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Kampf um Aleppo Wieso Assad hofft, dass Trump die Seiten wechselt

Die Luftangriffe auf die Stadt Aleppo im Norden Syriens sind zurzeit so heftig wie schon lange nicht mehr. Dutzende Menschen kamen bereits ums Leben. Das könnte auch etwas mit der Wahl von Donald Trump zu tun haben. Nahost-Experte Udo Steinbach meint, das habe das Regime ermutigt.

Zu sehen ist ein zerstörtes Gebäude in Aleppo.
Legende: Die Luftangriffe auf die Stadt Aleppo haben wieder zugenommen. Keystone

SRF News: Das syrische Regime und sein Verbündeter Russland haben die Luftangriffe nach der Wahl von Donald Trump zum US-Präsidenten verstärkt. Ist das nur Zufall?

Udo Steinbach: Ich sehe darin hauptsächlich eine Fortsetzung dessen, was wir bereits seit einem Jahr erleben. Die Russen haben ihre militärischen Aktivitäten in Syrien schon damals verstärkt. Aber die Wahl Trumps hat sie bestimmt ermutigt. In Moskau und in Damaskus gibt es wohl einen vorsichtigen Optimismus, dass es gelingen könnte, den neuen Präsidenten auf ihre Seiten zu ziehen.

Wie schätzen Sie die aktuelle Situation ein – läuft alles auf einen Sieg des syrischen Regimes und seiner Verbündeten hinaus?

Das will ich so noch nicht sagen. Aber sie drängen natürlich auf diesen Sieg, besonders auf die Einnahme Aleppos. Bisher ist es den Rebellen jedoch gelungen, die Eroberung zu verhindern. Je stärker Trump jedoch in Erwägung zieht, ihnen die Unterstützung zu entziehen, desto mehr sind sie unter Druck.

Aleppo ist für den Konflikt von grosser strategischer Bedeutung. Fällt die Stadt zurück an das Regime, dürfte das Assads Position bei möglichen politischen Verhandlungen in Zukunft entscheidend verbessern.

In Moskau und in Damaskus glaubt man, dass der Sieg in greifbarer Nähe liegt.
Autor: Udo Steinbach

Ist dies auch der Grund dafür, dass man den Vorschlag der UNO ausgeschlagen hat, in einem Teil von Aleppo eine Autonomiezone einzurichten?

Gewiss, es geht jetzt nur darum Aleppo zu erobern. Man will diesen Krieg nicht stoppen. Man verschlechtert auch bewusst die humanitäre Situation indem man die medizinische Infrastruktur angreift. In Moskau und in Damaskus glaubt man, dass der Sieg in greifbarer Nähe liegt und das will man nicht mehr aus der Hand geben.

Zur Person

Steinbach redet mit ausgestreckten Händen
Legende: Keystone

Udo Steinbach ist deutscher Islamwissenschaftler. Von 1976 bis 2006 leitete er das Deutsche Orient-Institut. Er verfasste zahlreiche Bücher und Publikationen über politische und gesellschaftliche Entwicklungen im Nahen Osten.

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24 Kommentare

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  • Kommentar von M. Roe (M. Roe)
    Trump wird nicht Seite wechseln, sondern er wird gar nie Oppositionen unterstützen, welche gegen eigene Regierungen vorgehen.Leider will die Westliche Welt überall ihr "demokratisches" System einführen. Doch diese Demokratien verkommen immer mehr zu Demokratie-Monstern. Wenn in Aleppo Autonomiezonen "Parallelgesellschaften" errichtet würden, ist das so wie bei uns in der Reithalle Bern, in Fussballstadien usw. Autonomiezonen bestehen.Das sind Schandflecke die ein Land nie zur Ruhe kommen lassen.
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  • Kommentar von Cherubina Müller (Fabrikarbeiterin)
    Eine wichtige Meldung über welche SRF zu Gunsten der betroffenen Zivilisten in Ost-Aleppo berichten müsste, auch wenn es den Aussagen einiger Korrespondenten diametral widerspricht: The U.K. based "Syrian Observatory for Human Rights" (SOHR) claimed that nearly 100 families gathered near the humanitarian corridor to leave their besieged neighborhoods before the jihadist rebels forced them to flee". Die Geiselhaft der Zivilbevölkerung in Ost-Aleppo wird also auch von der Opposition bestätigt.
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    1. Antwort von Christa Wüstner (Saleve2)
      auch abgeschriebene Texte sollten übersetzt werden.
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    2. Antwort von Cherubina Müller (Fabrikarbeiterin)
      Ich habe schon mehrmals versucht übersetzte Texte zu veröffentlichen, nicht immer mit Erfolg, die Übersetzung der Originalquelle wird nicht immer geduldet. Zum selben Thema, deutschsprachige Medien haben heute doch noch nachgezogen; Tagesanzeiger: Rebellen lassen Familien nicht aus Ost-Aleppo. Ausführlicher ist aber der Bericht der New York Times: Syrian Group: Rebels Preventing Refugees From Fleeing Aleppo.
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  • Kommentar von Susanne Lüscher (Lol)
    Das ganze Chaos in Syrien ist vom Westen verursacht worden. Jetzt wollen die USA noch einen drauf setzen und eine Flugverbotszone in Syrien durchsetzten (House Resolution 5732, the “Caesar Syria Civilian Protection, 15. Nov. 16). Assad und Syrien blüht das Gleiche wie Ghadaffi und Libyen. Mehr noch dies könnte ein Krieg gegen Russland bedeuten und im Endeffekt ganz Europa überrollen. Ein Assad, weiss dass er auf Trump nicht zu hoffen braucht.
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