehr JD Vance. Dies im Zusammenhang mit Venezuela, aber auch mit dem Angriff auf den Iran. Rubio gilt als treibende Kraft hinter Trumps harter Linie.
Die wichtige Mission, mit dem Iran zu verhandeln, wurde nun aber Vance anvertraut. Diese Mission ist nicht nur im Hinblick auf ein dauerhaftes Abkommen mit dem Iran wichtig, sondern auch für Vance persönlich.
Während er über eine künftige Präsidentschaftskandidatur nachdenkt, bietet sich ihm vielleicht die bisher beste Gelegenheit, gestärkt aus einer Phase hervorzugehen, in der die US-Regierung viel Kritik einstecken muss. Wenn Vance sich als Vermittler profilieren kann, könnte er bei der republikanischen Wählerbasis viele Punkte holen.