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International Warum die AfD so erfolgreich ist

In Mecklenburg-Vorpommern leben nur wenige Flüchtlinge. Trotzdem werden die Rechtspopulisten aus dem Stand zweitstärkste Partei in den Landtagswahlen. SRF-Korrespondent Peter Voegeli erklärt, wie die AfD nach Wählern fischt.

Legende: Audio «Die AfD im Aufwind » abspielen. Laufzeit 5:18 Minuten.
5:18 min, aus Rendez-vous vom 05.09.2016.

1. Phantomschmerzen und reale Ängste

Zahlenmässig gibt es kein Flüchtlingsproblem in Mecklenburg-Vorpommern, gefühlt aber schon. Es ist eine Art Phantomschmerz. Auch wenn ein Bein amputiert ist, schmerzt es. Es ist ähnlich wie mit der Minarett-Abstimmung in der Schweiz: Es gibt kaum Minarette im Land, trotzdem gab es die Besorgnis. In Ostdeutschland haben die Menschen das Gefühl, sie müssten sich nun wieder anpassen, diesmal an die Flüchtlinge. Dies nachdem man sich, so die verbreitete Meinung, bereits nach der Wende anpassen musste. Zudem beunruhigt die Menschen in ganz Deutschland, dass man nicht weiss, wo sich einige zehntausend Flüchtlinge aufhalten.

2. Die drinnen gegen die draussen

Viele Menschen finden, dass Bundeskanzlerin Merkel nicht auf sie hört und dass «die da oben» – die Parteien, die Institutionen, die Medien – sowieso machen, was sie wollen. Nicht erst seit der Flüchtlingskrise, sondern schon seit der Euro-Krise. Ein Beispiel: Als ich auf Rügen war, sagte mir ein Mann: «Die Kommunen haben nicht genug Geld für Schultransporte. Die Eltern müssen 100 bis 150 Euro zuschiessen. Aber für die Flüchtlinge hat man immer Geld.» Hier liegt die Stärke der AfD: Früher spielte die politische Linke die «unten gegen die da oben aus», jetzt spielt die AfD «die drinnen gegen die draussen» aus – also Flüchtlinge gegen Einheimische. Das ist ein grosses Problem für die etablierten Parteien.

3. Protest als Selbstzweck

Die AfD hat seit dem 30. April ein Wahlprogramm. Sie selbst bezeichnet sich als konservativ und liberal, sie will tendenziell eher weniger Sozialausgaben. Die AfD will zum Beispiel die Erbschaftssteuer abschaffen. Das hilft sicher nicht den unteren Schichten, sondern eher denjenigen, die mehr besitzen. Weiter erwägt sie, die Gewerbesteuer und damit die Haupteinnahmequelle der Kommunen abzuschaffen. Wie die Kommunen dann den Schulbus bezahlen sollen, um auf das eben erwähnte Beispiel zurückzukommen, ist offen. Doch die Menschen, die die AfD wählen, sind nicht nur solche, die Sozialgelder benötigen. Die Wählerschaft zieht sich quer durch alle Schichten. Und zu zwei Dritteln wollen diese Menschen den etablierten Parteien einen Denkzettel geben.

4. Die Unlust am Mitgestalten

Die AfD muss den Beweis aber nicht antreten, dass sie es besser machen kann. Die anderen Parteien wollen im Mecklenburg -Vorpommern nicht mit ihr regieren, sie selbst will es auch nicht. Die AfD hat in dem Bundesland lediglich 500 Mitglieder, von denen künftig 18 ein Mandat im Landtag haben. Es ist schwierig Leute mit dem nötigen Know-how zu finden. Sie hat zwar angekündigt, dass sie konstruktiv mitwirken will. Aber die Partei sagt mal das eine, dann wieder das andere. Manchmal gibt sich die AfD gemässigt, dann wieder spricht sie von der Diktatorin Merkel. Faktisch hört man immer mal wieder von internen Querelen unter den Co-Vorsitzenden Petry und Meuthen. Konkretes hört man jedoch wenig.

Peter Voegeli

Peter Voegeli

Peter Voegeli ist seit Sommer 2015 SRF-Korrespondent in Deutschland. Er arbeitet seit 2005 für Radio SRF, zunächst als USA-Korrespondent, danach als Moderator beim «Echo der Zeit».

20 Kommentare

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  • Kommentar von Albert Planta (Plal)
    Der Erfolg der Rechtsnationalen beruht auf der Willkommenspolitik von Angela Merkel. Bei uns war es im Vorfeld der EWR- Abstimmung, als die Regierung sagte, der EWR sei eine Vorstufe zum EU-Beitritt. Beide Male wurde die Weisheit "Gouverner c'est prévoir" ausser Acht gelassen.
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  • Kommentar von Klaus Kreuter (Klaus Kreuter)
    Herr Bächler, als die GRÜNEN in Deutschland aufgetaucht sind wurde genauso diskutiert. Dann waren die sogar mal in der Regierung und sind es immer noch in einigen Bundesländern. Ich würde da vorsichtig sein, es steckt tiefe Enttäuschung über MERKEL dahinter. Lesen Sie doch bitte mal das Buch "Die PAtin" von Prof. Gertrud Höhler.
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  • Kommentar von Jürg Sand (Jürg Sand)
    Mich wundert nur eines: Wer wählt nach dieser Katastrophe noch die Schuldigen?!
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    1. Antwort von Niklaus Bächler (SVP-Hinterfrager)
      Die Wahlanalyse zeigte, wer hauptsächlich AfD gewählt hat: Arbeitslose, Arbeiter und wenig Gebildete. Das sagt doch schon sehr viel über den Wählerfundus, auf welchen die AfD nun bauen kann. Ich werde etwas weit gehen zu behaupten, dass die gewählten AfD-Politiker aus den gleichen Reihen kämen. Mal sehen, wie sich das entwickelt. Ich bin hier etwas beunruhigt,die Verantwortung für einen Staat in solche Hände legen zu wollen. Und sie?
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