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Wahlen in Schweden «Schwedendemokraten kommen nicht in die Regierung»

Legende: Audio Regieren die Sozialdemokraten in Schweden weiter? abspielen. Laufzeit 06:50 Minuten.
06:50 min, aus SRF 4 News aktuell vom 10.09.2018.

Das Resultat der Wahlen in Schweden führt dazu, dass die Regierungbildung eine komplexe Angelegenheit wird. Dass die eigentlichen Sieger der Wahl, die Schwedendemokraten, in die Regierung kommen, schliesst der Journalist Daniel Alling aber aus.

Daniel Alling

Daniel Alling

Journalist

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Daniel Alling arbeitet für den schwedischen Rundfunk. Unter anderem war er während vier Jahren als Korrespondent in Berlin tätig.

SRF News: Wie kommt die Unsicherheit in Schweden an?

Daniel Alling: Daran sind wir in Schweden nicht gewöhnt. Die Stimmung war vor der Wahl ungewöhnlich aufgeheizt, und man ist froh, dass die Wahlen vorbei sind. Nun herrscht Unsicherheit, wer die Regierung stellen wird. Das könnte schwierig werden.

Wie reagiert die schwedische Presse auf die Wahl?

Alle rätseln darüber, wer eigentlich der Gewinner dieser Wahlen ist. Die Partei der Schwedendemokraten ist jetzt drittstärkste. Aber das war sie auch nach der vorigen Wahl. Sie haben nur wenige Stimmen mehr bekommen.

Alle haben das Versprechen abgegeben, nicht mit den Schwedendemokraten zusammenzuarbeiten. Aber knickt jemand ein?

Die Sozialdemokraten haben historisch gesehen ein schlechtes Resultat erzielt. Doch es ist nicht so schlecht gekommen, wie erwartet wurde. Bei der grössten bürgerlichen Partei ist es dieselbe Situation. Sie haben ihren Platz als zweitgrösste Partei verteidigt. Auch für sie ist es nicht so schlecht gekommen, wie erwartet wurde. Die Schwedendemokraten sind enttäuscht, weil sie nicht so viele Stimmen erhielten, wie sie erwartet haben.

Aber zufrieden sind die Sozialdemokraten mit diesem Resultat nicht?

Das können sie so nicht. Für die Sozialdemokraten in Schweden ist es ungefähr so wie für die CDU in Deutschland. Sie waren sich gewohnt, die Regierung zu stellen. Sie sind mit Abstand immer noch die grösste Partei Schwedens und die einzige sozialdemokratische Partei – zusammen mit der Labourparty in Grossbritannien – die noch eine grosse Partei ist. Aber die Frage ist, ob sie die Regierung stellen. Wenn sie das schaffen, dann freuen sie sich schon.

Die Schwedendemokraten haben sich vorgenommen, 20 Prozent Wähleranteil zu erreichen. Nun sind es 18 Prozent. Fühlen sie sich trotzdem als Sieger?

Ja, sie sehen sich als Sieger, aber es ist deutlich spüren, dass sie auch ein bisschen enttäuscht sind. Die parlamentarische Lage hat sich nicht deutlich verändert. Es ist nicht sicher, dass die Schwedendemokraten Einfluss in der Politik bekommen. Alle anderen Parteien haben versprochen, nicht mit Schwedendemokraten eine Koalition einzugehen und auch im Parlament nicht mit ihnen zusammenzuarbeiten.

In Schweden sagen alle, es wäre schlecht für die Demokratie, wenn die grossen Parteien zusammenarbeiten, um die Schwedendemokraten von der Macht fern zu halten.

Hätten die Schwedendemokraten noch mehr Stimmen gewonnen, wäre es für die anderen Parteien sehr viel schwieriger gewesen, das auszuschliessen. Das ist für diese Partei natürlich eine kleine Enttäuschung, auch wenn sie sich freuen, dass sie die drittgrösste Partei geworden sind.

Das heisst, Sie gehen davon aus, dass die anderen Parteien sich an ihr Vorhaben halten, nicht mit den Schwedendemokraten zusammenzuarbeiten?

Das wird die grosse Frage. Alle haben das Versprechen abgegeben, nicht mit den Schwedendemokraten zusammenzuarbeiten. Aber knickt jemand ein? Dass die Schwedendemokraten in die Regierung kommen, halte ich für ausgeschlossen. Aber es gibt andere Wege, um zusammenzuarbeiten.

Was spricht gegen eine grosse Koalition?

Wir haben das in Schweden nie gehabt. In Schweden sagen alle, das wäre schlecht für die Demokratie, wenn die grossen Parteien zusammenarbeiten, um die Schwedendemokraten von der Macht fernzuhalten. Das Beste wäre, eine andere Lösung zu finden. Aber mit der jetzigen parlamentarischen Lage ist es schwierig zu sehen, wie diese Lösung aussehen soll. Ich denke, dass es irgendwie zu einer grossen Koalition kommen wird. Mit welchen Parteien, das ist völlig offen.

Heute treffen sich diese Parteien zu ersten Gesprächen. Was erwarten Sie davon?

Nicht so viel. Sie werden in den unterschiedlichen Parteien ausloten, welchen parlamentarischen Weg sie sehen. Das wird auch innerhalb der Parteien schwierig. Ich habe zum Beispiel gestern mit den Liberalen gesprochen und da gibt innerhalb der Partei unterschiedlichen Meinungen. Ein Beispiel ist die Migrationsfrage. Da gibt es unterschiedliche Meinungen in allen Parteien. Und was macht man mit den Schwedendemokraten? Alle werden eine Debatte auch innerhalb der Parteien führen. Ich denke, es wird ungewöhnlich lange dauern, bis wir eine Regierung haben.

Das Gespräch führte Roman Fillinger.

Legende: Video Wohin führt Schwedens Politik? abspielen. Laufzeit 02:24 Minuten.
Aus Tagesschau am Mittag vom 10.09.2018.
Legende: Video Karina Rierola: «Alle fühlen sich als Wahlsieger» abspielen. Laufzeit 02:16 Minuten.
Aus Tagesschau am Mittag vom 10.09.2018.

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13 Kommentare

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  • Kommentar von Konrad Schläpfer (Koni)
    Wie ich voraus gesagt habe, Schwedendemokraten in Schweden oder in Deutschland die AFD beide Parteien werden von den eigentlichen Wahlverlierern ausgegrenzt. Total Lernresistent und total unfähig die nötigen Korrekturen vor zu nehmen. Aber ein höllen Gejammer wenn andere die Sachen in die Hand nehmen.
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    1. Antwort von Hans Haller (panasawan)
      Es war absehbar, dass es genau darauf hinauslaufen wird. SOZIS sind absolut lernresistent und das sind sie bis zum bitteren Ende. Das dauert halt eine Weile. NB: In Venezuela zum Beispiel ist es sehr schnell gegangen und es wird immer noch in sehr vielen Kreisen nicht erkannt. Bei Schweden wird es länger, sehr viel länger andauern. Und wie es in Deutschland rauskommt werden wir erst sehen, wenn diese auch ihre Dominanz in der EU definitiv verlieren. Dann ist auch da der Teufel los.
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    2. Antwort von Toni Koller (Tonik)
      Rechtsextremismus auszugrenzen ist ein Akt der Vernunft. Und übrigens: Eine Partei, die wie die „Schwedendemokraten“ keine 18 % Wähleranteil erreicht, ist ja auch nicht gerade eine Wahlsiegerin ...
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    3. Antwort von Hans Bernoulli (H.Bernoulli)
      Ein Akt der Vernunft wäre, Fehler einzugestehen (bzw. möglichst rasch zu erkennen statt ideologieblind daran festzuhalten) und auf die Menschen zu hören statt sie auszugrenzen. Andere ausgrenzen bedeutet, auch sich von anderen ausgrenzen. Sinnvoll, insbesondere wenn man eine Ideologie der Integration verfolgt? Sind die Imigranten gewissen Politikern näher als die eigenen Bürger, wenn diese nicht die richtigen Ansichten haben? "Ausgrenzen" - dies ausgerechnet von links?
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  • Kommentar von A. Zuckermann (azu)
    Niemand darf mit einer Partei zusammenarbeiten die eine Neo Nazi Vergangenheit hat.Wisst ihr was die tun werden? Nicht? Im Geschichtsunterricht gepennt, waa!
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    1. Antwort von Daniel Bucher (DE)
      Und was ist mit den sozialistischen Säuberungen, die nicht nur in Russland UDSSR (Union der Sozialistischen Sowjet Republik) Millionen von Menschen das Leben gekostet haben? Kann man deshalb auch keine sozialistische oder kommunistische Partei wählen? Die Welt ist nicht so einfach, wie sie glauben und der Geschichtsunterricht hat wohl auch bei Ihnen Lücken.
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    2. Antwort von Hans Haller (panasawan)
      Herr Bucherer für viele ist die UdSSR immer noch ein Vorbild und ein Wunschtraum und sozialistisches Ideal, ausser für jene, die unter deren Hegemonie gelitten haben. Die wissen was Sache gewesen ist und möchten es nie wieder erleben müssen.
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    3. Antwort von Rolf Bolliger (rolf.bolliger@quickline.ch)
      Nicht nur der bekannte "Ausgrenzer" "A.Zuckermann" (der hinter jedem, der kein Weltglobalisierungs-Ideologe ist) ein "Neo Nazi" sieht, verkündet tagtäglich die einseitige Platte aus dem 2. Weltkrieg. Herr Bucher, Sie haben mit klaren einfachen Worten auch auf die zweite "Schreckensterrorschaft" des 2. Weltkrieges hingewiesen. Auch dieses brutale Regime (und später die UdSSR) haben Millionen von Menschenleben vernichtet! Ich erachte beide Seiten als die 2 schlimmsten Katastrophen auf der Welt!
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    4. Antwort von A. Zuckermann (azu)
      Was Herr Bucher, Herr Haller und Herr Bolliger nicht kapieren ist, das zur Zeit nicht Kommunisten durch unsere Strassen marschieren, sondern Nazi`s. Also versuchen sie die Welt zu verklären. Um es klar zu sagen: Auch die Demokratie ist nicht perfekt, aber sie ist das einzige das das Individuelle schützt. Rechtsextreme werden alle aus dem Weg räumen die denen nicht passen. Das kann man nicht wollen wen man bei Verstand ist!
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    5. Antwort von Toni Koller (Tonik)
      @Bucher: Jawohl, mit einer stalinistischen Partei sollten Demokraten sich nicht ins gleiche Nest legen. Sowenig wie mit einer Nazi-nahen Partei. So einfach ist das.
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    6. Antwort von Rolf Bolliger (rolf.bolliger@quickline.ch)
      Ihre Befürchtungen, Herr Zuckermann, dass 2-4 Dutzend "rechtsextreme" Schreihälse ALLE aus dem Weg räumen werden, kann ein Normalbürger, der sich vielseitig über politische Handlungen informiert, nie bestätigen oder mittragen! Auch die 250 "linksextremen" Mitschreier und Steinewerfer gegen Polizisten und Sanitätspersonen, letzthin in Zürich, können den Kommunismus in der Schweiz nicht einführen! Was aber eine Demokratie tun muss, ist eine sofortige Festnahme solcher linken und rechten Chaoten!
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    7. Antwort von Roman Loser (Jessica)
      Zuckermann, das müssen Sie zuerst noch beweisen dass keine Kommunisten durch die Strassen marschieren!
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    8. Antwort von Hans Haller (panasawan)
      Wenn dem so ist, darf man sicherlich auch nicht mit Ihnen reden, geschweige den zusammenarbeiten. Geschichte lesen ist eine Sache, Geschichte verstehen ist eine andere Sache. Und da genau haben doch viele gewaltige Lücken.
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