Zum Inhalt springen

Header

Navigation

Legende: Audio Der auftauende Permafrost ist eine riesige Herausforderung abspielen. Laufzeit 07:49 Minuten.
Aus SRF 4 News aktuell vom 26.02.2019.
Inhalt

Wärmerer Boden in Sibirien «Das Auftauen des Permafrosts verursacht Löcher in den Strassen»

Der Boden in Sibirien, der früher dauerhaft gefroren war, taut auf. Das führt zu grosser Instabilität. Auch ehemals gefrorenes Methangas tritt vermehrt aus. Auslandredaktorin Brigitte Zingg hat die Auswirkungen vor Ort beobachtet.

Brigitte Zingg

Brigitte Zingg

Auslandredaktorin SRF

Personen-Box aufklappenPersonen-Box zuklappen

Zingg ist Redaktorin der Auslandredaktion von Radio SRF.

SRF News: Wie zeigt sich das Auftauen des Permafrosts?

Brigitte Zingg: Viele Häuser haben Risse. Kleinere und ältere Häuser stehen windschief. Das hat damit zu tun, dass die Häuser in den Permafrost-Gebieten auf Stahl- oder Betonpfeiler gebaut werden. Die Pfeiler beginnen zu wackeln und bewegen sich.

Wie sieht es mit der übrigen Infrastruktur aus?

Für die Strassen und Brücken gilt dasselbe. Wenn im Sommer der Permafrost taut, senkt sich der Teerbelag etwas ab. Es sieht fast aus wie ein Wellblech. Das verursacht grosse Löcher in den Strassen. Je höher die Bodentemperatur, desto instabiler das Fundament für die gesamte Infrastruktur.

Viele Leute überlegen sich, in südliche Gefilde umzuziehen. Die Regierung versucht allerdings, vor allem die Arbeitskräfte im Gebiet zu halten. Sie bezahlt ihnen höhere Löhne als im übrigen Russland.

Was hat das für Folgen für die Menschen, die dort leben?

Wer in einem Permafrostgebiet lebt, der ist vor allem eines: verunsichert. Neue Gebäude zu bauen ist schwierig. Viele Leute überlegen sich, in südliche Gefilde umzuziehen. Die Regierung versucht allerdings, vor allem die Arbeitskräfte im Gebiet zu halten. Sie bezahlt ihnen höhere Löhne als im übrigen Russland.

Die Städte leben vor allem von der Öl- und Gasförderung. Welche Konsequenzen hat das Auftauen des Permafrosts für diese Industrie?

Für die Städte bringen die Rohstoffe Arbeitsplätze, Steuern und Abgaben. Es ist aber so, dass die Gas- und Ölpipelines über Hunderte von Kilometern durch die Tundra geführt werden. Wenn nun der Boden auftaut, brechen die Pipelines und es fliesst Öl aus, was zu riesigen Umweltschäden führt. Greenpeace hat vor etwa zehn Jahren berechnet, dass die Ölförderer allein für die Schäden durch den Klimawandel über eine Milliarde Euro ausgeben mussten, und das wird ganz sicher noch zunehmen.

In der Tundra gibt es zum Teil Krater, die bis zu 80 oder 90 Meter tief sind.

Durch das Tauen des Bodens wird auch Methangas freigesetzt. Was bedeutet das für die Umwelt?

Durch das Methan kann unter dem Boden ein Überdruck, eine Art Blase entstehen. Wenn der Druck gross genug wird, kommt es zu einer gewaltigen Explosion. In der Tundra gibt es zum Teil Krater, die bis zu 80 oder 90 Meter tief sind. Darüber, dass das mit dem Auftauen des Permafrosts zusammenhängt, sind sich alle einig. Aber russische Wissenschaftler streiten noch darüber, wie stark das Auftauen durch den Klimawandel verursacht ist, oder ob es eher ein Wetterphänomen über hundert Jahre ist.

DasTempo für die Entwicklung von Alternativenergien wird sich erst ändern, wenn die Ölförderung unrentabel wird.

Mit dem Boden tauen auch Bakterien und Viren wieder auf. Das hat sich schon vor drei Jahren bei einem Ausbruch einer Milzbrandepidemie gezeigt. Man hielt die Krankheit für ausgerottet. Sie hat ganze Rentierherden vernichtet. Die Tiere sind die Existenzgrundlage der sibirischen Einwohner.

Wie reagiert die Politik auf dieses Phänomen?

Lange Zeit wurde das Problem verleugnet. Aber jetzt kann man es nicht mehr leugnen. Ich habe mit Forschern gesprochen, unter anderen mit einem vom WWF. Der sagt, im Kreml seien Klimawandel und alternative Energien nun durchaus ein Thema. Einige Forscher an staatlichen Universitäten sind viel skeptischer. Sie glauben, dass alles zu spät kommt. Russland wird weiterhin in grossen Mengen Öl fördern. Es gibt zwar Projekte für Wind und Sonnenenergie. Doch ihr Anteil an der Energieproduktion liegt im Promillebereich. Das Tempo für die Entwicklung von Alternativenergien wird sich erst ändern, wenn die Ölförderung unrentabel wird, wenn die Schäden durch den Klimawandel teurer werden als das, was reinkommt.

Das Gespräch führte Janis Fahrländer.

Schliessen

Keine wichtigen News verpassen

Erhalten Sie die wichtigsten Nachrichten per Browser-Push-Mitteilungen. Mehr

Push-Benachrichtigungen sind kurze Hinweise auf Ihrem Bildschirm mit den wichtigsten Nachrichten - unabhängig davon, ob srf.ch gerade geöffnet ist oder nicht. Klicken Sie auf einen der Hinweise, so gelangen Sie zum entsprechenden Artikel. Sie können diese Mitteilungen jederzeit wieder deaktivieren. Weniger

Sie haben diesen Hinweis zur Aktivierung von Browser-Push-Mitteilungen bereits mehrfach ausgeblendet. Wollen Sie diesen Hinweis permanent ausblenden oder in einigen Wochen nochmals daran erinnert werden?

21 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von Peter Mueller  (Elbrus)
    Sie können sich dann wieder melden wenn Sie 6 Monate in Jakutsk, Novosibirsk oder Murmansk gelebt haben. Dann dürften Sie Ihre Meldung zu Sonnenkollektoren ändern - wenn von Mittags 14.00 - Morgans 08.00 es dunkel ist bei -30 Grad Celsius. So eine Holzheizung oder Kohle ist dann ganz schön gemütlich in einem Russischen Einfamilienhaus. Da verlässt sich keiner auf Solarkollektoren wenn es um sein Leben geht.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Rolf Künzi  (Unbestimmt)
    Von 1960-1980 ist auch Russland kolossal blöd mit seinen Baumschätzen umgegangen. Im ganzen Land wurden über 600000 Hektar Pinus Sibirika umsonst gefällt, welche zuvor im Schnitt pro Jahr 20000 Tonnen mit Von Vitamin E strotzenden Superfoud strotzenden Nüsse hervorbrachten, mehr wer als das Ganze nicht genutzte Holz. Oh Mensch. https://www.google.ch/search?q=die+sibirische+zeder+ewgenij+titow&ie=UTF-8&oe=UTF-8&hl=de-ch&client=safari#imgrc=U7Pdc-3W4L2CqM:
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Bendicht Häberli  (bendicht.haeberli)
    Ja, dies sind die negativen Seiten des Klimawandels. Könnte mir aber auch vorstellen, dass durch das Auftauen des Permafrost 100-Tausende von Qaudratkilometern fruchtbares Agrarland entstehen könnte - oder irre ich mich??
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
    1. Antwort von Andrea Esslinger  (weiterdenken)
      Nicht ganz. 80% der positiven Folgen des Klimawandels werden aber Kanada betreffen. Dort wird das wärmere Klima in den nördlicheren Gebieten dazu führen, dass Agrarflächen entstehen.
      Ablehnen den Kommentar ablehnen