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International Wird auch in Frankreich die Prostitution verboten?

Das französische Parlament beginnt mit der Beratung eines Verbots von Prostitution. Die Nationalversammlung muss entscheiden, ob der Kauf von Sex unter Strafe gestellt wird. Die Idee ist umstritten.

Drei Frauen, vermutlich Prostituierte, warten auf Freier
Legende: Prostituierte auf der Gasse. Gegner des Verbots befürchten, die Frauen könnten mit Verbot noch mehr ausgebeutet werden. Keystone/Archiv

Die Ministerin für Gleichberechtigung, Najat Vallaud Belkacem, setzt sich mit Vehemenz für die Bestrafung der Freier ein. Nur so könne der Prostitution einen Riegel geschoben werden, sagt sie.

«Prostitution ist nie ein Lebensprojekt, sie ist ein Zwang. Das kann physischer Zwang sein, wenn jemand unter der Gewalt eines Zuhälters leidet, oder wirtschaftlicher Zwang, wenn jemand keine andere Möglichkeit sieht, um seinen Lebensunterhalt zu bestreiten und für seine Kinder zu sorgen», so die Ministerin. 90 Prozent der Prostituierten seien Ausländerinnen, die sich nicht wehren könnten.

Gegner fühlen sich ausgegrenzt

Das Anliegen wird von der sozialistischen Basis seit Jahren diskutiert und sorgt immer wieder für rote Köpfe. Die Gegner des Verbots beklagen, sie würden ausgegrenzt, ihre Argumente nicht ernst genommen. Die Meinungen sind quer durch alle Parteien und Lager geteilt.

Auch Feministinnen sind sich nicht einig. Die bekannte Philosophin und Frauenrechtlerin Elisabeth Badinter ist gegen ein Verbot des Kaufs von Sex. Es bedeute einen Rückschritt im Kampf um die Rechte der Frau, meint sie in einem Fernsehinterview. Es stelle nämlich das Recht der Frau in Frage, frei über ihren Körper zu verfügen.

Legende: Video Nationalversammlung debattiert neues Prostitutionsgesetz abspielen. Laufzeit 01:54 Minuten.
Aus Tagesschau vom 27.11.2013.

Marisol Touraine, Ministerin für Soziales und Gesundheit, widerspricht ihr: «Feminismus bedeutet nicht, dass wir akzeptieren müssen, dass eine grosse Mehrheit von Prostituierten unter Gewalt leidet und ausgebeutet wird, damit eine kleine Minderheit von Frauen über ihren Körper verfügen kann.»

Intellektuelle gegen das Verbot

Die Gegner des Verbots bestreiten, dass 90 Prozent der Prostituierten unter Zwang handelten. Intellektuelle und renommierte Künstler stellen den Sinn der Bestrafung von Freiern in Frage. So unterschrieben die Schauspielerin Catherine Deneuve, der Sänger Charles Aznavour oder der frühere Kulturminister Jack Lang eine entsprechende Petition.

Viele glauben man könne den Prostituierten durch eine Bestrafung der Freier nicht helfen. Sexarbeiterinnen würden dadurch erst Recht in die Hinterzimmer des Rotlichtmilieus gedrängt und ihren Zuhältern ausgeliefert, sagt etwa die Philosophin Elisabeth Badinter. «Jedes Verbot, jede Prohibition führt notwendigerweise zu einem parallelen Markt, der extrem gefährlich ist und der von der Mafia kontrolliert wird.»

Frankreich gilt in sexuellen Fragen als liberal, bisweilen gar als frivol. Das Moulin Rouge ist ein weltbekanntes Wahrzeichen von Paris. Und doch ist die engagierte Debatte über die Prostitution nur scheinbar ein Widerspruch dazu. Denn auch der Reflex, der spielt, ist urfranzösisch: Wenn Frauen ausgebeutet werden, wenn es ein Problem gibt, dann soll der Staat eingreifen.

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31 Kommentare

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  • Kommentar von David Rothen, Bern
    Schweden hat die Prostitution indirekt verboten (Freier werden bestraft) und fast nur gute Erfahrungen damit gemacht: die Kriminalität ist gesunken, der Menschenhandel ist fast vollständig aus Schweden verschunden, die Übertragung von Geschlechtskrankheiten wurde vermindert, es gibt weniger Nuttenelend, das Frauenbild hat sich verbessert und es gibt weniger sexuelle Übergriffe an Frauen. Wär schön wenn die CH auch den Mut hätte das auszuprobieren, Gründe dafür gibts genug!
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    1. Antwort von M. Haener, Büsserach
      Selbstverständlich und die vielen schwedischen Touristen in ''Kiffenhagen'' DK sehen sich nur zum 101en mal die Sehenswürdigkeiten an, und machen sich einen schönen Tag im Tivoli. Sorry, aber haben sie mitgewirkt bei der Erhebung der gefälschten schwedischen Statistik, oder träume ich dies alles nur..?
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    2. Antwort von Bernd Wacker, Bern
      Wie kommen Sie auf solche Annahmen, steht dies in den Märchenbücher geschrieben? Entsprechende Statistiken zeigen für Schweden leider gerade das Gegenteil. Schweden liegt im europäischen Vergleich an der traurigen Spitze sowohl was die Übertragung von Geschlechtskrankheiten als auch was Vergewaltigungen und sexuelle Übergriffe anbelangt.
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    3. Antwort von Björn Christen, Bern
      @Rothen - Sie sollten bei Google mal die 3 Worte "sweden rape wave" eingeben anstatt Märchen zu erzählen von wegen "es gibt weniger sexuelle Übergriffe auf Frauen." Gemäss einer Studie von 2009, hat Schweden die höchste Vergewaltigungsrate in ganz Europa!
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  • Kommentar von A.Käser, Zürich
    "Jedes Verbot,jede Prohibition führt notwendigerweise...."Kann schon sein.Wie sieht's bezüglich Drogenmarkt aus?Beide Bereiche,Prostitution und Drogen stehen in einer Wechselwirkung zueinander.Möglicherweise gewollt?Um die Abhängigkeit der Anbietenden aufrecht zu erhalten,oder sie damit in erst in die Abhängigkeit zu bringen?Die Verlogenheit der menschlichen Gesellschaft ist ebenso alt wie das menschliche Denken.Prostitution ist die Basis der Verlogenheit der Ausbeutung und des Machtdenkens.
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    1. Antwort von M. Haener, Büsserach
      @A.Käser: Dank meinen Eltern ''muss'' ich nicht für Sex bezahlen und bin nur ein potentieller Freier und Vergewaltiger. Ich kann mich auf mein Aussehen und meinen Charme verlassen wenn ich will, mehrheitlich also nur Glück meinerseits. Ich kenne jedoch behinderte Menschen, welche so weit ich weiss ganz froh sind, dass sie für Sex bezahlen können. Nun es liegt an ihnen diese Menschen zu verurteilen oder bestrafen zu wollen, mir liegt dies fern.
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    2. Antwort von M. Haener, Büsserach
      Das Verbot von Drogen erzeugt den Schwarzmarkt und nicht anders herum, sonst können sie gleich sagen, dass die Muttermilch an allem Schuld ist. Klar steht das Sexgeschäft in Verbindung mit Drogen und umgekehrt, doch weder der Sex noch die Drogen sind verantwortlich hierfür. Was meinen sie wer den grossen Reibach macht, die kleinen Dealer die man aufscheucht, die Zuhälter.., beginnen sie z.B. beim CIA und klettern sie die Pyramide runter, ist einfacher und sie kommen schneller ans Ziel.
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    3. Antwort von A.Käser, Zürich
      Wie der Drogenhandel funktioniert und welche Verlogenheit dahinter steckt,ist mir bekannt.Wollte nur darauf aufmerksam machen,dass das was die Prohibition beider Bereiche betrifft,eine ungleiche Sichtweise zum Tragen kommt.Mit Drogen lügt sich der Mensch was vor,mit Prostitution ebenfalls.Was nun die Menschen mit Behinderung betrifft,auch diese können sich den(Sex)"Luxus"nur dann leisten,wenn sie dafür bezahlen.Wieso erhalten sie ihn nicht,ungeachtet ihrer Behinderung,kostenlos?Lieblosigkeit?
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    4. Antwort von M. Haener, Büsserach
      All We Need Is Love, manchmal ein wenig Körperkontakt und das Gefühl von Verbundenheit, soweit ich dies beurteilen kann. Könnte sein, dass dieser Gesellschaft gewisse essentielle Dinge abhanden gekommen sind, oder nie wirklich existiert haben.
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    5. Antwort von A.Käser, Zürich
      A.Haener/Drogen sind(noch)illegal.Prostitution ist(bei uns noch)legal.Um den illegalen Drogen-Markt(mehr Umsatz/Kunden)zu fördern,wird der legale Markt der Prostitution erst vom illegalen Markt abhängig gemacht,um dessen Preise aufrecht erhalten oder steigern zu können.Die Sexanbieterinnen(oft gleichzeitig Drogenkonsumentinnen/wen wundert's)werden dadurch erpressbar und in Abhängigkeit gehalten.Alles Klaro?
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  • Kommentar von M Jaeger, Wildwil
    So kann man von den wirklichen Problemen ablenken. Die Bevormundung des Bürgers schreitet auch hier voran. Die nächste Etappenfrage heisst dann: ist die Einladung zum Kinobesuch oder Nachtessen mit anschliessendem romantischem Stelldichein unter die Kategorie bezahlter Sex zu stellen???? Es gibt Arbeit für die Anwälte. Juheeeeh
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    1. Antwort von A.Käser, Zürich
      Kann wirklich von Bevormundung die Rede sein?Könnte möglicherweise auch darum gehen,in der Gesellschaft eine andere Sichtweise"salonfähig"zu machen.Eine Sichtweise,die nicht auf der Basis der Macht(finanziell)beruht.Sex als Zuwendung und Bedürfnisbefriedigung ist emotional befrachtet.Wenn nicht,könnte die Angelegenheit auch mechanisch gelöst werden.Hier lügen sich beide Seiten was vor.Sonst wäre kein Geld im Spiel.Würde ansonsten(ohne Finanzen)und freiwillig geschehen.
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