Wahlkampf in Frankreich Wie stehen Emmanuel Macrons Chancen?

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Bildlegende: Schafft der parteilose Macron (Mitte) den Sprung in die Stichwahl? Le Pen (L) und Fillon (R) liegen aktuell vorn. Keystone, Reuters

Im April entscheiden die Franzosen, welche beiden Präsidentschaftskandidaten in die Stichwahl gehen. Im Mai wird der neue Staatspräsident Frankreichs gewählt.

Mehrere Kandidaten buhlen um das Amt. Unter ihnen der frühere Wirtschaftsminister Emmanuel Macron. Er gilt als heimlicher Favorit, denn er legt in den Umfragen stetig zu. Welche Vorteile und welche Nachteile hat der Parteilose gegenüber den anderen Kandidaten?

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Bildlegende: Sie hat gut Lachen: Marine Le Pen vom rechtsextremen Front National liegt laut aktuellen Umfragen auf Platz eins. Reuters

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*Wähleranteil für die Präsidentschaftswahl gemäss einer repräsentativen Umfrage von SciencesPo Mitte Januar 2017. Die Prozentangaben variieren je nachdem, wer bei den Sozialisten die Vorwahl an diesem Sonntag gewinnt.

Emmanuel Macron (17-21 Prozent*) im Vergleich zu Marine Le Pen (25-26 Prozent*)

Macrons Vorteile

  • Er wirkt frischer, lockerer und wirbt mit Positiv-Botschaften für ein starkes, vernetztes Frankreich.
  • Er holt das urbane, weltoffene, multikulturelle, jüngere Publikum besser ab.
  • Er kann moderate Linke wie auch liberale Bürgerliche eher ansprechen.

Macrons Nachteile

  • Er hat keine griffigen Vorschläge in Migrations- und Sicherheitsfragen.
  • Er geniesst bei Kleinverdienern und der Landbevölkerung weniger Vertrauen.
  • Er ist nicht verwurzelt in einem Wahlkreis und hat weniger politische Erfahrung.
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Bildlegende: François Fillon ist Favorit der Konservativen. Aktuell ist er wegen einer heiklen Anstellung seiner Frau unter Druck. Keystone

Emmanuel Macron im Vergleich zu François Fillon (23-25 Prozent)

Macrons Vorteile

  • Er wirkt agiler, zugänglicher und kommunikativer als Fillon.
  • Er holt das urbane, weltoffene, multikulturelle, jüngere Publikum besser ab.
  • Er kann auf seine Erfahrung in der Privatwirtschaft verweisen.

Macrons Nachteile

  • Er hat viel weniger politische Erfahrung, ist nicht verwurzelt in einem Wahlkreis.
  • Er geniesst beim Kleingewerbe und der wertkonservativen Landbevölkerung weniger Vertrauen.
  • Er hat sich bisher kaum zu Migrations- und Sicherheitsthemen geäussert.
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Bildlegende: Ex-Premier Manuel Valls tritt in der Vorwahl der Sozialisten am Sonntag gegen den Linken Hamon an. Keystone

Emmanuel Macron im Vergleich zu Manuel Valls (9-10 Prozent)

Macrons Vorteile

  • Er wirkt frischer, ungebundener, macht überraschendere Vorschläge als Valls.
  • Er ist weniger verstrickt in parteiinterne Grabenkämpfe.
  • Er wird weniger mit der durchzogenen Bilanz von François Hollande in Verbindung gebracht.

Macrons Nachteile

  • Er hat weniger politische Erfahrung, tappt schneller in ein Fettnäpfchen.
  • Seine Vorschläge sind teilweise widersprüchlich.
  • Er ist nicht verwurzelt in einem Wahlkreis und hat keine lokalpolitische Erfahrung.
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Bildlegende: Linkspartei-Gründer Jean-Luc Mélenchon ist der Kandidat des Wahlbündnisses «Front de gauche». Keystone

Emmanuell Macron im Vergleich zu Jean-Luc Mélenchon (13-15 Prozent)

Macrons Vorteile

  • Er wirkt lockerer, undogmatischer, kompromissbereiter als Mélenchon.
  • Er hat mehrheitsfähige Reformvorschläge für die Wirtschaft.
  • Er kann eine breitere Wählerschaft ansprechen, bis ins liberale Lager hinein.

Macrons Nachteile

  • Er ist verhasst bei den links-aussen Wählern als Totengräber des Kündigungsschutzes.
  • Er ist den links-aussen Wählern zu weltoffen, zu europa- und globalisierungsfreundlich.
  • Er hat weniger politische Erfahrung und ist nicht verwurzelt in einem Wahlkreis.
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Bildlegende: Benoît Hamon ist Favorit der Sozialisten. Der Parteilinke will ein bedingungsloses Grundeinkommen von 750 Euro für alle. Keystone

Emmanuel Macron im Vergleich zu Benoît Hamon (7 Prozent)

Macrons Vorteile

  • Er kann eine breitere Wählerschaft ansprechen, bis ins liberale Lager hinein.
  • Er wirkt frischer, ungebundener, macht überraschendere Vorschläge.
  • Er hat mehrheitsfähige Reformvorschläge für die Wirtschaft.

Macrons Nachteile

  • Er ist verhasst bei stramm-linken Wählern als Totengräber des Kündigungsschutzes.
  • Er hat weniger politische Erfahrung, tappt schneller in ein Fettnäpfchen.
  • Er ist nicht verwurzelt in einem Wahlkreis und hat keine lokalpolitische Erfahrung.
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Bildlegende: Kandidiert Mitte-Politiker François Bayrou nicht (noch nicht entschieden), könnten seine Wähler für Macron stimmen. Keystone

Emmanuel Macron im Vergleich zu François Bayrou (5 Prozent)

Macrons Vorteile

  • Er wirkt jünger, frischer und kreativer als François Bayrou.
  • Er holt ein urbanes, weltoffenes, multikulturelles Publikum besser ab.
  • Er kann auf seine Erfahrung in der Privatwirtschaft verweisen.

Macrons Nachteile

  • Er gilt als Eindringling in der politischen Mitte und wird als verkappter Linker wahrgenommen.
  • Er spricht die ältere, ländliche, gewerbliche Wählerschaft weniger an.
  • Er hat weniger politische Erfahrung und ist nicht verwurzelt in einem Wahlkreis.

(Sendebezug: 26. Januar 2017, SRF 4 News, 8 Uhr)

Sendungsbeiträge zu diesem Artikel

  • Vom Aussenseiter zum Geheimfavoriten

    Aus Tagesschau vom 15.1.2017

    In Zusammenhang mit den Präsidentschaftswahlen in Frankreich sind besonders zwei Namen regelmässig zu vernehmen: François Fillion und Marine Le Pen. Doch nun droht Emmanuel Macron den beiden Favoriten die Show zu stehlen. Der ehemalige Wirtschaftsminister erfreut sich an seinen Wahlveranstaltungen grosser Beliebtheit.

  • Neuer französischer Präsidentschafts-Kandidat

    Aus Tagesschau vom 16.11.2016

    Der frühere Investmentbanker Emmanuel Macron hat verkündet, dass er für das französische Präsidentenamt kandidieren will. Der 38jährige ist parteilos und war unter Hollande zwei Jahre lang Wirtschaftsminister Frankreichs.

  • Emmanuel Macron – der heimliche Favorit

    Aus Rendez-vous vom 5.10.2016

    In einem guten halben Jahr wählt Frankreich einen neuen Präsidenten. Von rechts und links präsentieren Kandidaten ihre Wahlprogramme, mit Ausnahme des zurückgetretenen Wirtschaftsministers Emmanuel Macron.

    Er hat weder eine Partei im Rücken noch ein Programm vorgestellt – und ist doch Hoffnungsträger für eine steigende Zahl von Wählerinnen und Wählern. Wofür steht er?

    Charles Liebherr