Charles Mutenga hat eine sanfte Stimme. Der 29-Jährige reiste vor vier Jahren aus Malawi, einem der ärmsten Länder Afrikas, nach Südafrika. Das erzählt er kaum hörbar. Seither arbeitet er als Gärtner.
«Ich bin illegal hier. Doch in welchem Land auf der Welt leben keine illegalen Menschen? Mit all dem Hass ist es gefährlich geworden. Ich wage es kaum mehr, zur Arbeit zu gehen. Irgendjemand kann mich attackieren. Oder die Polizei erwischt mich und schickt mich nach Malawi zurück.»
Alle illegalen Migrantinnen und Migranten sollen weg
Die Angst von Charles Mutenga und Tausenden anderen freut die Organisation «March on March». Genau das will sie: Alle illegalen Migrantinnen und Migranten sollen weg. Deadline ist der 30. Juni.
«March on March» scheint wie aus dem Nichts aufgetaucht. Ein Gespenst, das man lieber nicht wiedersehen möchte. Bereits die ersten Demonstrationen waren aggressiv und geradezu massgeschneidert, um Menschen aus anderen afrikanischen Ländern zu vergraulen.
«Wir waren über Jahrzehnte gastfreundlich, liessen sie rein. Sie kamen und sind geblieben. Sie haben unsere Arbeitsplätze genommen. Meine Kinder haben keinen Platz in der öffentlichen Schule», ereifert sich Charlie Roux, die Vertreterin von «March on March» in Kapstadt.
Dort skandiert ein Grüppchen von gerade mal 40 Personen, die Ausländer müssten raus. Sie wäre ein Witz, würden nicht im ganzen Land und täglich ähnliche Slogans skandiert, meistens von furchterregenden Männern mit Speeren der Zulus.
Mobangriffe und fünf Tote
Der wahre Terror jedoch passiert in den Townships, fernab von den Kameras der mittlerweile versammelten internationalen Presse. Charles Mutenga selbst hat Freunde, die von einem Mob angegriffen worden sind und das Haus ohne jegliches Hab und Gut verlassen mussten.
In Durban campieren Tausende Malawier und wollen repatriiert werden, in Kapstadt haben sich Hunderte aus Simbabwe vor ihrer Botschaft versammelt. Hunderte Ghanesen und Nigerianer haben das Land bereits verlassen. Es sollen fünf Mosambikaner getötet worden sein.
Warum passiert das alles jetzt? Das fragen sich viele. Die hohe Arbeitslosigkeit ist nichts Neues, die Korruption auch nicht. Doch scheint es, dass die Mehrheit der südafrikanischen Bevölkerung das Vertrauen in die Regierung verloren hat. Sie sind der wiederholten Versprechen überdrüssig. Einige kleine Parteien, die im Herbst bei den Lokalwahlen punkten wollen, wissen, dass Fremdenhass immer Stimmen bringt.
Südafrikaner: faul und unzuverlässig
Südafrikanern gehe es nur ums Geld, sie seien unzuverlässig und faul, ist die Meinung von Claudia Krugsmaker, der Vorgesetzten von Charles Mutenga. Die Lokalwahlen würden eine zentrale Rolle spielen, vor allem da die Regierungspartei ANC so schwach sei. Sie weiss, dass sie selbst das Gesetz missachtet, indem sie einen illegalen Migranten beschäftigt. Doch wie viele traut sie den Südafrikanern nicht.
Charles Mutenga hört ihr schweigend zu. Er will sich nicht abschätzend über die Südafrikaner äussern. Doch weiss er, dass er immer noch nicht genügend sparen konnte, um in Malawi ein kleines Geschäft zu eröffnen.
So vertraut er wie viele seiner Landsleute auf die Kraft des Gebetes und klammert sich an die Hoffnung, weiterhin in Südafrika unter dem Radar ein besseres Leben aufbauen zu können.