Wie die Wahl Österreich verändert hat

Alexander Van der Bellen hat das Rennen um die Präsidentschaft in Österreich knapp für sich entscheiden können. Fest steht schon jetzt: Spannender war eine Präsidentenwahl in Österreich nie – und sie hat bereits zahlreiche Spuren hinterlassen.

Ein Mann marschiert zwischen Wahlplakaten hindurch. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Wer neuer Bundespräsident ist, steht noch nicht fest. Doch bewirkt hat die Wahl schon einiges. Keystone

  • Ein Land im Politikfieber: Der Wahlkampf hat Österreich elektrisiert, Debatten in Freundeskreisen entfacht, den Medien über Wochen Traumquoten bei Politsendungen beschert.
  • Der Niedergang der Sozialdemokraten und der Konservativen dokumentierte sich in einem historischen Fakt: Erstmals waren die beiden Volksparteien nicht bei der Stichwahl dabei. Jahrzehntelang haben sie die Regierung und den Präsidenten gestellt.
  • Die politische Kluft zwischen Stadt und Land ist noch stärker geworden. Ohne den grossen Zuspruch der Städte hätte Alexander Van der Bellen die Aufholjagd nie geschafft. Für die Menschen auf dem Land galt der Ex-Grünen-Chef dagegen oft als nicht wählbar. Sie tendierten eindeutig zum «Mann des Volkes»: Norbert Hofer.
  • Österreich steht im Fokus Europas. Noch nie war das internationale Interesse an den politischen Vorgängen in der Alpenrepublik so gross. Der Aufstieg der Rechtspopulisten treibt die Staaten der Europäischen Union um. Die EU-Kommission macht keinen Hehl daraus, dass sie mit einem österreichischen Bundespräsidenten Norbert Hofer nicht glücklich wäre. «Ich wünsche mir nicht, dass der FPÖ-Kandidat Präsident der Republik Österreich wird. Ich wünsche mir, dass der grüne Kandidat gewinnt», sagte EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker.
  • Unabhängigkeit wird Trumpf: Auch wenn sie mit 19 Prozent der Stimmen knapp an der Stichwahl gescheitert ist, gilt die Juristin Irmgard Griss nun als Polit-Star. Der Erfolg war ihr ohne Parteiapparat gelungen. Sie glänzte vor allem mit imposanten Reden.