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Omikron: Ein Vorbote für weitere Mutationen?
Aus Echo der Zeit vom 21.12.2021.
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Wandelbares Virus Omikron betritt die Pandemie-Bühne – doch der Vorhang fällt nicht

Die neue Hauptrolle in der Pandemie spielt derzeit Omikron. Virologen erklären, was uns noch erwarten könnte.

Wie lange geht das noch so weiter mit der Pandemie? Die Antwort darauf hängt stark davon ab, wie viel Wandlungsfähigkeit dem Coronavirus noch zuzutrauen ist. Nach 18 Monaten Pandemie antwortet Virenforscherin Emma Hodcroft von der Universität Bern: Schwer zu sagen. Denn 18 Monate sind evolutionsbiologisch betrachtet ziemlich kurz.

«Sars-CoV-2 ist gerade erst in seinem neuen Wirt, dem Menschen, angekommen», sagt Hodcroft. Man wisse noch nicht, ob das Virus schon die «beste Version seiner selbst» gefunden habe. Die Version, die menschliche Zellen perfekt infiziere, perfekt zum nächsten Menschen weitergetragen werde und das menschliche Immunsystem umgehen könne.

Omikron – ein grosser Sprung

Darauf folgt die Frage, was das Virus bisher an relevanten Varianten hervorgebracht hat. «Innerhalb der Varianten, die wir bislang hatten, gab es eine eher graduelle Evolution. Dann gab es immer wieder kleine Sprünge. Das waren die alten, als besorgniserregend eingestuften Varianten: Alpha, Beta, Gamma, Delta», sagt Richard Neher von der Universität Basel.

Alpha bis Delta, vier besorgniserregende, also relevante Varianten. Das war der Stand bis vor einem Monat. Alle vier trugen eher kleine Veränderungen bezogen auf die Ursprungsversion. Alpha und Delta waren vor allem ansteckender, Beta und Gamma schon etwas immunevasiv, das heisst: Sie konnten die erworbene Immunität nach Infektion oder Impfung ein Stück weit umgehen.

Die Schwere der Erkrankung hängt auf diesen kurzen Zeitskalen sehr viel mehr vom Wirt und seiner immunologischen Geschichte ab als von den Varianten des Virus.
Autor: Richard Neher Virologe an der Universität Basel

«Jetzt haben wir nicht nur einen kleinen Hüpfer gehabt, sondern einen Riesensatz», erklärt Neher. Er meint die Variante Omikron, die mehrere Dutzend Mutationen trägt. Sie ist ganz anders als alle davor. Mit Folgen: Bis vor einem Monat konnte man hoffen, dass das Coronavirus vielleicht gar keine wirklich gute Immunevasion zustande bringt – also die Fähigkeit, bestehende Immunität auszuhebeln.

Beta und Gamma hatten eine leichte Immunevasion, aber in der ersten Hälfte 2021 brachte das dem Virus kaum einen Vorteil. Delta, die Variante, die viel ansteckender war als alle anderen, setzte sich durch und wurde weltweit dominant.

Legende: Die neue Hauptrolle in der Pandemie spielt derzeit Omikron, das die Karten noch einmal neu mischt – und den leisen Optimismus, man habe Delta und damit die Pandemie vielleicht schon fast im Griff, zunichte macht. Keystone

In der Welt von heute mit sehr vielen Immunen hätten Gamma und Beta womöglich eine Chance gehabt. «Wir haben erst jetzt eine mehr oder weniger flächendeckende Immunität. In manchen Regionen durch Impfung, in anderen durch Primärinfektionen. Damit verändert sich die Selektionslandschaft», sagt Neher.

Das heisst: Jetzt erst bringt es dem Virus echte Vorteile, wenn es schon einmal Infizierte oder Geimpfte noch einmal anstecken kann, weil es erst jetzt wirklich viele davon gibt. Und Omikron zeigt: Corona beherrscht die Immunflucht – ziemlich gut sogar.

Jahr für Jahr passen sie sich an. Das menschliche Immunsystem lernt dazu. Wieder passen sich die Viren an. Und wieder von vorn. Es ist wie ein Tanz, ein Gleichgewicht, das sich immer wieder neu auspendelt.
Autor: Emma Hodcroft Virologin an der Universität Bern

Grippeviren und Erkältungs-Coronaviren zirkulieren seit Jahrzehnten, seit Jahrhunderten im Menschen. Emma Hodcroft sagt: «Jahr für Jahr passen sie sich an. Das menschliche Immunsystem lernt dazu. Wieder passen sich die Viren an. Und wieder von vorn. Es ist wie ein Tanz, ein Gleichgewicht, das sich immer wieder neu auspendelt.»

Der Newcomer Sars-CoV-2 schien zunächst nur wenige Tanzschritte zu beherrschen. Omikron zeigt, dass man dem Newcomer doch mehr zutrauen muss. Gleichzeitig nimmt die Immunität aufseiten der Menschen zu. Das ist für den Moment gar nicht so unwichtig, sagt Neher: «Die Schwere der Erkrankung hängt auf diesen kurzen Zeitskalen sehr viel mehr vom Wirt und seiner immunologischen Geschichte ab als von den Varianten des Virus.»

Das Virus wird bleiben. Nach Omikron werden noch neue Varianten kommen. Ob sie viele schwer krank machen oder nicht, hängt nicht zuletzt vom erwähnten Tanz ab.

Echo der Zeit, 21.12.2021, 18 Uhr

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78 Kommentare

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  • Kommentar von SRF News (SRF)
    Guten Abend liebe Community. Wir schliessen an dieser Stelle die Kommentare und wünschen Ihnen einen angenehmen Abend. Liebe Grüsse, SRF News
  • Kommentar von Mark Rickenbacher  (RickMa)
    Wie lange diese Pandemie andauert hängt alleine davon ab wie lange es dauert, bis wir genug Pflegekapazität geschaffen haben. Gemäss Dr. rer. pol. Werner Widmer (NZZ Interview vom 16.12) hatten wir mit den gegenwärtigen 867 ICU Betten gesamtschweizerisch immer mindestens 100 Beten und somit 12% Kapazität. Das ist zu knapp. Gemäss Widmer haben wir in der Schweiz einer "Reservearmee" von ehemaligen IPS-Fachleuten. Gelingt es uns diese zu mobilisieren ist die Pandemie im Herbst 22 beendet.
    1. Antwort von Thomas Spirig  (lalelu)
      und wer will von dieser tollen reservearmee denn antreten? wie wir vom inselspital gelernt haben war die liste der freiwilligen im april 2020 noch über 1000 namen lang. diesen herbst ist die liste auf null zusammengeschrumpft. sieht leider aber verständlicherweise so aus als würde sich die begeisterung in engen grenzen halten. zudem: ein paar IPs mehr sind mE reine symptombekämpfung. damit gewinnt man etwas zeit, mehr aber auch nicht.
    2. Antwort von Michael Fuchs  (mfuchs)
      @Mark Rickenbacher. Begreifen Sie doch endlich, dass ein Ausbau der Spitalkapazität bloss einen geringen zusätzlichen Zeitpuffer schafft, bis zusätzliche Massnahmen nötig sind um eine Überlastung des Gesundheitssystems zu verhindern. In keinster Weise wird dadurch das Infektionsgeschehen weniger, oder die Pandemie beendet.

      Mehr Spitalpersonal -> nicht weniger Infektionen und Kranke, weniger Tote.
      Impfung -> deutlich weniger Infektionen, Kranke und Tote.
    3. Antwort von Ronny Nemetz  (RonnyRonson)
      So ein Blödsinn. Wo ist die Arme. Träumen kann man ja viel.
  • Kommentar von Christoph Ecker  (CE)
    und übrigens: in Israel fängt gerade die 4. Runde der Impfungen an (QUELLE SRF LT) an.
    1. Antwort von Andi Raschle  (aras)
      Herr Ecker: Das erstaunt mich nicht wirklich. Aus meiner Sicht werden wir uns wahrscheinlich darauf einstellen müssen, dass wir uns die nächsten Jahre, mindestens 1x wenn nicht sogar 2x impfen lassen müssen/sollten. Ich selbst habe damit kein Problem und kann natürlich nur für mich sprechen.
    2. Antwort von Franziska Wagner  (Cesca)
      Israel war ja auch schon bereit mit der Auffrischimpfung, deshalb überrascht mich das überhaupt nicht. Für mich kein Problem, ich kremple schon mal meinen Ärmel hoch für anfangs April ;-)
    3. Antwort von Franziska Wagner  (Cesca)
      Korrektur: … viel früher bereit … hätte es selbstverständlich heissen sollen.
    4. Antwort von Christoph Ecker  (CE)
      Sehr geehrte Frau Wagner, sehr geehrter Herr Raschle
      Ich finde das ein bisschen egoistisch von Ihnen angesichts der Tatsache, dass viele Menschen in vielen Ländern unserer Erde noch nicht mal eine einzige Impfung hatten.
    5. Antwort von Esther Jordi  (ejejej)
      Sehr geehrter Herr Ecker, was hat das mit Egoismus zu tun? Wenn wir auf die bei uns vorhandenen Impfungen verzichten, hilft das niemandem. Der Impfstoff wandert deshalb nämlich nicht in arme Länder, sondern verfällt bei uns und wird dann weggeschmissen.
    6. Antwort von Christoph Ecker  (CE)
      Sehr geehrte Frau Jordi
      Ja das mag stimmen. Wir wollen alle 3 Monate eine Impfung. Wir kriegen sie auch - auf Kosten der anderen.

      COVID-19 vaccine strategies must focus on severe disease and global equity (The Lancet December 16 2021).
      Die WHO teilt diese Meinung im Übrigen auch.