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Russische Schattenflotte Frankreich stoppt den Tanker Tagor – darf es das?

Die französische Marine hat wieder einen Öltanker gestoppt, der unter falscher Flagge gefahren sei. Russland ist empört.

Darum geht es: Die französische Marine hat am Sonntag erneut einen Tanker der sogenannten russischen Schattenflotte abgefangen. Das aus Murmansk kommende Schiff «Tagor» sei auf offener See mit Unterstützung mehrerer Partner, darunter Grossbritannien, kontrolliert worden, teilt der französische Präsident Emmanuel Macron auf der Plattform X mit. Der Einsatz sei unter Einhaltung des Seerechts erfolgt. Es sei inakzeptabel, dass Schiffe Sanktionen umgingen und den Krieg finanzierten, den Russland seit mehr als vier Jahren gegen die Ukraine führe, erklärt Macron.

Unter nicht-russischer Flagge: Wie französische Medien berichten, habe der Tanker mehrmals die Flagge gewechselt. Der Tanker sei zuletzt unter der Flagge Kameruns gefahren, sagt SRF-Frankreich-Korrespondentin Zoe Geissler. Die französische Marine hatte den Verdacht, dass es sich um eine falsche Flagge handelte. Laut Frankreichs Behörden wurde das Schiff nun zu einem Liegeplatz vor der Nordwestküste eskortiert.

Karte mit einem Pfeil von Douarnenez, Frankreich nach Murmansk, Russland.
Legende: Die Route des Schiffes kann anhand der Angaben nicht genau nachvollzogen werden. Visual Design/Kim Gillian

Der Kreml siehts anders: «Wir halten solche Handlungen für nicht rechtmässig, sie grenzen an internationale Piraterie», sagte Kremlsprecher Dmitri Peskow der Agentur Interfax zufolge. SRF-Russland-Korrespondent Calum MacKenzie erklärt, wie Russland argumentiert: «Russland sagt, nicht die Schattenflotte verstosse gegen Gesetze, sondern die westlichen Sanktionen, deshalb sei auch jede Aktion zur Durchsetzung der Sanktionen illegal.» Dies erkläre auch, warum sich Russland mehr oder weniger offen zu diesen Schiffen bekenne – auch wenn sie selten unter russischer Flagge fahren würden. «Für Russland ist es ein völlig legitimer Transport von russischen Waren.»

Frankreich gehört zu den europäischen Staaten, die besonders aktiv gegen die russische Schattenflotte vorgehen.
Autor: Zoe Geissler SRF-Frankreich-Korrespondentin

Der politische Aspekt dahinter: «Frankreich gehört zu den europäischen Staaten, die besonders aktiv gegen die russische Schattenflotte vorgehen, und immer wieder schärfere Massnahmen gegen solche Schiffe durchsetzen», hält die Frankreich-Korrespondentin fest. Zudem sei Macron der Meinung, solche maroden Schiffe stellten eine Gefahr für die Umwelt dar. «Frankreich unterstreicht damit den Anspruch, bei der europäischen Sicherheits- und Verteidigungspolitik eine Führungsrolle einzunehmen», sagt Geissler.

Die Schattenflotte ist ein globales Netzwerk von Schiffen, die oft unter falscher Flagge fahren.
Autor: Calum MacKenzie SRF-Russland-Korrespondent

Dezimierung der Schattenflotte: Indem gegen die Schattenflotte vorgegangen wird, sollen die Ölexporte für Russland teurer werden. Es sei aber unklar, ob Russland dadurch weniger Schiffe zur Verfügung hat oder ob die privaten Anbieter einfach den Preis für ihre Dienste für Russland erhöhen würden, sagt MacKenzie. Die Schattenflotte sei nicht Teil der russischen Marine. «Die Schattenflotte ist ein globales Netzwerk von Schiffen, die oft unter falscher Flagge fahren. Sie sind nicht von den branchenüblichen Firmen versichert und gehören oft irgendwelchen Briefkastenfirmen.» Es seien weltweit Hunderte Schiffe, die sanktionierte Güter nicht nur für Russland, sondern auch für den Iran oder Nordkorea transportieren.

Reaktion des Kremls: Russland werde als Reaktion auf den Vorfall Massnahmen ergreifen, um die Sicherheit von Seefracht zu gewährleisten, sagte Kreml-Sprecher Peskow vor Journalisten. Die russische Botschaft in Paris forderte einem Agenturbericht zufolge Informationen über mögliche russische Staatsbürger an Bord an. Ersten Erkenntnissen zufolge sei der Kapitän Russe, teilte die Botschaft laut der staatlichen Nachrichtenagentur Tass weiter mit.

Echo der Zeit, 02.06.2026, 18 Uhr ; 

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