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Legende: Audio Spanien: Frauenstreik am Frauentag abspielen. Laufzeit 02:43 Minuten.
02:43 min, aus HeuteMorgen vom 08.03.2019.
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Weltfrauentag in Spanien Tausende Frauen demonstrieren gegen Francos Erbe

Heute ist Internationaler Frauentag. Und ein Land, in dem dieser Tag eine ganz besondere Bedeutung hat, ist Spanien.

Im ganzen Land wird gestreikt. Für den Abend sind Demonstrationen mit Hunderttausenden Frauen angesagt. Dem Grund für die Kundgebungen kann man an einem ganz besonderen Ort mitten in der Altstadt von Madrid auf die Spur kommen.

Die Sonne scheint durchs Schaufenster. Als sich die Tür öffnet, weht ein kühler Luftzug hinein. Es riecht nach Leim, nach Papier. So gar nicht nach Schlachtfeld.

Und doch ist dieser Ort genau das: ein Ort des Kampfes, trotz der friedlichen Stimmung. Die «Librería Mujeres», die «Buchhandlung der Frauen» in der Calle de San Cristóbal ist eine der bedeutendsten Bastionen der spanischen Frauenbewegung.

Die Librería Mujeres ist eine der bedeutendsten Bastionen der spanischen Frauenbewegung.
Legende: Die Librería Mujeres ist eine der bedeutendsten Bastionen der spanischen Frauenbewegung. SRF

Dunja steht hinter dem Ladentisch. Sie ist dreissig Jahre alt, hat dunkle Locken, dunkle Augen – und einen Doktortitel in Gender Studies. Für sie sei diese Buchhandlung ein «Tempel», sagt sie. Ein heiliger, ein legendärer Ort. Schon als kleines Mädchen sei sie regelmässig hergekommen, zusammen mit ihrer Mutter.

Ein Ausgangspunkt für den Feminismus in Madrid

Neben den Klassikern der feministischen Literatur stehen auch Kinderbücher in den Regalen. Darin werden Geschichten erzählt. Statt über Christoph Kolumbus über Isabel Barreto, eine spanische Seefahrerin aus dem 16. Jahrhundert. Oder statt über Gabriel Garcia Marquez über Gabriela Mistral, die erste spanisch-sprachige Literatur-Nobelpreisträgerin.

Neben den Klassikern der feministischen Literatur stehen auch Kinderbücher in den Regalen.
Legende: Neben den Klassikern der feministischen Literatur stehen auch Kinderbücher in den Regalen. SRF

Wenn man eine Karte des Feminismus in Madrid zeichnen wolle, sagt Dunja, dann tue man gut daran, hier anzufangen.

Herangewachsen in der Franco-Diktatur

Vor 40 Jahren wurde die «Libreria Mujeres» gegründet. Heute liegt sie mitten in der Touristen-Zone, eingeklemmt zwischen einer Tapas-Bar und einem Souvenir-Shop. Manuela Carmena, die aktuelle Bürgermeisterin von Madrid, gehört zu den Gründerinnen.

Allesamt Frauen, die unter der Diktatur von Francisco Franco aufwuchsen – und denen eine ganz klare Rolle zugewiesen wurde: jene der Mutter und der Ehefrau, die zufrieden, glücklich sein sollte, natürlich. Aber bitte so, wie der Staat, die Gesellschaft es für sie vorsahen.

Tausend Gründe für einen Streik

Und heute? Es gebe tausend Gründe um zu streiken und auf die Strasse zu gehen, sagt Dunja. Sie wiederholt damit einen der Slogans des diesjährigen 8. März. «Wenn wir still stehen, steht die Welt still», heisst ein zweiter Slogan.

Und tatsächlich: Der Betrieb der Madrider Metro wird heute auf ein Minimum heruntergefahren. Fernseh-, und Radio-Sendungen fallen aus oder werden von männlichen Kollegen produziert. Fabriken, Büros, Geschäfte im ganzen Land bleiben geschlossen.

Auch ein kleiner Laden mit einer grossen Geschichte in der Calle de San Cristóbal.

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5 Kommentare

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  • Kommentar von Rolf Künzi (Unbestimmt)
    König Heinrich VIII. brach 1533 mit Rom, weil ihm Papst Klemens VII. die Annullierung der Ehe mit Katharina von Aragon, die keinen männlichen Thronfolger geboren hatte, verweigert hatte. Es war ein politischer und kein theologischer Akt zweier Menschen, die nach weltlicher Macht um jeden Preis strebten. Schon damals spielte die Sexualität in die Politik hinein, bis heute. Noch früher wurde Macht über das Geschlecht definiert. Hat nicht Maria Jesus ohne Sex bekommen, bis heute. Never ending Story
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  • Kommentar von Daniel Schmidlin (Queren life)
    Die Frau gehört dort hin, wo sie sich selbst sieht, oder es ihre spezielle Lebenssituation erfordert.
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  • Kommentar von Doris Vetsch (Kilda)
    Liebe Frau Melanie Pfändler
    Besten Dank für Ihren Artikel. Einfach toll, wie das die spanischen Frauen machen.
    Dem ist nur beizufügen: die Geduld der Frauen ist die Macht der Männer, denn:
    wenn frau will, steht wirklich alles still!
    ich wünsche allen Frauen einen inspirierenden Frauentag.
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    1. Antwort von Melanie Pfändler (Melanie Pfändler)
      Herzlichen Dank Ihnen, liebe Frau Vetsch, und herzliche Grüsse aus Madrid.
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