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International Warum in Washington nach dem Brexit-Votum Verunsicherung herrscht

Das Verhältnis zwischen den USA und Grossbritannien gilt als besonders eng. Oft fungierte das Vereinigte Königreich als Türöffner für die USA zu Europa. Mit dem Brexit könnte sich dies nun ändern.

David Cameron und Barack Obama betreten eine Bühne
Legende: Wäre doch alles beim Alten geblieben: Für die USA steht mit dem Brexit einiges auf dem Spiel. Keystone

«No-Drama»-Obama war nach der Brexit-Abstimmung wieder am Werk: Der US-Präsident liess ein hochdiplomatisches Communiqué verschicken, in dem es nüchtern hiess, die «Special Relationship» mit Grossbritannien werde auch künftig Bestand haben. Gleichzeitig sei und bleibe aber auch die Zusammenarbeit mit der Europäischen Union wichtig. Nur keine Panik lautet also die Devise. Erst mal abwarten und ja keine Türen zuknallen.

Ende April klang derselbe Obama bei einem Besuch in London noch ganz anders. Damals warnte er die Briten mit ungewöhnlich drastischen Worten vor einem EU-Austritt – das komme nicht gut und mache alles viel komplizierter. An dieser Einschätzung hat sich seither wohl kaum etwas geändert. Geändert haben sich hingegen die Rahmenbedingungen. Und das wiederum erklärt Obamas Rückzug ins Diplomatische.

In Washington herrscht Verunsicherung

Kein Zweifel: Die Verunsicherung ist gross in Washington. Am liebsten hätte man gehabt, wenn alles beim Alten geblieben wäre. Niemand weiss, wie es jetzt weitergeht mit dieser engen Bande, die seit dem Zweiten Weltkrieg zwischen den USA und Grossbritannien bestanden hat. Lässt sie sich aufrechterhalten? Oder verliert Grossbritannien für die USA strategisch derart an Bedeutung, dass andere Länder wie Frankreich wichtiger werden?

Es steht viel auf den Spiel: Die USA und Grossbritannien kooperierten bis jetzt in sicherheitspolitischen Fragen sehr eng – etwa in Afghanistan oder im Kampf gegen den IS in Irak und Syrien. Grossbritannien brachte in der Vergangenheit oft amerikanische Anliegen in Brüssel ein: Kein anderes Land machte sich etwa im Ukraine-Konflikt derart stark für Sanktionen gegen Russland wie die Regierung Cameron. Wirtschaftlich besteht ebenfalls eine enge Verflechtung über den Atlantik hinweg. Und ein Ausscheiden Grossbritanniens aus der EU macht die Verhandlungen über das Freihandelsabkommen TTIP sicher nicht einfacher.

Trump sieht nur Positives am Brexit

Obama wird in den letzten Monaten seiner Amtszeit viel Fingerspitzengefühl brauchen. Die Beziehungen zu Grossbritannien neu definieren wird dann aber seine Nachfolgerin oder sein Nachfolger.

Während die demokratische Kandidatin Hillary Clinton eine ähnliche Linie fährt wie Obama, setzt der republikanische Präsidentschaftsanwärter Donald Trump voll auf ein unabhängiges Grossbritannien. Er sieht sowieso nur Positives am Brexit: das schwächere Pfund etwa, sagt er, werde seinen beiden Golf-Resorts in Schottland mehr Gäste bescheren.

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15 Kommentare

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  • Kommentar von Benedikt Walchli (Benedikt Walchli)
    Brexit zeigt einmal mehr wie in vielen Staaten im Moment die Regierungen total am Volkswillen vorbei politisieren. In der EU gäbe es mehrere Länder wo dasselbe passieren würde auch in den USA. Die Leute haben die Nase voll von Berufspolitikern. Sie wollen wieder Regierungsleute die eine gute Portion gesunden Menschenverstand haben und Volks-nah sind. Sogar hier in den Phil hat sich mit Duterte etwas ähnliches ereignet.
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  • Kommentar von Christian Szabo (C. Szabo)
    Die USA richten Aktivitäten in den asiatisch-pazifischen Raum aus. Da hat UK nach wie vor wichtige Kontakte. Die Rest-EU brauchen sie da nicht unbedingt. Seit dem 2. WK fahren sie eigene Strategien. Die USA ist der natürliche Nachfolger von UK als globale Großmacht. Die Überwachung/Spionage via UK von Europa wird weiterhin funktionieren. Das ist für die USA wichtig. Wenn die EU an Bedeutung und Macht verliert, kann das der USA nur Recht sein.
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  • Kommentar von Jürg Sand (Jürg Sand)
    Da hat der Trump doch recht! Wir möchten doch auch ums Verrecken einen tiefen Franken, vor allem die Sozis. Also, 1:0 für England!
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