Wahlen in Brasilien: Silva rückt Rousseff gefährlich nahe

Für Präsidentin Dilma Rousseff wird es eng: Marina Silva könnte die Wahlen vom 5. Oktober gewinnen. Diese ist im Regenwald als Tochter eines Gummizapfers aufgewachsen. Silva profitiert hauptsächlich von der Protestbewegung gegen die Weltmeisterschaft, die in Brasilien stattgefunden hatte.

Marina Silva erhebt siegessicher die Faust nach einer Wahlkampfrede. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Trotz angeschlagener Gesundheit und dünner Stimme: Marina Silva fordert die Präsidentin Brasiliens heraus. Reuters

Die Biografie der 56-Jährigen ist eindrücklicher als jene von Lula da Silva, der vom Dreher zum zweimaligen Staatspräsidenten Brasiliens aufgerückt war. Marina Silva stammt von afrikanischen und indigenen Vorfahren ab und ist im Amazonas-Regenwald als Tochter eines Gummizapfers aufgewachsen. Malaria und Gelbsucht haben ihr schwer zugesetzt. Lesen und Schreiben lernte sie erst als 16-Jährige.

Jetzt wird die farbige Frau der amtierenden brasilianischen Präsidentin Dilma Rousseff gefährlich. Die Stichwahl könnte sie sogar gewinnen.

Die seit zwölf Jahren regierende Arbeiterpartei ist korrupt geworden und nicht mehr richtig beliebt. Rousseff verteidigt den Status quo und staatliche Eingriffe in die Wirtschaft. Silva dagegen steht für Wandel und Veränderungen, auch in der Gesellschaft. Der Staat müsse mehr für Bildung und Gesundheit tun, ist eines ihrer Postulate. Das sei eine breite Forderung in Brasilien, meint der Politologe Demetrio Magnoli.

WM-Kritiker unterstützen Silva

Für den Erfolg der Kandidatur Silvas sorgen diejenigen, die vor anderthalb Jahren gegen die hohen Kosten der Fussball-WM auf die Strasse gegangen sind und Verbesserungen im öffentlichen Verkehr verlangten. Das Regierungsprogramm von Marina Silva ist nicht überall präzise, stellenweise sogar widersprüchlich. Aber es lockt die Unternehmerschaft mit der Aussicht auf eine liberale Wirtschaftsordnung.

Zu einer Regierung unter Silva gebe es viele Fragezeichen, sagt Magnoli weiter. Doch eine Wiederwahl von Rousseff wäre das grössere Risiko für Brasilien. Die politische und soziale Basis der Präsidentin lehnt eine Kürzung der öffentlichen Ausgaben rundweg ab, die Präsidentin selbst bezeichnet sie als unnötig. Magnoli widerspricht: «Ohne Rosskur geht es nicht. Der Rohstoffboom ist vorüber, Barsilien nahe an der Rezession und die Industrie ist international nicht wirklich konkurrenzfähig.»

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