«Es fühlt sich an wie nach Hause kommen», sagt Suella Braverman und erntet Applaus von ihren neuen Parteikolleginnen und -kollegen. Braverman steht auf einer Bühne in einem Lokal der rechtsnationalen Partei Grossbritanniens, Reform UK.
Sie ist die bisher prominenteste Konservative, die den Wechsel zu Reform UK öffentlich bekannt macht. «Ich hatte endgültig genug, einer Partei anzugehören, die weiter grosse Versprechen macht – und in keinster Weise die Absicht hat, diese Versprechen auch zu halten.»
Suella Braverman war von September 2022 bis November 2023 britische Innenministerin – in den Regierungen von Liz Truss und Rishi Sunak. Sie vertritt eine kompromisslose Linie in Europa- und Migrationsfragen. Und sie scheut den rhetorischen Schlagabtausch nicht.
«So kann man nicht gewinnen»
Am Tag ihres Parteiübertritts rechnet sie mit ihrer früheren Partei ab: «Ich habe darauf gewartet, dass sich die Partei verändert. Doch nichts geschah», sagt Braverman über den versuchten Neustart der Konservativen in der Opposition, nach der grossen Wahlniederlage bei den Parlamentswahlen im Juli 2024.
Braverman: «Die konservative Partei ist tot.» Während der Wahlkampagne habe sie sich bei der Wählerschaft immer und immer wieder für die Politik der konservativen Regierungen von Boris Johnson, Rishi Sunak oder Liz Truss entschuldigen müssen. «So kann man nicht gewinnen.»
Regierungserfahrene Personen sind hoch willkommen
Vor Suella Braverman haben im Januar der frühere Schatzkanzler Nadhim Zahawi und der frühere Migrationsminister Robert Jenrick den Parteiwechsel zu Reform UK vollzogen.
Robert Jenricks Übertritt hat für grosse Schlagzeilen gesorgt, weil er sich im Herbst 2024 für den Vorsitz der konservativen Partei beworben hatte und nach seiner Niederlage das Justizdossier erhielt – eine Schlüsselfunktion im Schattenkabinett von Oppositionsführerin Kemi Badenoch. So versuchte Badenoch, ihren Rivalen und dessen Anhängerschaft einzubinden.
Jenrick spart wie Braverman nicht mit Kritik an seiner früheren Partei: «Die konservative Partei ist kaputt und kann nicht geflickt werden. Die Partei ändert sich nicht. Und sie bedauert auch den Schaden nicht, den sie dem Land zugefügt hat.» Es brauche nun tiefgreifende Reformen – wie sie Reform-UK-Leader Nigel Farage vorschlage.
Farage selbst kann sein Glück kaum fassen. «Es kommen Personen mit Regierungserfahrung zu uns. Natürlich freut mich dies. Man kann uns nicht länger vorwerfen, wir seien für die Übernahme der Regierungsgeschäfte nicht gerüstet.»
Oppositionsführerin reagiert gelassen auf den Aderlass
Die prominenten Abgänge bereiten der konservativen Parteichefin Kemi Badenoch keine schlaflosen Nächte: «Nigel Farage übernimmt bei uns den Frühlingsputz», witzelt sie nach dem Abgang von Robert Jenrick. «Es ist nicht länger mein Problem – sondern nun jenes von Nigel Farage.»