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Verheerendes Erdbeben «Mexiko-Stadt hat ein grosses Problem»

Experte Florian Haslinger erklärt, ob ein Beben ein zweites auslösen kann und warum das Risiko in Mexiko so hoch ist.

Legende: Video Florian Haslinger zum Erdbeben in Mexiko abspielen. Laufzeit 00:48 Minuten.
Aus Tagesschau vom 20.09.2017.

SRF News: Warum ist Mexiko ein Risikogebiet für Erdbeben?

Mexiko liegt am östlichen Rand des pazifischen Feuerrings, wie die gesamte Westküste der USA und Südamerikas. Dort taucht die pazifische Platte unter die verschiedenen anschliessenden Platten. In dieser Plattengrenze gibt es immer wieder sehr grosse Spannungen, die sich aufladen und in Erdbeben entladen.

Ist es aussergewöhnlich, dass zwei so grosse Erdbeben zeitlich so nah aufeinander geschehen?

Es kommt tatsächlich nicht so oft vor, dass zwei so grosse Erdbeben direkt aufeinander folgen. Wir nehmen im Moment nicht an, dass sie ursächlich miteinander zusammenhängen – das heisst, dass das eine das andere Erdbeben ausgelöst hat. Auszuschliessen ist es noch nicht. Es braucht weitere wissenschaftliche Untersuchungen, um zu sehen, ob es Spannungsübertragungen gab.

Muss mit weiteren Erdbeben gerechnet werden?

Es wird sicher Nachbeben geben, wie beim Erdbeben vor zwei Wochen. Diese Nachbeben sind in der Regel um einiges schwächer, sie können aber auch ungefähr so stark werden wie das Beben vom Dienstagabend. Es besteht auch eine kleine Wahrscheinlichkeit, dass nochmals ein stärkeres Beben kommt.

Mexiko hat aus dem katastrophalen Erdbeben von 1985 Lehren gezogen.

Das ist richtig. Es gibt mittlerweile Vorschriften für den Bau von erdbebensicheren Gebäuden. Was anscheinend auch zu einem grossen Teil funktioniert.

Trotzdem hat es dieses Mal grosse Schäden gegeben, gerade in Mexiko-Stadt. Warum?

Mexiko-Stadt hat ein grosses Problem. Es wurde auf Sedimenten eines alten ausgetrockneten Sees gebaut. Diese Sedimente sind immer noch sehr weich. Da entfalten sich Erdbebenwellen wie wenn man einen Pudding, der auf einem Tisch steht, anstösst. Dieser wackelt dann relativ stark und relativ lange. Genau das ist der Effekt, den wir in Mexiko-Stadt beobachten, und der für Gebäude so gefährlich ist.

Nun fanden kurz vor dem Beben Evakuierungsübungen statt und Gedenkfeiern an das grosse Erdbeben von 1985.

Ob die Leute wegen dieser Übungen besser oder schlechter reagiert haben oder ob es dadurch weniger Schäden gab, lässt sich nicht sagen. Aber es ist tatsächlich ein sehr sonderbarer Zufall, dass dieses Erdbeben genau zum Jahrestag des grossen Bebens von 1985 geschehen ist.

Das Gespräch führte Isabelle Mathys.

Die Tektonik-Platten rund um Mexiko

Zur Person

Zur Person

Florian Haslinger ist stellvertretender Direktor des Schweizerischen Erdbebendienstes.

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1 Kommentar

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  • Kommentar von Thomas Käppeli (thkaepp)
    Die Krux von Erdbeben ist ihre Unvorhersagbarkeit. Im Gegensatz zum Wetter, kann im Erdinnern nur schwer ein dichtes Beobachtungsnetz wie in der Troposphäre installiert werden. Obwohl die Vorgänge unter unseren Füssen auch hoch komplex sind. Die derzeit wohl ausgeklügeltste Überwachung mit in Bohrlöchern versenkten diversen Sensoren und Laser/Radarvermessung an der Oberfläche, findet am San Andreas-Graben in Kalifornien statt. Das dort „The Big One“ überfällig ist, weiss man zwar, aber wann?
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