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WM-Aus für Deutschland Das elende Ende einer grossen Elf

Was für ein Ende! Was für ein Elend! Deutschland, der viermalige Weltmeister, ist raus. Verliert im Sechzehntelfinale gegen Paraguay. Es wird nichts aus dem Sommermärchen – im Gegenteil. Wie geschlagene Hunde werden die Spieler und ihr Trainer nach Deutschland zurückkehren. Eine einst grosse Fussballnation ist in dieser Nacht klein geworden, sehr klein.

Hat der Kanzler dasselbe Spiel gesehen wie wir? Friedrich Merz schreibt auf X: «Mit Eurem Einsatz und Teamgeist bei dieser WM habt Ihr unser Land begeistert. Wir sind stolz auf Euch.» Entweder hat der Kanzler das Spiel wirklich nicht gesehen – oder es liegt eine Art Realitätsverweigerung vor. Alles gut, alles okay.

Die Nationalelf als Abbild Deutschlands 2026

Aber gar nichts ist okay. Die Leistung der Nationalelf kann man auch als Abbild Deutschlands im Jahr 2026 sehen. In Berlin ist es praktisch unmöglich, innert nützlicher Frist zum Flughafen zu gelangen. Die S-Bahn fährt sozusagen nicht, niemand weiss genau, warum. Die Regionalzüge kommen manchmal, manchmal auch nicht.

Und im Winter ist die Stadt Berlin nicht imstande, das Eis wegzuräumen. Mit Knochenbrüchen stehen die Menschen vor den Kliniken, eine Schlange von Verletzten bis an die Tramhaltestelle. Falls die Trams denn fahren – die Oberleitungen sind ja leider vereist. Bei Krisen scheidet Berlin auch schon im Sechzehntelfinale aus, um beim Bild zu bleiben.

Viele Menschen nehmen die Berliner Politik als chaotisch wahr, als wenig konstruktiv – oder im Fussball-Jargon: Nicht auf Weltniveau, wie es eigentlich sein sollte. Zehntausende Industrie-Jobs fallen weg, täglich Hiobsbotschaften. Das Vertrauen schwindet, die Beliebtheitswerte der Polit-Spitzenleute sind tief im Keller. Es profitieren: Rechts- und Linksaussen. Das Mittelfeld auf dem Spielfeld Deutschland existiert kaum mehr als glaubwürdiges Team.

Märchen des Erfolgs statt Sommermärchen

Dass die Koalition aus CDU/CSU und SPD kürzlich einen ziemlich beachtlichen Kompromiss in der Rentenfrage erzielt hat, wurde kaum wahrgenommen – oder nur als ausserordentliches Ereignis, als Zufallstreffer quasi. Sicher aber nicht als Symbol des Aufbruchs. Das Wachstum stockt, China zieht im Wettbewerb der Weltwirtschaft an Deutschland vorbei, erringt Sieg um Sieg, während Deutschland wirtschaftlich in die Regionalliga abzufallen droht.

Ein Sommermärchen wie 2006, ein gemeinsamer Erfolg an der Weltmeisterschaft, hätte Deutschland einen Funken Zuversicht, einen Funken Freude und Stolz erzeugen können. Damals profitierte Bundeskanzlerin Angela Merkel auch politisch, man freute sich, die Erfolge 2006 brachten einen Hauch Rosa, einen Hauch Glitzer. Davon ist 20 Jahre später nichts mehr zu spüren.

Und der Kanzler macht aus dem Sommermärchen ein Märchen des Erfolgs. Versucht, die Blamage in Stärke umzuwandeln. Derselbe Kanzler, der seinem Volk vor Kurzem noch riet, halt ein bisschen mehr zu arbeiten, um der Wirtschaft wieder auf die Beine zu helfen.

Stefan Reinhart

Leiter der Auslandkorrespondentinnen und -korrespondenten

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Stefan Reinhart ist Leiter der Auslandkorrespondentinnen und ‑korrespondenten und Chef vom Dienst im Newsroom Zürich. Zuvor war er Deutschlandkorrespondent für SRF.

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Heute Morgen, 30.06.2026, 06:00 Uhr

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