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Wichtige Figur in der UNO Al-Hussein reicht es – er tritt ab

Er kritisiert Russland wegen der Annexion der Krim und legt sich mit US-Präsident Donald Trump wegen der Reiseverbote gegen Muslime an. Nun hat er genug: Der UNO-Hochkommissar für Menschenrechte, Prinz Zeid Raad al-Hussein, tritt im nächsten September zurück. Die Analyse von Fredy Gsteiger.

Legende: Audio UNO-Hochkommissar für Menschenrechte tritt nicht zur Wiederwahl an abspielen. Laufzeit 01:24 Minuten.
01:24 min, aus HeuteMorgen vom 21.12.2017.

Ihm reicht es: Prinz Zeid al-Hussein, der Hochkommissar für Menschenrechte – eine der wichtigsten Figuren in der UNO – will nicht zur Wiederwahl antreten. Er verzichtet auf eine zweite Amtszeit und tritt im nächsten September zurück.

In einem Brief an seine Mitarbeiter macht er klar: Letztlich schmeisst er aus Frustration hin. Obwohl er sich enorm engagierte, erreichte er wenig. Zu wenig, nach seinem eigenen Dafürhalten. Weltweit geht es in Sachen Menschenrechte bergab.

Al-Hussein ist der bisher mutigste UNO-Hochkommissar für Menschenrechte. Unerschrocken legt er sich selbst mit den UNO-Vetomächten an: Er kritisiert Russland wegen der Annexion der Krim und ebenso Russlands Schützling, den syrischen Diktator Baschar al-Assad.

Sind die Rechte eines Menschen bedroht, so sind die Rechte aller gefährdet.
Autor: Prinz Zeid al-HusseinUNO-Hochkommissar für Menschenrechte

Wegen Menschenrechtsverbrechen gegen die muslimische Minderheit prangert er das von China unterstützte burmesische Regime an. Und er legt sich mit US-Präsident Donald Trump wegen der Reiseverbote gegen Muslime oder Verbalattacken gegen Journalisten an. So schafft er sich mächtige Feinde. Selbst UNO-Generalsekretär Antonio Guterres versucht mitunter, Prinz Zeid zu bremsen.

Doch der versprach nicht nur, sich nach Kräften für die Menschenrechte einzusetzen, er tut es auch. «Sind die Rechte eines Menschen bedroht, so sind die Rechte aller gefährdet. Deshalb werde ich aufstehen, wenn immer Menschenrechte bedroht sind. Ich werde meine Stimme erheben, ich werde handeln, ich werde meine Rechte nutzen, um für die Rechte aller zu kämpfen.»

Herber Verlust für Millionen von Opfern

Doch jetzt mag er nicht mehr. Seinen Mitarbeitern erklärt er sich: Er hätte wohl auf Knien um eine Verlängerung seines Mandats, das Mitte nächsten Jahres abläuft, bitten müssen. Er hätte verstummen, seine Integrität aufs Spiel setzen, auf seine Unabhängigkeit verzichten müssen. Und damit seinen eigenen Anforderungen nicht mehr genügt.

Keiner weiss besser und keiner sagte es – eben erst am UNO-Tag der Menschenrechte – deutlicher als er: Es gibt zurzeit weltweit kaum noch Fortschritte bei den Menschenrechten. Im Gegenteil: Sie sind bedroht wie seit Jahrzehnten nicht mehr.

In manchen Hauptstädten dürfte man aufatmen, dass Prinz Zeids Stimme als Hochkommissar 2018 verstummt. Für zig Millionen von Opfern von Menschenrechtsverletzungen ist es ein herber Verlust.

Fredy Gsteiger

Portrait von Fredy Gsteiger

Der diplomatische Korrespondent ist stellvertretender Chefredaktor bei Radio SRF. Vor seiner Radiotätigkeit war er u.a. Nahost-Redaktor und Paris-Korrespondent der «Zeit» sowie Chefredaktor der «Weltwoche».

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23 Kommentare

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  • Kommentar von Beat Reuteler (br)
    Hr. Bernoulli kritisiert den Prinzen dafür dass er die ewigen Wiederholungen der Lügen die Hr. Bernoulli auftischt nicht aufgegriffen hat. Warum der Prinz keinen Angriffskrieg der USA in Libyen kritisiert hat? Weil es dort keinen Angriffskrieg der USA gab. Wieso kritisierte er nicht den Angriffskrieg der USA in Syrien? Aus demselben Grund.
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    1. Antwort von Sebastian Mallmann (mallmann)
      In Syrien gibt's keine US-Verbände, die sich dort völkerrechtswidrig aufhalten, gell Herr R. Und die "Rebellen" sind auch nicht mit modernem US-Equipment ausgerüstet, klar. Die USA habe einer IS-Kolonne auch keinen Geleitschutz beim Abzug aus Rakka gegeben, das waren Fake News der BBC. Beschäftigen Sie sich mal mit ausländischen Geheimdienst-Operationen / verdeckter Kriegsführung, dann werden Sie sehen, dass das bei den USA eine schöneTradition hat. Belege gibt es zuhauf, nur selten in den MSM.
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  • Kommentar von Diana Kläntschi (WasWäreWenn)
    jeder Verlust eines Menschen der die Menschenrechte verteigt und sich dafür engagiert, ist ein Verlust und ein Rückschritt für die Menschheit...vielen Dank für den Versuch und das Engagement zu einer besseren Welt...
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  • Kommentar von Christophe Bühler ((Bühli))
    Verstehe Herrn Al Hussein. Das scheint ja auch eine unlösbare Aufgabe einen Selbstbedienungsladen der Rechte zu verteidigen, bei denen keine Pflichten klar definiert, bzw ratifiziert sind und die Durchsetzung somit fraglich ist.
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