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International Wenn die Demokraten reden, reden und reden

Ein US-Senator will sich für schärfere Waffengesetze einsetzen. Wie macht man das im amerikanischen Parlament? Mit einem 15-stündigen Redemarathon.

Chris Murphy spricht mit Journalisten.
Legende: Auch nach der 15-stündigen Debatte stand Chris Murphy den Journalisten Rede und Antwort. Reuters

Bis tief in die Nacht haben die Demokraten im Senat geredet, geredet und geredet. Wenige Tage nach dem Attentat in Orlando nutzte der demokratische US-Senator Chris Murphy die Gelegenheit, um sich für stärkere Waffengesetze einzusetzen. Der Mann aus Connecticut griff dabei zu einem ungewöhnlichen Mittel, einem so genannten Filibuster.

Über 30 demokratische Senatoren unterstützten Murphy. Sie erzählten während knapp 15 Stunden in teils emotionalen Reden über Schiessereien in ihren Bundesstaaten und forderten den Senat zum Handeln auf. Die restlichen Geschäfte des Parlaments waren somit blockiert.

Die Kuchenrezepte der Grossmutter

«Mit diesem Redemarathon versucht eine Minderheit im Senat, eine Abstimmung zu verhindern oder wie in diesem Fall etwas zu erzwingen, nämlich dass die Waffengesetze verschärft werden», erklärt SRF-Auslandredaktor Ruedi Mäder. Dabei könnten die Senatoren so lange reden, wie sie wollten.

Erst wenn eine qualifizierte Mehrheit von 60 Stimmen im hundertköpfigen Senat erreicht ist, kommt es zu einer Abstimmung. Den Rednern sind dabei keine Grenzen gesetzt: «Ein Senator kann auch über die Kuchenrezepte seiner Grossmutter reden, wenn er nicht mehr weiss, was er sagen soll», so Mäder.

Vielfach sei ein Filibuster eine gute PR-Aktion. Und diesbezüglich war der demokratische Redemarathon von Erfolg gekrönt. Präsidentschaftskandidatin Hillary Clinton stärkte Senator Murphy auf Twitter den Rücken.

Twitter

15 Stunden gestanden

Gemäss den Regeln des Senats musste Murphy während der gesamten 15-stündigen Debatte an seinem Pult stehen. Am Ende der Debatte sagte der Senator lapidar, das Wiederaufbautraining nach einer Rückenverletzung habe ihm geholfen, Ausdauer zu entwickeln.

Neben der grossen medialen Aufmerksamkeit hatte Murphys Aktion auch eine politische Wirkung. Gemäss dem Senator sei es gelungen, genügend Republikaner zu überzeugen, über zwei Punkte abzustimmen.

Twitter

So wird in Frage gestellt, ob Personen, die auf Terrorüberwachungslisten der USA stehen auch in Zukunft noch Waffenscheine erhalten dürfen. Zudem soll darüber abgestimmt werden, ob von nun an auch bei Waffenverkäufen an Waffenshows und im Internet Backgroundchecks zu den Käufern durchgeführt werden sollen. Die verbale Ausdauer der Demokraten scheint sich also ausgezahlt zu haben.

Waffenland USA

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4 Kommentare

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  • Kommentar von Benjamin Thiel (BThiel)
    41% mehr Tote in der Schweiz durch Waffen als im Kriesen- /Bürgerkriegsland Jemen? Fast zehn mal soviele wie Rest von Mitteleuropa! Offensichtlich haben hier zuviele Spinner eine Waffe zuhause. Wie könnte man das nur in dern Griff bekommen....
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  • Kommentar von Christian Graf (Christian Graf)
    @Sand Die guten alten Zeiten??? wo Frauen noch ungestraft vergewaltigt werden durften? Kinder noch ungestraft missbraucht und verprügelt werden durften. Schwule und Lesben sich noch verstecken mussten. Die Afrikaner noch in ihren Ländern verhungert sind und nicht in die Scweiz geflüchtet sind. Wo noch so getan wurde als gäbe es all das nicht. Ja ja die guten alten Zeiten. Und für was behalten " wir " unsere Waffen noch mal? Knallen wir alle ab die anderst denken? Wie in den guten alten Zeiten!
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  • Kommentar von Niklaus Bächler (SVP-Hinterfrager)
    Das sind doch mal harte Fakten, oder können wir bald hier wieder lesen, dass das ja bloss gefälschte Statistiken sind? Haben sie gesehen, wo die CH in Bezug auf Tötungsopfer mit Schusswaffen steht? Da soll mir noch einer sagen, die Waffe gehöre bei uns in den Schrank und nicht ins Zeughaus! Wie viele Menschen müssen noch ihr Leben lassen, bis auch der letzte «richtige» Eidgenosse begreift, dass die guten alten Zeiten vorbei sind?
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    1. Antwort von Jürg Sand (Jürg Sand)
      "Die guten alten Zeiten" sind tatsächlich vorbei und wir wissen auch genau wem wir es zu verdanken haben, Niklaus Bächler. Die Waffen behalten wir aber gerade deswegen weiterhin bei uns!
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