Wie kann eine Boeing spurlos verschwinden?

Schon drei Tage ist es her, dass der Flug MH370 mit 239 Menschen an Bord vom Flughafen der malaysischen Hauptstadt Kuala Lumpur Richtung Peking abhob und bald darauf vom Radar verschwand. Spurlos – bis heute. Experten über mögliche Gründe.

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Rätselraten um Flug MH 370

1:39 min, aus Tagesschau vom 10.3.2014

Die Boeing 777-200 der Malaysia Airlines ist auf dem Weg von Kuala Lumpur nach Peking. Bald nach dem Start verschwindet die Maschine mit 239 Menschen an Bord spurlos. Die Kenner der Luftfahrtbranche sagen es offen: Über mögliche Gründe kann zum jetzigen Zeitpunkt nur spekuliert werden.

«Alles, was jetzt als Erklärung angeboten würde, wäre reine Hypothese, um nicht zu sagen Kaffeesatz-Lesen», meint beispielsweise Matthias Schmid. Er ist Aviatik-Experte und hat selber Flugzeugunglücke untersucht. Und der Aviatik-Journalist Achim Figgen sagt es so: «Ehrlich gesagt sind wir auch weitgehend ratlos hier.»

Kam es in der Luft zu einer Explosion?

Trotzdem stellt sich die Frage: Wie ist es möglich, dass ein Flugzeug ohne Vorwarnung innerhalb weniger Augenblicke einfach so verschwinden kann? «Ein Flugzeug kann eigentlich nur einfach so verschwinden, wenn es sich buchstäblich in Luft auflöst, wenn es also eine Explosion gegeben hat oder Ähnliches», erklärt Figgen. Ansonsten sei das nicht möglich.

Ein Flugzeug in der Luft ist jeweils mit mehreren Kommunikationssystemen in Verbindung mit dem Boden. Über Sprechfunk etwa, aber auch mit automatischen Systemen, falls die Piloten nicht mehr kommunizieren können oder nicht mehr kommunizieren wollen. Doch dass gleich alle Systeme ausfallen – etwa wegen eines Stromausfalls – halten die Fachleute für unwahrscheinlich.

«Wenn das sehr schnell und blitzartig passiert, kann man sich nur vorstellen, dass das System Flugzeug nicht mehr existiert, sich desintegriert», sagt Aviatik-Experte Schmid. «Und das würde dann bedeuten, dass all diese Systeme nicht mehr funktionieren.» Auch das würde wieder auf eine Explosion an Bord hindeuten.

Hinkender Vergleich mit Absturz der Air-France-Maschine

Dass im vorliegenden Fall gleich alle Kommunikationssysteme kein Signal mehr senden, ist denn auch der Unterschied zur verunglückten Air-France-Maschine, die im Juni 2009 über dem Atlantik abstürzte. Die Notlage des Air-France-Flugzeugs habe mehrere Minuten gedauert, sagt Schmid. Während dieser Zeit habe das Flugzeug noch über verschiedene Kanäle automatisch Meldungen ausgesandt, «sogar sehr wesentliche Informationen über den technischen Zustand».

Zwar dauerte es anschliessend noch einige Tage, bis Teile der abgestürzten Maschine auf dem Meer gefunden wurden. Doch angesichts des grossen Gebiets, das derzeit zwischen Malaysia und Vietnam abgesucht wird, ist es durchaus möglich, dass es Tage dauert, bis einzelne Teile auftauchen.

Eine Boeing 777-200 startet bei Nebel. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Seit Tagen verschollen: Die Suche nach der Boeing der Malaysia Airlines im Südchinesischen Meer läuft auf Hochtouren. Reuters

Warten auf Trümmerteile

Sollte das Flugzeug tatsächlich über dem Meer abgestürzt sein, gibt Aviatik-Journalist Figgen zu bedenken, sei es sehr schwierig, etwas zu finden. «Man muss jetzt auch nicht erwarten, dass da hunderte Trümmerteile rumliegen. Denn je nachdem, in welchem Winkel ein Flugzeug aufs Meer aufprallt, ist da nicht viel zu sehen.»

Und so gilt es derzeit abzuwarten, ob demnächst doch Flugzeugteile auftauchen und allenfalls Hinweise geben könnten auf das mysteriöse Verschwinden der Boeing 777-200.

Sendungsbeitrag zu diesem Artikel

  • Mysteriöses Verschwinden eines Flugzeugs

    Aus 10vor10 vom 10.3.2014

    Das Verschwinden einer malaysischen Passagiermaschine unterwegs nach Peking stellt die Behörden vor ein Rätsel. Die Boeing 777 mit 239 Insassen an Bord war am Samstag von den Radarschirmen verschwunden - ohne einen Funkspruch des Piloten, ohne ein Notsignal abzusenden. Wie kann es sein, dass ein Flugzeug dieser Grösse spurlos verschwindet?