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Legende: Audio Stelldichein der Erzkonservativen in Verona abspielen. Laufzeit 04:23 Minuten.
04:23 min, aus Echo der Zeit vom 30.03.2019.
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Weltfamilienkongress in Verona Ein dreitägiges Stelldichein christlicher Fundamentalisten

In Verona, der Stadt von Romeo und Julia, trifft sich seit Freitag der Weltkongress der Familien. Ein dreitägiges Stelldichein sehr konservativer, christlich-fundamentalistischer und zum Teil rechtsextremer Politiker, Aktivisten oder Gruppen.

Dass der Kongress in Verona stattfindet, ist nicht Romeo und Julia geschuldet, sondern einzig und allein der Lega. Denn sie regiert mit in Rom und stellt in Verona den Bürgermeister. Und der hat den Organisatoren den prächtigen Palazzo della Gran Guardia im Stadtzentrum gratis zur Verfügung gestellt.

Schwangerschaftsabbruch sei Kannibalismus

Dort treten nun bis Sonntag Referenten auf, die für die sogenannt natürlich Familie werben. Was das bedeuten könnte, zeigt ein Blick auf die Anwesenden: Zum Beispiel tritt Luca Zaia auf, der die Region Veneto seit Jahren für die Lega regiert. Zaia sagt: «Nicht die Homosexualität, sondern die Homophobie ist eine Krankheit.» Oder Matteo Salvini, der Lega-Chef betonte, an der Fristenlösung werde nicht gerüttelt.

Sprechen werden aber auch Leute mit extremen Vorstellungen, etwa Lucy Akello, Parlamentarierin aus Uganda, ein Land, in dem Homosexualität illegal ist und streng geahndet wird. Oder der russisch-orthodoxe Geistliche Dimitri Smirnov, der die Demokratie als einen Fehler und den Schwangerschaftsabbruch als Kannibalismus bezeichnet.

Feministenproteste in Verona

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Feministenproteste in Verona

Aus Protest gegen den von konservativen christlichen Gruppen organisierten Weltfamilienkongress sind am Samstag in der norditalienischen Stadt Verona Tausende Menschen auf die Strasse gegangen. Die Polizei sprach am Nachmittag von rund 20'000 Teilnehmern.
Zu der Kundgebung hatten feministische Organisationen, Gewerkschaften und linke Gruppierungen aufgerufen. Demonstranten waren aus ganz Italien angereist; an den umliegenden Parkplätzen wurden 140 Busse gezählt.

Rückfall ins Mittelalter

Dieser Kongress stand zuerst unter dem Patronat des italienischen Regierungschefs Giuseppe Conte. Als ruchbar wurde, dass auch Redner mit extremen Ansichten in Verona auftreten werden, zog Conte das Patronat über Nacht wieder zurück. Und der Koalitionspartner der Lega, die Fünf Sterne Bewegung, verhöhnte den Kongress als einen Rückfall ins Mittelalter. Auch in der Familienpolitik sind sich Lega und Cinque Stelle uneins.

Am Samstag reisten zudem Tausende Demonstranten nach Verona, um in den Gassen der Altstadt gegen patriarchale, konservative und in ihren Augen überholte Familienmodelle zu demonstrieren.

Am Betreten der Veranstaltung gehindert

In vielen Ländern Westeuropas wurden diese Debatten längst und ausgiebig geführt. Nicht aber in Italien, wo die Ehescheidung, die Fristenlösung oder gleichgeschlechtliche Partnerschaften vergleichsweise spät eingeführt wurden.

Einzelne Politiker der Lega ziehen diese Errungenschaften wieder in Zweifel. Und die Partei als Ganzes zeigt wenig Berührungsängste zu weit rechtsstehenden Gruppen und Persönlichkeiten vor allem aus den USA und Russland. Das zieht Extremisten an: so kündigte etwa die rechtsextreme italienische Splitterpartei Forza Nuova ihre Präsenz in Verona an – wurde von den Veranstaltern aber beim Betreten des Veranstaltungsortes gehindert.

Lange war auch unklar, wie sich die römisch-katholische Kirche zum sogenannten Weltkongress der Familien stellt. Sie entschied sich dazu, mit Giuseppe Zenti, dem Bischof von Verona, präsent zu sein. Und Zenti nahm pointiert gegen die Fristenlösung Stellung. Die Abtreibung sei an und für sich ein Verbrechen, sagte der Veroneser Bischof, der in einem Land tätig ist, dass die Fristenlösung 1981 per Volksentscheid legalisierte.

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28 Kommentare

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  • Kommentar von Karl Kirchhoff (Charly)
    Selbst Udo Jürgens, hatte bereits 1988 die Zeichen der Zeit erkannt. „Gehet hin und vermehret euch“. Der Text lässt sich finden.
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  • Kommentar von werner zuercher (Werner Zuercher)
    Dass eine christliche Vereinigung, die den Wert der Ehe zwischen Mann und Frau, die heterosexuelle Familie mit Kinder hochhebt dermaßen durch den Schmutz gezogen wird zeigt in welch desolaten Zustand diese Gesellschaft ist. Was kann man anderes erwarten. Europa wird von Kinderlosen, egoistischen Subjekten regiert. Selbst der Bundesrat ist neu mehrheitlich Kinderlos! Kein Wunder wird die echte Familie bekämpft! Keine Sorge um Zukunft der Nachkommen! Karriere, Geld, Schluss. Nach uns die Sintflut!
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    1. Antwort von Florian Kleffel (Hell Flodo)
      Niemand hat etwas dagegen, wenn das traditionelle Familienmodell hochgehalten wird. Aber allzu oft wird stattdessen jede andere Lebensform entwertet, so zum Beispiel auch von Ihnen selbst in diesem Kommentar: Kinderlose sind "egoistische Subjekte" in einer "desolaten Gesellschaft" und kämpfen gegen die "echte Familie". Übrigens: Bei der Entscheidung für oder gegen Kinder dürften in den beiden Fällen grösstenteils "egoistische", subjektive Motive entscheidend sein.
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    2. Antwort von Hanspeter Müller (HPMüller)
      Das Problem ist nicht,wenn sich jemand für traditionelle Werte einsetzt.Das Problem ist,dass Sie nichts anderes Tolerieren.Sie demonstrieren das perfekt mit Ihrer Wortwahl.Und Frauen können es sowieso nicht recht machen.Wenn sie Kinder haben und arbeiten sind sie "egoistische Subjekte",weil sie nicht zu Hause bleiben und wenn sie keine Kinder haben und arbeiten sind sie "egoistische Subjekte" weil sie keine Kinder haben.Seltsamer Weise wirft man den Männern weder das Eine noch das Andere vor!
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  • Kommentar von M. Roe (M. Roe)
    Man kann seine Kinder an Drogen verlieren aber auch an "Sekten" oder sogenannte "Freikirchen". Ich habe mich entschieden, besser Sekte als Drogen. Beides anfangs kaum erträglich aber nach einiger Überlegung sollen die Jungen machen was sie für gut finden. Wir haben sowieso keinen Einfluss. Aber eines ist sicher: Ich werde trotz meiner "verlorenen Tochter" weder Drogen noch Freikirchen schützen.Eltern die solche Entgleisung ihrer Kinder "decken" sind mitschuldig am nächsten Drogen- +Sekten-Opfer.
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    1. Antwort von Florian Kleffel (Hell Flodo)
      Der Unterschied zwischen einer Sekte und einer Kirche liegt einzig in der Akzeptanz seitens der herrschenden Macht. In den USA ist Scientology beispielsweise eine anerkannte Kirche. Das Christentum hat als unterdrückte Sekte angefangen.
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    2. Antwort von Albert Planta (Plal)
      Klefel: das stimmt nicht, die Sekten binden ihre Mitglieder viel enger an sich und verlangen bedeutend höhere Geldbeträge als die Landeskirchen.
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    3. Antwort von Florian Kleffel (Hell Flodo)
      Danke für die Antwort, Herr Planta. Gehe ich dann richtig in der Annahme, dass Sie die frühere katholische Kirche mit ihrem Zehnten, dem Ablasshandel (Geld) und der Inquisition (aggressivste Bindung) als Sekte bezeichnen würden? Diese schwimmt geradezu im Geld ihrer Schäfchen, auch wenn sie heutzutage weniger einnimmt. Also ich finde Ihr Argument etwas seltsam. PS: Aus Religionen, "da wird nix Gscheits." Ich halte es da lieber mit der Philosophie, die alle positiven Seiten der Religion enthält.
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