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Präsidentschaftswahlen USA 2020 – Swing State Florida
Aus Tagesschau vom 31.10.2020.
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Wahlkrimi in Florida US-Latinos wählen Demokraten? Längst nicht immer

Joe Biden findet bei Latinos und Latinas laut Umfragen weniger Unterstützung als Hillary Clinton vor vier Jahren. Dahinter steckt auch eine erfolgreiche Strategie der Republikaner. Die Demokraten mobilisieren nun im umkämpften Swingstate Florida. Denn wer Florida gewinnt, ist dem Wahlsieg nahe.

Es ist ein fröhlicher Haufen, der sich an einem Sonntag in einem Park in Miami trifft. Das Prinzip: Alle fahren mit ihren mit Flaggen und Wahlplakaten dekorierten Pickups und SUVs in den Park.

Organisiert ist die Karawane durch «Cubans for Trump». Der US-Präsident ist allgegenwärtig: Donald Trump als Supermann, als Puppe, selbst ein Dackel trägt Trumps Tolle auf dem Kopf. Die Autos stauen sich über Kilometer. Die Anhänger von Donald Trump sind zahlreich, laut und unübersehbar.

Trump als Retter vor dem Sozialismus

Eine Band mit jungen Musikern tritt auf, sie nennt sich «Voices of Freedom». Der Gründer Federico Arango ist einer von ihnen, ebenso Vanessa Ruano. Sie hat kubanische Eltern. «Wir sind gegen den Sozialismus, darum wählen wir Donald Trump», sagen Vanessa und ihre Kollegin.

Was Sozialismus und Kommunismus anrichten könne, hätten sie in Kuba gesehen. Für Federico gibt es noch einen anderen Grund: «Trump hat die Space Force gegründet, das ist für mich wichtig. Damit die USA im Weltraum nicht von den Chinesen überholt werden.» Trump sei gut für eine boomende Wirtschaft, sagen viele.

Eine Trump-Anhängerin schaut aus dem mit USA-Flaggen und Trump-Puppe geschmückten Auto.
Legende: Auto-Karawane für Donald Trump Die gebürtige Kubanerin Alejandra ist von US-Präsident Trump überzeugt. Er bewahre die USA vor dem Sozialismus. Viviane Manz

«Ich will frei sein! Ich liebe Trump!», ruft Alejandra, eine ältere Kubanerin, aus dem Dachfenster ihres Autos, in dessen Seitenfenster eine Trump-Puppe klemmt. Immer wieder hört man: Demokraten sind Sozialisten – diese Aussage kommt nicht von ungefähr. Seit Jahren ist dies der zentrale Slogan der Republikaner in Florida.

Grosse Wahlbeteiligung auch bei Jungen

Gegen einen Wahlsieg Trumps kämpfen demokratische Aktivisten in Miami. «Unsere grösste Herausforderung ist es, dass die Menschen verstehen, dass es eine Lüge ist, dass die Demokraten Sozialisten sind», sagt Maria-Elena Lopez, die Vizepräsidentin der Demokraten im Kreis Miami-Dade. Gerade bei Menschen, die unter dem Kommunismus gelitten hätten, verfange dies. «Sie haben Angst, dass ihnen Kommunisten alles wegnehmen. Aber mit Obama und Biden waren acht Jahre lang Demokraten im Weissen Haus – sie haben nichts weggenommen. Im Gegenteil haben sie Obamacare eingeführt, davon profitieren viele Latinos.»

Latinos als wichtige Wählergruppe

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Der Anteil der Menschen mit lateinamerikanischen Wurzeln in Florida wächst. Heute sind 17 Prozent der registrierten Wahlberechtigten in Florida Latinas oder Latinos. Die Mehrheit von ihnen stimmt demokratisch. 38 Prozent der Latinos und Latinas haben sich als Demokraten registriert, 26 Prozent als Republikaner. Dabei wählen nicht alle die Partei, für die sie sich registriert haben. Die Gruppe der Wählenden ohne Parteizugehörigkeit liegt bei 35 Prozent. Die grösste Gruppe unter den Latinos in Florida sind Kubanerinnen und Kubaner. Quelle: Pew Research Center

Krankenversicherung und Coronakrise, das seien für viele Latinos wichtige Themen. Und da könnten die Demokraten punkten, sagt Abel Iraola. Der junge Amerikaner mit kubanischen Wurzeln engagiert sich bei der Organisation Nextgen America dafür, junge Menschen an die Urne zu bringen. «Wir sind sehr zufrieden – die Leute wählen viel zahlreicher als noch vor vier Jahren.»

Gespaltene Latino-Gemeinschaft

Am ersten Tag, an dem man in Florida an die Urnen kann, bildet sich frühmorgens bereits eine lange Schlange vor einem Wahllokal in Miami-Dade. Samantha aus Venezuela wird Joe Biden wählen – doch viele ihrer Bekannten denken anders.

Menschen stehen Schlange mit Regenschirmen
Legende: Grossandrang vor dem Wahllokal Trotz Regen stehen die Menschen vor diesem Wahllokal in Miami Schlange, um ihre Stimme abzugeben. Viviane Manz

Über Politik zu diskutieren, sei schwierig. «Es gibt so viele falsche Informationen auf Whatsapp und in den sozialen Medien.» Es werden Inhalte der Verschwörungstheorie von QAnon in der Latino-Community geteilt, die unter anderem behauptet, dass Joe Biden pädophil sei. Eine Behauptung, die frei erfunden ist.

Später stoppt ein Bus mit Tänzerinnen und der demokratischen Abgeordneten Debbie Mucarsel-Powell beim Wahllokal. Sie ist die erste in Ecuador geborene Kongressabgeordnete der USA und wirbt für sich und für Joe Biden.

Für einen Moment kommt Feststimmung auf, bevor ein Regenschauer über die Gruppe niedergeht und sie weiterziehen. Die Latinos sind derzeit besonders umworben. Jede Stimme zählt – wenn der etwas abgedroschene Satz irgendwo gilt, dann in Florida.

Umfragewerte bei Latinos in Florida

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Gemäss einer Umfrage liegt Biden in Florida bei den Latinos in Führung gegenüber Trump, mit 53 zu 37 Prozent (Umfrage für Equis Labs). Das sieht nach viel aus, doch es sind 11 Prozentpunkte weniger als Hillary Clinton vor vier Jahren gegen Trump in Florida erzielte, gemäss Wählerbefragungen. Trotz ihres grossen Vorsprungs bei Latinos hatte Clinton den Staat Florida insgesamt verloren. Wenn also Bidens Vorsprung nun kleiner ist, und Trump leicht bessere Werte erzielt bei Latinos, ist das eine gute Nachricht für die Republikaner. Denn Trump muss Florida gewinnen, wenn er Präsident bleiben will, davon gehen die Wahlbeobachter aus.

Tagesschau, 31.10.2020, 19:30 Uhr

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29 Kommentare

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  • Kommentar von André Piquerez  (Nemesis1988)
    Ich wage eine Prophezeiung:
    Auch wenn ich den Amis alles zutraue, diesmal wird Trump nicht mehr gewinnen. Florida, Michigan und Pennsylvania werden knapp blau stimmen und dann ist es für Trump aus. Er ahnt dies und daher hat er einen Plan um alles anzufechten und sturmzulaufen. Biden wird Präsident aber früher oder später wird er infolge gesundheitlicher Probleme oder Demenz die Macht freiwillig an die Vizepräsidentin abgeben. Ihr werdet sehen, diese Kamala Harris wird die erste US-Präsidentin
  • Kommentar von Maria Müller  (Mmueller)
    So liebe Trump-Ablehner, stellt schonmal die Sektflaschen kühl. Diese Wahl geht an euch. DT wird verlieren. Aber glaubt bitte nicht, es werde keinen nächsten republikanischen Präsidenten geben. Nach der Wahl ist vor der Wahl. Geniesst euren "Sieg" :-)
  • Kommentar von Jürg Vollenweider  (Ge.Vo)
    Vier Jahre Donald Trump und die Republikanische Partei sind genug.Ein Wechsel wäre gut für die gesamte westliche Welt.Deshalb:Lieber Joe Biden als Präsident als nochmal Donald Trump.