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Wahlkampfstart in Tansania
Aus Echo der Zeit vom 26.08.2020.
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Wahlen in Ostafrika Der «Staatsfeind Nummer 1» will Tansanias Präsident werden

John Magufuli regiert Tansania mit harter Hand. Tundu Lissu bietet ihm die Stirn – trotz eines Mordanschlags und 16 Kugeln im Körper.

Dieser Tag, im September vor drei Jahren, hat sich in Tundu Lissus Gedächtnis eingebrannt. Der Parlamentarier kommt gerade zu Hause an, als aus einem Wagen hinter ihm zwei Männer steigen und Gewehre zücken. Aus nächster Nähe feuern sie auf den rundlichen Mann im Anzug. 16 Kugeln steckten danach in seinem Körper.

Doch Lissu überlebt, wird in Kenia und später Belgien wieder zusammengeflickt: «Die körperlichen Verletzungen sind verheilt, die Erinnerungen nicht. Mein Körper ist mit Narben übersät und mein rechtes Bein ist nun 7 Zentimeter kürzer, darum hinke ich.»

Ich bin seit langem der Staatsfeind Nummer 1 für das Regime von Präsident John Magufuli.
Autor: Tundu LissuOppositionsführer in Tansania

Wer ihn damals so zugerichtet hat, weiss Tundu Lissu nicht. Die Untersuchungen verliefen im Sand. Doch der Hintergrund ist für den 52-jährigen Oppositionellen klar: «Ich bin seit langem der Staatsfeind Nummer 1 für das Regime von Präsident John Magufuli. Sie wollten sicher nicht, dass ich wieder zurück ins Land komme und nun fürs Präsidentenamt kandidiere.

Tundu Lissu
Legende: Der grösste Herausforderer des amtierenden Präsidenten heisst Tundu Lissu. Auf den Oppositionsführer wurde vor drei Jahren ein Mordanschlag verübt. Keystone

Sein Hauptgegner, Präsident John Magufuli, galt bei Amtsantritt vor fünf Jahren noch als Hoffnungsträger. Er mistete aus: Sparte bei Regierung und Beamten, sorgte für mehr Steuereinnahmen und bekämpfte die Korruption. Der Bulldozer wird er genannt, weil er ohne Rücksicht seine Ziele verfolgt.

Doch Magufuli zeigt sich dünnhäutig, sobald Kritik laut wird. «Der Präsident hat gar keine Haut, nicht bloss dünne Haut. Er nimmt jegliche Kritik an der Regierung persönlich», sagt der Herausforderer.

«Wir sind durch die Hölle gegangen»

Das hat dazu geführt, dass in Tansania Journalisten reihenweise ins Gefängnis wanderten. Und sogar ein Komiker, der sich über einen zu grossen Anzug des Präsidenten lustig machte, wurde verhaftet.

Nicht bloss die Meinungsfreiheit sei faktisch Geschichte, so Tundu Lissu: «Parteien durften keine Veranstaltungen mehr abhalten in den letzten Jahren, ausser die Regierungspartei. Oppositionspolitiker wurden angegriffen, verletzt, getötet. Wir sind durch die Hölle gegangen.»

John Magufuli.
Legende: Seit fünf Jahren regiert Präsident John Magufuli. Oppositionelle werden verfolgt, Journalisten eingesperrt. Meinungsumfragen, die ihm eine sinkende Beliebtheit diagnostizieren, werden ganz einfach verboten. Keystone

Immerhin: Gestern konnte sich Tundu Lissu erfolgreich als Präsidentschaftskandidat registrieren. Doch viele Oppositionspolitiker, die bei den Parlamentswahlen teilnehmen wollen, wurden angegriffen, oder gleich von der Polizei festgenommen.

Die Chance, dass sich bei den Wahlen vom Oktober in Tansania etwas ändern wird, ist relativ klein. Der Präsident muss einfach am meisten Stimmen aller Kandidierenden erhalten, nicht aber das absolute Mehr. Und die Opposition ist zersplittert.

Gefährliche Ambitionen

Trotzdem glaubt Tundu Lissu an seine Chance: «Ich glaube, Magufuli ist schlagbar. In den letzten Tagen war ich im ganzen Land unterwegs. Die Leute sind bereit für einen Wandel. Der Präsident hat sich überall Feinde gemacht.»

Doch der Präsident hat eben auch Freunde, zum Beispiel im Sicherheitsapparat und in seiner Partei. Und die Freunde des Präsidenten fackeln nicht lange. Das spürt die Opposition.

Einen Anschlag hat Tundu Lissu überlebt. War das nicht genug? Ist er verrückt, sein Leben erneut aufs Spiel zu setzen? «Ich bin nicht verrückt! Ich bin zurechnungsfähig. Ich liebe mein Leben. Aber manchmal muss man halt schwierige Entscheidungen fällen.»

Die Entscheidung des Oppositionspolitikers in Tansania ist klar: Er fordert den Präsidenten heraus. Und das ist gefährlich.

Echo der Zeit, 26.08.2020, 18 Uhr

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4 Kommentare

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  • Kommentar von Walter Foletti  (Walter Foletti)
    Der 1. Präsident von Tanzania (ehemals Tanganjika, Julius Nyerere, war ein sehr weiser Mann.
    Die Chama Cha Mapenduzi (CCM), die sogenannte Einheitspartei, auch Revolutionspartei), war die einzige legal erlaube Partei.
    Nyerere erkannte leider zu spät, dass er den einzelnen Oberhäupter der Partei zu viel macht gab, somit entglitten ihm die Zügel.
    Er verpasste die Möglichkeit eine Demokratie mit verschieden Parteien aufzubauen.
    Schade um das so schöne Land am indischen Ozean.
  • Kommentar von Klaus KREUTER  (SWISSKK)
    Wenn es nicht gelingt die Korruption zu eliminieren, wenn es nicht gelingt die Bereicherung gewisser Kreise zurückzubinden, solange wird es in Afrika gären. Und: auch GLENCORE gehört zurückgebunden und die UNO sollte endlich den Job machen den die machen sollten.
  • Kommentar von Bruno Hochuli  (Bruno Hochuli)
    Traurig, dass das Volk den Mut nicht hat einen andern zu Präsidenten zu wählen. Darum ist es so wichtig, dass wir in der Schweiz wählen gehen. Der Satz, "sie machen ja gleichwohl was sie wollen" sollte sich nicht in unseren Köpfen festsetzen. Jede Stimme ist wichtig, nur so wird die Volksmeinung durchgesetzt.
    1. Antwort von Tom Reist  (Tom.reist)
      Wir müssen auch nicht um unser leben fürchten