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US-Vorwahlen in South Carolina – wichtige «Black Votes»
Aus Echo der Zeit vom 28.02.2020.
abspielen. Laufzeit 06:48 Minuten.
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Vorwahlen in den USA Wer gewinnt das Herz des Südens?

Nun wählt South Carolina, wo eine Mehrheit der demokratischen Wählerschaft afro-amerikanisch ist. Die sogenannten «Black votes» sind enorm wichtig auf dem Weg zu einer Nominierung fürs Präsidentschaftsamt.

Der kalifornische Milliardär Tom Steyer wirbt seit Monaten konzentriert um die Wählergunst der Afro-Amerikaner in South Carolina. Seine Plakate sind überall im Staat zu sehen, wo es demokratische Wähler gibt.

Tom Steyer spricht in ein Mikrofon
Legende: Der kalifornische Milliardär Tom Steyer wirbt um die afro-amerikanischen Wählerschaft. Isabelle Jacobi, SRF

In Orangeburg lädt der Kandidat, der bisher keine Delegiertenstimmen geholt hat, zum Frühstück ein. Rührei, Speck, Pancakes, alles gesponsert von «Tom 2020».

Amos und Rosella beim Frühstück
Legende: Amos und Rosella, ganz links, beim gesponserten Frühstück mit anderen afro-amerikanischen Wählern. Isabelle Jacobi, SRF

Amos und Rosella haben gerade den letzten Bissen geschluckt. Sie arbeiten beide für die Steyer-Kampagne. Der Lohn sei gering, aber bedeute viel für Arbeitslose und ihre Familien. Rosella erzählt von der «Gesundheits-Wüste» in South Carolina. Regionalspitäler seien geschlossen worden, nun müsse man mehrere Stunden mit dem Auto fahren, um etwa im Fall einer Herzattacke ärztliche Hilfe zu bekommen.

Kleine Plakate mit TOM2020 stehen am Strassenrand
Legende: Tom Steyer zählt auf die Wählerschaft in South Carolina. Isabelle Jacobi, SRF

Tom Steyer hat Dutzende von Millionen Dollar in South Carolina investiert, und er kann die afro-amerikanische Wählerschaft ansprechen. Alles habe einen Zusammenhang, sagt der kalifornische Philanthrop: Das schlechte Gesundheitssystem in South Carolina, mangelnde Bildungsmöglichkeiten, Rassismus und selbst der Klimawandel seien auf soziale Ungerechtigkeit zurückzuführen.

Kenneth Glover, der Vorsitzende der demokratischen Partei von Orangeburg, nimmt nicht am Steyer-Frühstück teil. Als ehemaliger politischer Direktor von Barack Obama ist er dessen Vize-Präsidenten Joe Biden treu geblieben. Glover ist zuständig für die Organisation der Wahlen in seinem Bezirk.

Kenneth Glover auf dem Parkplatz der Volvo-Fabrik
Legende: Kenneth Glover arbeitet beim Autohersteller Volvo. Isabelle Jacobi, SRF

Er arbeitet als Logistiker in der brandneuen Volvo-Fabrik in Ridgeville. Volvo schaffte dringend benötigte Arbeitsplätze in der Region. Auf die Frage, ob die Arbeiter bei Volvo gewerkschaftlich organisiert seien, lacht er nur. «Die Wähler und Wählerinnen sind enorm motiviert», sagt Glover. «Sie wollen Donald Trump abwählen.» In South Carolina wählen die Afro-Amerikaner fast geschlossen demokratisch.

Ein schwarzer Mann vor dem Wahlbüro in Kingstree
Legende: Das Wahlbüro in Kingstree im Williamsburg County ist geöffnet. Isabelle Jacobi, SRF

Eine Autostunde weiter östlich, in der Kreisstadt Kingstree im Williamsburg County, einem der ärmsten Bezirke in South Carolina, sind die Wahllokale geöffnet. Ein Wähler hat für Bernie Sanders seine Stimme eingelegt, andere für Joe Biden.

Im nahegelegenen McDonalds-Schnellrestaurant trifft sich Jung und Alt; aus den Lautsprechern klingt Soul-Musik. Stormy und Nathaniel gehören zum Inventar.

Zwei ältere schwarze Herren mit Cowboyhut und Baskenmütze
Legende: Die Stammgäste im Schnellrestaurant, Stormy mit Cowboyhut und Nathaniel mit der Baskenmütze, haben bereits gewählt. Isabelle Jacobi, SRF

Stormy, mit Cowboyhut und perfekt getrimmtem Bart, ist der pensionierte Barbier von Kingstree. Er will nicht sagen, wen er gewählt hat. Aber er denkt, dass Jo Biden und Bernie Sanders an der Spitze liegen werden. Nathaniel hat Biden gewählt. «Er ist der richtige Mann für den Job. Er weiss, wie es läuft im Weissen Haus.»

Was halten die beiden von US-Präsident Donald Trump? «Der ist lächerlich», sagt Nathaniel und verschluckt sich fast vor Lachen. «Wahrheit ist Wahrheit. Er blufft nur und lügt.» Nathaniels Nachname ist Salters, ein gängiger Name.

Ein weisses Holzgebäude mit grosser Veranda
Legende: Das Hauptgebäude der ehemaligen Tabakplantage Salters. Isabelle Jacobi, SRF

Drei Kilometer ausserhalb von Kingstree liegt die ehemalige Tabakplantage Salters. Die Besitzerfamilie Salters besass 71 Sklaven, als die Sklaverei in den USA abgeschafft wurde. Sklaven übernahmen nach ihrer Befreiung oft die Nachnamen ihrer ehemaligen Besitzer.

Grabstein auf einem Grasfeld
Legende: Auf dem «Community-Friedhof» liegen die afro-amerikanischen Bewohner der Salters Plantage begraben. Isabelle Jacobi, SRF

Neben der Plantage befindet sich der «Community-Friedhof», wo die afro-amerikanischen Bewohner der Salters Plantage begraben wurden. Hier finden sich mehrere Gräber mit den eingravierten Namen Salters.

Später bin ich zu Besuch bei Cezar McKnight, Parlamentarier in South Carolina. Auf die Frage nach den Salters antwortet er ausweichend. Neuzuzüger würden Häuser aufkaufen und sie Plantagen nennen. Der Nachname Salters habe nichts mit der Plantage zu tun. Die Witwe des Sklavenhalters Salters erbte die Plantage von ihrem Mann und führte sie zwischen 1833 und 1854. Ihr Name war McKnight.

Gerahmt grosse Fotos mit Cezar McKnight gemeinsam mit bekannten US-Demokraten
Legende: Cezar McKnight kennt die weitherum bekannten US-Demokraten: Joe Biden, Bernie Sanders und Hillary Clinton. Isabelle Jacobi, SRF

Worüber Cezar McKnight eher sprechen mag, ist das katastrophale Bildungsniveau in seinem Bezirk. Im sogenannten «Korridor der Schande», wie man die Region nennt, seien die Schulen bis heute nach Hautfarbe getrennt.

McKnight will deshalb einen klaren Politikwandel, auch in Washington. Darum unterstützt er seit mehr als vier Jahren den linken Senator Bernie Sanders aus Vermont. Dessen Beliebtheit ist in Kingstree bemerkbar. Vor allem die jungen Afro-Amerikaner im tiefen Süden sind bereit für einen Wandel in Washington und in South Carolina.

Plakat mit der Aufschrift Wir glauben an Kingstree
Legende: «Wir glauben an Kingstree», trotz der schwierigen Situation in South Carolina. Isabelle Jacobi, SRF

«Echo der Zeit», 29.02.2020; kurn

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6 Kommentare

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  • Kommentar von Harald Buchmann  (Harald_Buchmann)
    Steyers Millionen in Bildung und Gewerbefoerderung investieren bringt wohl mehr als in eine gescheiterte Werbekampagne
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  • Kommentar von antigone kunz  (antigonekunz)
    Nicht einfach sich einzugestehen, dass gerade Wahlen in den USA klar machen, was Wahlen sind, wenn sie in einem Land vorgenommen werden, das von Grund auf nie eine substanzielle Demokratie war. Nichts als ein Instrument, um die Herrschaftsverhältnisse zu wahren und zu festigen. Die USA ist eine reine Korpokratie. Wahlen an sich sind keine Garanten für Demokratie. Zu eng ist gerade in den USA die Liason zwischen Geld, Corporations und Politik.
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    1. Antwort von Reto Camenisch  (Horatio)
      Was soll dies? Seit es Geld gibt, regiert es die Welt.
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    2. Antwort von Samuel Müller  (Samuel Müller)
      Zwar „Wahr“, Herr Camenisch, aber man muss differenzieren. Es kommt darauf an wer das Geld hat, wie breit es verteilt ist und z.B. wie motivierend die Bildung durch ihre bei uns hohen Erfolgsaussichten sind. Hier sind die Länder sehr verschieden und die Schweiz mit ihrer direkten „Volksreverendums-Demokratie“ und extrem breit verteiltem Wohlstand ein leuchtendes Beispiel. Ein Beispiel das nicht allen Mächtigen gefällt, gerade weil wir zeigen das es funktionieren würde. Zum Beispiel in der EU.
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    3. Antwort von antigone kunz  (antigonekunz)
      Samuel Müller, bei der Einkommensverteilung im Quervergleich liegt die Schweiz im Durchschnitt. Da sich aber alle 'reicheren' Länder Richtung grösserer Ungleichverteilung bewegt haben ....
      Bei der Vermögensverteilung liegt die Schweiz gleich neben der USA, bezüglich grosser Unlgeichheiten .... .
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    4. Antwort von antigone kunz  (antigonekunz)
      Reto Camenisch, Geld regiert die Welt, ein Gottesgesetz? Die Ökonomen und vor allem neoliberale Politiker lieben es kapitalistische Phänomene und Auswüchse, die ihnen passen, als Naturgesetze hinzustellen. Die Welt hat schon einiges mehr zu bieten als TINA.
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