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Viel Armut im reichen Nigeria «Die Elite klaut den Ertrag aus unseren Ölreserven»

Auf den neuen Präsidenten wartet eine grosse Herausforderung: Nirgendwo auf der Welt leben so viele Leute in extremer Armut, obwohl das Land Afrikas grösste Wirtschaft ist.

Vier Frauen sitzen in der winzigen Apotheke von Krankenschwester Regina Ojo im Slum von Utako in Nigerias Hauptstadt Abuja und diskutieren. Oder besser gesagt, sie echauffieren sich. Es gibt im Slum kein fliessendes Wasser, keine Müllabfuhr, es stinkt.

«Die Reichen werden reicher und die Armen werden ärmer! Es gibt Geld in diesem Land, aber es kommt nicht zu uns!», sagt Nurse Regina. Warum das so sei? «Wir wissen es nicht», sagen die Frauen. «Aber was wir wissen, wir Armen, wir leiden. Aber es gibt Geld hier.»

Drei Afrikanerinnen, ein hält ein Baby vor einem Gestell mit Medikamenten.
Legende: «Es gibt Geld in unserem Land, aber es kommt nicht zu uns»: Frauengespräch in einer kleinen Apotheke. SRF/Lemmenmeier

Strategie für die Armutsbekämpfung fehlt

Wahrlich, es gibt Geld in diesem Land. Nigeria ist der grösste Erdölproduzent Afrikas, die Wirtschaft Nigerias ist grösser als jene vieler westlicher Länder.

Warum die Armut dennoch kontinuierlich wächst, das versucht auch Hussaini Abdu herauszufinden. Seit einem Vierteljahrhundert beschäftigt er sich mit der Thematik, derzeit als Länderchef der Hilfsorganisation Plan International.

Mann.
Legende: «Die Elite klaut den Ertrag aus unseren Ölreserven», erklärt Hussaini Abdu, Länderchef der Hilfsorganisation Plan International. SRF/Lemmenmeier

Ein wichtiger Grund sei, dass die nigerianische Regierung bis heute keine klare Armutsbekämpfungspolitik habe: «Selbst im ersten Jahrzehnt der 2000er Jahre, als die Wirtschaft jährlich um rund sieben Prozent wuchs, nahm die Armut zu. Unsere Politiker glaubten, wenn das Bruttoinlandprodukt wächst, dann werden die Armen nach und nach davon profitieren. Der Trickle-Down Effekt. Aber das hat nicht funktioniert.»

Althergebrachte, korrupte Strukturen

Komme hinzu, dass die Regierung auch keinerlei Instrumente einsetze, um die Ungleichheit im Land zu verkleinern. Zum Beispiel durch Steuern. Im Gegenteil: die Reichen und grossen Firmen würden in Nigeria kaum oder gar keine Steuern bezahlen. Und zu guter Letzt: Nigeria sei eines der korruptesten Länder Welt. «Vom nigerianischen Erdöl profitieren genau ein Prozent der Bevölkerung. Die Elite klaut den Ertrag aus unseren Ölreserven», erklärt Abdu.

Mann lehnt an Säule mit Wahlplakat. Ärmliche Gegend.
Legende: Das Rennen um das Präsidentenamt dürften der amtierende Muhammadu Buhari und ex-Vize-Präsident Atiku Abubakar unter sich ausmachen. Reuters

Die korrupten Strukturen in Nigeria sind alteingesessen. Diese in kurzer Zeit aufzubrechen ist kaum möglich. Und so dürfte die Armut in Nigeria weiter zunehmen. Egal wer am Wochenende zum neuen Präsidenten von Afrikas grösster Wirtschaft gewählt wird.

Legende: Video Nigeria wählt – mit Angst vor Terroristengruppe Boko Haram abspielen. Laufzeit 00:33 Minuten.
Aus Tagesschau vom 23.02.2019.
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45 Kommentare

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  • Kommentar von Ursula Keller  (Note)
    Der einzige Grund warum sich nichts ändern kann, ist die Abhängigkeit vom Ausland. Die internationalen Firmen und Banken pflegen die Korruption im Ausland, indem sie nicht mit gewählten Vertretern, sondern direkt mit Teilen der Elite zusammenarbeiten, deren Ergebenheit ihnen damit einigermassen sicher ist. Ist günstiger als wenn man an einem Geschäft die ganze Bevölkerung teilhaben lassen muss (plus Schulden beim IWF, Weltbank). Dabei nicht mitmachen - nun, Gaddafi hat es versucht - bad idea !
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  • Kommentar von Josephk Ernstk  (Joseph ernst)
    Wer auch immer an die Macht kommt, ändern wird sich gar nichts. Diese unsägliche Armut bleibt bestehen und die Elite, wie leider in den meisten afrikanischen Ländern, beklaut die Bevölkerung ungehemmt weiter. Geschäfte werden nach wie vor getätigt und Entwicklungsgelder fliessen weiterhin !
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  • Kommentar von Denise Casagrande  (begulide)
    Mehr noch: was für eine "kranke", skrupellose Welt-Politik, welche mit solchen Machthabern noch wirtschaftliche "Geschäfte" machen - Schweiz!?? "Mitgegangen - mitgehangen"!
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    1. Antwort von jean-claude albert heusser  (jeani)
      Frau Casagrande, wenn die Schweiz mit diesen "Staaten keine Handel's beziehungen unterhält" und diese boykottiert, wird nur das Volk noch härter bestraft und es werden eben Andere gleichwohl Geschäfte machen, also es ist wie ein "Teufelskreis" und was wäre ihre "goldige Blitzidee"?
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    2. Antwort von Denise Casagrande  (begulide)
      Herr Heusser: Es gibt keinen Grund und keine Entschuldigung für "Mittäterschaft"!
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