Die Debatte um den Jugendschutz im Internet ist allgegenwärtig. Die Altersprüfung ist ein heikles Thema, da ein einfacher Klick auf «Ja, ich bin über 18» oft ausreicht.
Frankreich will dies ändern. Die zentrale Frage dabei ist: Wie lässt sich das Alter überprüfen, ohne dabei zu stark in die Privatsphäre einzugreifen oder persönliche Daten zu sammeln?
Die Antwort könnte aus Montpellier kommen. Das französische Start-up Needemand hat mit «Borderage» eine einfache und zugleich hochmoderne Lösung auf den Markt gebracht: die Altersbestimmung mittels einer Abfolge verschiedener Handbewegungen. Was zunächst surreal klingt, wird bereits von mehreren Plattformen genutzt.
Wie Handbewegungen das Alter verraten
«Es mag schwer zu glauben sein, aber es ist Wissenschaft, keine Magie», erklärt Jean-Michel Polit, operativer Geschäftsführer von Needemand. Die Technologie basiert auf wissenschaftlichen Studien aus den 1990er-Jahren, die einen Zusammenhang zwischen dem Alter einer Person und bestimmten Handbewegungen gezeigt haben.
Diese Unterschiede sind mit blossem Auge kaum sichtbar, lassen sich aber messen. Driss Benchakroune und sein Team haben neun Jahre lang Daten ausgewertet und daraus ein Verfahren zur Altersverifikation entwickelt.
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Bild 1 von 2. Aktuell ist das System von Needemand auf 18 Jahre kalibriert. Bildquelle: SRF/Mirjam Mathis.
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Bild 2 von 2. In den nächsten Monaten soll das Produkt auf die Schwellenwerte von 15 Jahren und 16 Jahren angepasst werden. Bildquelle: SRF/Mirjam Mathis.
Wer den Test machen möchte, benötigt lediglich eine Kamera und muss verschiedene Handgesten nachahmen. Ein Algorithmus wertet diese Bewegungen aus und liefert die Altersbestimmung. Das Nervensystem lässt sich dabei nicht überlisten, so Polit: «Ein 14-Jähriger kann nicht wissen, wie ein 18-Jähriger seine Hand führt.»
Globale Ambitionen
Die Technologie erreicht nach Unternehmensangaben eine beeindruckende Trefferquote von rund 98 Prozent, bei den 16- bis 19-Jährigen liegt sie bei 95 Prozent. Diese Werte wurden in externen Tests validiert.
Aktuell ist das System auf 18 Jahre kalibriert, soll aber gemäss den Entwicklern in den nächsten Monaten für 15 Jahre und 16 Jahre angepasst werden.
Needemand hat bereits Kunden in sozialen Netzwerken, auf Websites für Erwachsene und auf Datingplattformen. «Wir stehen in Kontakt mit Google, Tiktok und Meta», so Jean-Michel Polit.
Datenschutzfreundlich und zukunftsweisend
Besonders hervorgehoben wird der datenschutzfreundliche Ansatz von «Borderage». «Unsere Lösung unterscheidet sich in mehreren Punkten von den üblichen Verfahren», sagt Polit. Diese verlangen oft das Zeigen des Gesichts oder die Preisgabe persönlicher Daten, was riskant ist.
SRF-Digitalredaktor Guido Berger anerkennt diese Vorteile: «Die Idee ist interessant, weil man bei Alterschecks sonst oft das Gesicht in eine Kamera halten muss. Das bedeutet sofort, dass man sich mit Datenschutzfragen auseinandersetzen muss.» Die Hand sei hier weniger «verfänglich».
Grenzen und Zukunftsaussichten
Trotz der vielversprechenden Technologie räumt Berger ein, dass ein solches System keine hundertprozentige Sicherheit bieten kann, da es eine Schätzung bleibe.
Doch das Team um Driss Benchakroune lässt sich nicht entmutigen. Es sind bereits Pläne für ein ergänzendes Produkt in Arbeit, das bei Grenzfällen 100-prozentige Sicherheit bieten soll. «Wir wollen der Welt beweisen, dass es Lösungen gibt für eine völlig anonyme Altersverifizierung», so Benchakroune.