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Von der Mikrobe zur Pasta Wie aus Luft Essen entsteht

Ein Protein aus Finnland soll Menschen mit minimen Ressourcen wertvolle Nährstoffe bringen. Doch der Markt ist umkämpft.

Nahrung zu produzieren, braucht Ressourcen. Oder? Nicht, wenn es sich beim Rohmaterial um eine bestimmte finnische Mikrobe handelt. Zumindest braucht sie erstaunlich wenig, um im Labor zu einem Protein zu wachsen, nämlich Wasser, Luft und Energie. Daraus wird ein Pulver, genannt Solein.

Schale mit gelbem Pulver auf Metalloberfläche.
Legende: So sieht das Proteinpulver Solein aus. SRF

Ob Glace, Pasta oder Béarnaise: Im Handumdrehen landet das Proteinpulver als Speise auf dem Teller. Künftig soll es gar Astronautinnen und Astronauten im Weltraum ernähren. Doch wie soll das gehen?

Labor statt Landwirtschaft

Alles begann vor acht Jahren in einem finnischen Wald: Juha-Pekka Pitkänen sucht mit seinem Team einen Mikroorganismus – und wird fündig. Es ist eine einzellige Mikrobe. «Ähnlich wie Pflanzen braucht sie Energie und Kohlendioxid (CO₂) zum Wachsen», sagt er. Mit einem entscheidenden Unterschied: «Anstelle des Sonnenlichts zieht sie ihre Energie aus Wasserstoff.»

Das Besondere ist unser Organismus und wie wir ihn wachsen lassen.
Autor: Juha-Pekka Pitkänen Finnischer Forscher

Möglichst energieeffizient wollen die finnischen Forscher die Mikroben «anbauen». Doch statt Agrarflächen braucht es ein Labor. Sie gründen die Firma Solar Foods, deren «Factory 01» in Vantaa nördlich von Helsinki steht.

Produktion: Wie die Mikrobe zum Proteinpulver wird

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Um zu wachsen, werden die Mikroben in einem Bioreaktor mit Kohlendioxid und Wasserstoff gefüttert und fermentiert: Das CO₂ wird aus der Umgebungsluft angesaugt, der Wasserstoff (H₂) wird mittels Elektrolyse aus Wasser gewonnen.

Anschliessend wird das überschüssige Wasser getrennt und rezykliert – und der Rest getrocknet. Übrig bleibt ein gelbes Pulver, das sogenannte Solein.

So kompliziert der Produktionsprozess für Laien klingt: Die einzelnen Schritte sind in der Chemie- und Lebensmittelindustrie weit verbreitet. Das Trocknen etwa erfolgt ähnlich wie bei Milchpulver. «Diese Schritte sind an sich nichts Spezielles», so Erfinder Pitkänen. Entscheidend sei die Idee dahinter. «Das Besondere ist unser Organismus und wie wir ihn wachsen lassen.»

Preis wichtiger als Nachhaltigkeit

In der Schweiz verfolgt ETH-Professor Patrick Rühs die Entwicklung von Solein bereits seit Jahren. Er erforscht selber Proteine aus pflanzlichen Quellen für die Strukturierung von Lebensmitteln. Die Idee sei bestechend, die Produktion nachhaltig. Zudem habe Solein gute Nährwerte – sehr viel Protein und Fasern, auch Eisen und Vitamine.

Um im Markt zu bestehen, muss etwas günstig sein und gut schmecken. Die Nachhaltigkeit steht auf der Präferenzliste weit unten.
Autor: Patrick Rühs ETH-Proteinforscher

Nur: Für Konsumentinnen und Konsumenten zähle das wenig. «Kunden sind kaum bereit, für Lebensmittel mehr zu bezahlen.» Es brauche viel, um Konsumgewohnheiten zu verändern. «Um im Markt zu bestehen, muss etwas günstig sein und gut schmecken. Die Nachhaltigkeit steht auf der Präferenzliste weit unten», so Proteinforscher Rühs.

Gerichte auf einem Küchentresen mit einer Person im Hintergrund kochend.
Legende: Solein kann in Glace, Pasta oder anderen Speisen vermischt werden. SRF

Solar Foods gibt an, mit der neuen «Factory 02» die Preise signifikant senken zu wollen, um mit konkurrierenden Proteinen mithalten zu können. Heute koste Solein etwa so viel wie Molkenprotein. Damit ist es zumindest aktuell teurer als beispielsweise Soja. In den USA und in Südkorea ist Solein bereits zugelassen, bald soll die EU folgen.

Auch für Astronauten

Nebst Konsumierenden auf der Erde könnte Solein dereinst aber sogar Astronautinnen und Astronauten ernähren. In einem Forschungsprojekt mit der Europäischen Raumfahrtagentur ESA soll es auf der Internationalen Raumstation ISS getestet werden, noch bevor deren Mission endet.

Die Idee ist, dass man das Essen im All selber produzieren kann.
Autor: Juha-Pekka Pitkänen Finnischer Forscher

«Wir wollen sehen, wie die Mikroorganismen auf die Schwerelosigkeit reagieren», erklärt Juha-Pekka Pitkänen. Entstehen soll eine Art Essensautomat. «Die Idee ist, dass man das Essen nicht zum Mond bringen muss, sondern es im All selber produzieren kann.» Das CO₂, um die Mikroben zu füttern, käme dann – ganz einfach – aus der Kabinenluft.

10vor10, 3.7.2026, 21:50 Uhr; herb

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