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Vermehrt Bewaffnete an Bord Russland rüstet seine Schattenflotte auf

Ein Datenleck zeigt: Moskau setzt Bewaffnete auf den Schiffen ein, teils fahren die Tanker jetzt auch unter russischer Flagge.

Darum geht es: Moskau setzt die mehreren hundert Tanker seiner Schattenflotte dazu ein, um die westlichen Ölsanktionen zu umgehen. Oft fuhren die teils maroden Schiffe zur Verschleierung ihrer Identität bisher unter falscher Flagge. Jetzt zeigt die Auswertung eines Datenlecks: An Bord vieler dieser Schiffe befinden sich inzwischen bewaffnete Sicherheitsleute, um westliche Staaten vor Kontrollen abzuhalten. Zudem fahren sie vermehrt unter russischer Flagge.

Die bewaffneten Russen an Bord sind ein Signal gegen aussen und sollen die ‹Kosten› einer Kontrolle erhöhen.
Autor: Antonius Kampmann Journalist beim Norddeutschen Rundfunk NDR

Das zeigt das Datenleck: Im Datensatz sind detaillierte Informationen über die Crews der Schattenflotte – diese umfasst insgesamt mehr als 700 Tanker – seit dem Jahr 2023 enthalten. In diesen Crewlisten tauchen die Sicherheitsleute zuweilen unter ebendieser Bezeichnung auf, manchmal werden sie aber auch bloss «Experten» genannt, wie Antonius Kampmann vom Norddeutschen Rundfunk NDR erläutert. Er hat den Datensatz mit ausgewertet. Und: «Manchmal kann man die Sicherheitsleute in den Listen auch daran identifizieren, dass sie gar keine maritimen Fähigkeiten mitbringen.»

Europäisch angelegte Recherche

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Die Recherche zu den Crewlisten der russischen Schattenflotte wurde von der niederländischen Rechercheplattform «Follow the Money» (FTM) geleitet. Die zugrundeliegenden Daten stammen von der NGO Dossier Center. Diese steht dem russischen Oppositionellen Michail Chodorkowski nahe und ist in London ansässig. Neben dem Norddeutschen Rundfunk NDR und der «Süddeutschen Zeitung» waren mehrere weitere europäische Medien an der Recherche beteiligt.

Darum sind Sicherheitskräfte an Bord: Die bewaffneten Russen hätten zwei Aufgaben, so Kampmann. Einerseits sollen sie disziplinierend auf die Crews wirken, damit diese nicht allzu kooperativ auf Forderungen der westlichen Sicherheitsbehörden reagieren – etwa wenn sie für eine Kontrolle angefunkt werden. «Zudem sind sie ein Signal gegen aussen und sollen die ‹Kosten› einer Kontrolle erhöhen», so der Journalist. Schliesslich müssten sich westliche Kontrolleure ganz anders auf eine solche Schiffskontrolle vorbereiten, wenn sie wüssten, dass bewaffnete russische Kräfte an Bord seien.

Deshalb sind Russen an Bord: Moskau setzt bei der Schattenflotte auch vermehrt auf russische Kapitäne und Offiziere an Bord, wie der Datensatz zeigt. Auch damit reagiert Russland auf den Druck der westlichen Staaten auf diese Schiffe. «Russland braucht Crews an Bord dieser Schiffe, die loyal sind – und sich dem Druck der Kontrolleure widersetzen können», sagt Kampmann. Während 2023 bloss rund ein Drittel russische Kapitäne diese Schiffe führten, seien es Ende 2025 fast 80 Prozent gewesen.

Russisch beflaggte Schiffe machen sich zu Zielen für ukrainische Drohnenangriffe.
Autor: Antonius Kampmann Journalist beim Norddeutschen Rundfunk NDR

Vermehrt unter russischer Flagge: Die Schattenflotten-Tanker fahren in letzter Zeit auch vermehrt unter russischer Flagge. Das aber sei ein zweischneidiges Schwert, sagt Kampmann. «Einerseits bietet das mehr Schutz vor Kontrollen, weil die westlichen Staaten dann vorsichtiger vorgehen. Andererseits machen sich russisch beflaggte Schiffe zu Zielen für ukrainische Drohnenangriffe.» In der Tat werden immer wieder russische Schiffe etwa mit Seedrohnen der Ukrainer angegriffen. Statt mehr Sicherheit kann die russische Beflaggung also auch das Gegenteil bewirken.

Moskau profitiert weiter: Russland könne die Schattenflotte dank der getroffenen Massnahmen derzeit grösstenteils zum eigenen Vorteil betreiben, kommt der Journalist zum Schluss. Zudem: «Dank der hohen Ölpreise infolge des Irankriegs erwirtschaftet Russland derzeit bis zu zehn Milliarden Dollar pro Monat durch den Ölverkauf.» Ein grosser Teil des Öls werde mit der Schattenflotte transportiert, deshalb werde Moskau diese auch nicht aufgeben. Vielmehr würden wohl weiterhin die notwendigen Anpassungen vorgenommen, um sie weiterbetreiben zu können, so Kampmann.

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SRF 4 News aktuell, 10.6.2026, 8:55 Uhr ; 

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