Zum Inhalt springen

Header

Audio
Gesundheitsuntersuchungen für Ausländer in Russland
Aus Echo der Zeit vom 29.12.2021.
abspielen. Laufzeit 5 Minuten 10 Sekunden.
Inhalt

Vierteljährliche Untersuchung Russland verpflichtet Ausländer zu Gesundheitschecks

  • In Russland tritt ein Gesetz in Kraft, das medizinische Zwangskontrollen für Ausländerinnen und Ausländer vorsieht.
  • Ab dem Frühling müssen sich Erwachsene und Kinder ab sechs Jahren alle drei Monate eingehend untersuchen lassen.
  • Wirtschaftsvertreter warnten bereits vor den Folgen. Die US-Botschaft kritisiert das Gesetz als «fremdenfeindlich».

Laut den russischen Behörden müssen sich ab dem Frühjahr alle Ausländerinnen und Ausländer, die sich für länger als 90 Tage in Russland aufhalten, alle drei Monate einem aufwendigen medizinischen Check-up unterziehen. Dazu zählen neben der Blutentnahme auch Röntgenbilder und CT-Aufnahmen.

Sprecher der US-Botschaft warnt vor neuem Gesetz

Die Deutsch-Russische Auslandshandelskammer (AHK) hat bereits vor den Konsequenzen für die russische Wirtschaft gewarnt, sollte diese neue Regelung tatsächlich konsequent umgesetzt werden.

Wenn Wirtschaftsvertreter betroffen sein sollten, bestehe die Gefahr, «dass sich für Russland wichtige ausländische Manager im grossen Stil von Russland abwenden», so die AHK. Sie hatte den Kreml im Dezember aufgefordert, das Gesetz abzuschwächen.

Von der Pflicht ausgenommen sind Diplomaten und Menschen aus Belarus. Das Aussenministerium in Moskau teilte auf Anfrage mit, sich um «günstige Bedingungen» für Medienvertreter und deren Familien kümmern zu wollen. Ausserdem gibt es Signale aus dem Kreml, dass die Frist auf einmal jährlich verlängert werden könnte.

Testen auf Drogen, Syphilis und HIV

Die Ausländerinnen und Ausländer müssen sich dem Gesetz zufolge etwa auf Tuberkulose, Drogenkonsum, Syphilis und HIV untersuchen lassen. Die Ergebnisse der Untersuchung ebenso wie Fingerabdrücke müssen dann der russischen Migrationsbehörde übermittelt werden.

Geht es hierbei um die Gesundheit der Gesellschaft oder handelt es sich um Diskriminierung?
Autor: Zeitung «Nowaja Gaseta» Kremlkritische Zeitung

Wer sich weigere, riskiere den Entzug seiner Arbeitserlaubnis. Die kremlkritische Zeitung «Nowaja Gaseta» stellte in einem Bericht über das neue Gesetz die Frage: «Geht es hierbei um die Gesundheit der Gesellschaft oder handelt es sich um eine Diskriminierung?»

EU-Sorge um schlechte Behandlungen

Russlands Behörden argumentieren, das neue Verfahren verbessere die Gesundheitslage im flächenmässig grössten Land der Erde. Ausländer etwa aus der EU befürchten angesichts des im Vergleich zum Westen weniger gut ausgestatteten Gesundheitswesens nicht nur mögliche Behandlungsfehler, sondern auch eine unnötige Strahlenbelastung durch die geplanten Röntgenuntersuchungen.

Unklar war zunächst, was passiert, wenn jemand tatsächlich krank ist – ob Betroffene dann etwa das Land verlassen müssen. Unklar ist auch, wie angesichts der hohen Belastung durch die Corona-Pandemie die Zwangsuntersuchungen sicher organisiert werden. Zudem gilt der Datenschutz in Russland als löchrig. Immer wieder gelangen grosse Mengen persönlicher Daten in den freien Verkehr.

Neues Gesetz kommt bei Familien schlecht an

Box aufklappen Box zuklappen

Der Zorn auf die russischen Behörden über dieses neue Gesetz sei gross, sagt SRF-Korrespondent David Nauer. «Man hört von europäischen Managern, die richtiggehend in Rage sind. Auch ausländische Journalistinnen und Journalisten fluchen über das Gesetz.» Viele würden sich fragen, ob sie sich das überhaupt antun wollen, oder ob sie Russland nicht vielleicht besser verlassen. «Insbesondere ausländische Familien denken darüber nach, denn es sind nicht nur Erwachsene, auch alle Kinder über sechs Jahren müssen alle drei Monate diese Tests machen.» Dazu gehörten auch Tests auf Geschlechtskrankheiten. «Da sagen viele Eltern: Das wollen wir ihnen nicht zumuten.»

SRF 4 News, 29.12.2021, 09:00 Uhr;

Jederzeit top informiert!
Erhalten Sie alle News-Highlights direkt per Browser-Push und bleiben Sie immer auf dem Laufenden.
Schliessen

Jederzeit top informiert!

Erhalten Sie alle News-Highlights direkt per Browser-Push und bleiben Sie immer auf dem Laufenden. Mehr

Push-Benachrichtigungen sind kurze Hinweise auf Ihrem Bildschirm mit den wichtigsten Nachrichten - unabhängig davon, ob srf.ch gerade geöffnet ist oder nicht. Klicken Sie auf einen der Hinweise, so gelangen Sie zum entsprechenden Artikel. Sie können diese Mitteilungen jederzeit wieder deaktivieren. Weniger

Sie haben diesen Hinweis zur Aktivierung von Browser-Push-Mitteilungen bereits mehrfach ausgeblendet. Wollen Sie diesen Hinweis permanent ausblenden oder in einigen Wochen nochmals daran erinnert werden?

Meistgelesene Artikel

Nach links scrollen Nach rechts scrollen

17 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Aktuell sind keine Kommentare unter diesem Artikel mehr möglich.

  • Kommentar von SRF News (SRF)
    Liebe Community. Wir schliessen die Debatte über die neuen Gesundheitschecks in Russland und bedanken uns für die Debatte.
  • Kommentar von Franz Peter Lehmann  (nashorn19)
    M.E. ist es etwas Mode geworden faktenfrei über Russlad zu lästern. Andererseits kommuniziert dieses Land leider ganz eindeutig zu seinem Nachteil, leider altmodisch, ungenau und schlecht. Trotzdem, es ist jedem Staat überlassen wie er das tun will und was verlangt wird von jedem ausländischen Staatsbürger, egal wie komisch. Ebenso ist jeder ausländische Staatsbürger frei zu entscheiden ob er in Russland bleiben und arbeiten möchte oder eben nicht, punkt.
  • Kommentar von Karl Kirchhoff  (Charly)
    Und es gibt tatsächlich noch welche, die dieses Land als Rechtsstaat bezeichnen. Das ganze Land ist einzig und allein dem Kreml und seiner getreuen Oligarchen ausgeliefert. Jegliche Opposition wird verboten. Keinen Deut besser als China! Die versuchen wenigstens etwas gegen den Klimawandel zu tun.