Zum Inhalt springen

Wölfe in Frankreich Wandern in Zukunft französische Wölfe in die Schweiz?

Legende: Audio Reizthema Wolf: In Frankreich darf die Population wachsen abspielen. Laufzeit 4:20 Minuten.
4:20 min, aus SRF 4 News aktuell vom 20.02.2018.

Die Wolfspopulation in Frankreich soll wachsen: Bis 2023 will Frankreich einen Bestand von 500 Wölfen zulassen, wie ein Aktionsplan der Regierung vorschlägt. Eine Schätzung vom März 2017 hat ergeben, dass damals 265 bis 402 Wölfe auf französischem Gebiet lebten.

Was ist das Ziel der französischen Regierung? Sie habe versucht, einen Kompromiss zu finden, der es allen Seiten recht mache, sagt Rudolf Balmer. Der in Paris lebende Journalist sagt weiter, dies werde aber nicht möglich sein, denn wie auch in der Schweiz «sind die Wölfe für die einen geschützte Tiere, deren Anwesenheit wünschenswert scheint. Für die anderen sind sie ‹Schädlinge›, die jedes Jahr 12'000 Schafe reissen.»

Bedeuten mehr Wölfe in Frankreich auch mehr Wölfe in der Schweiz? «Ja, das kann man sich durchaus vorstellen», sagt Balmer. Frankreich werde nichts tun, um zu verhindern, dass die Wölfe sich bewegten. Die Wölfe könnten beispielsweise aus den Südalpen im Hinterland der Côte d’Azur entlang der Route Napoléon bis ins Wallis gelangen. «Das wird auch in der Schweiz die einen freuen und die anderen zutiefst empören», sagt Balmer.

Wolf steht im Wald
Legende: Wildtieren sind die Staatsgrenzen einerlei. Keystone

Warum braucht es Lebensraum für mehr Wölfe? Letztlich habe es in Frankreich schon Wölfe gegeben, bevor Schafherden, Schafzüchter und deren wirtschaftliche Interessen überhaupt existiert haben, argumentieren die französischen Tierschützer. Die Schafzüchter hingegen sagen, 25 Jahre Experimente mit dem Wolf hätten ergeben, dass eine Koexistenz unmöglich sei.

«Das macht uns keine Sorgen»

Peter Scheibler, der obersten Walliser Jagdchef, glaubt nicht, dass der Entscheid der französischen Regierung, die Wolfspopulation wachsen zu lassen, grossen Einfluss auf die Population in der Schweiz haben wird. Grundsätzlich sei es so, dass sich Wolfsrudel nicht als Ganzes verschieben würden. «Dort, wo schon reproduzierende Rudel vorhanden sind, wandern Wölfe nicht hin.» Solange in Frankreich nicht aktiv Wölfe umgesiedelt würden – was nicht geplant ist – «macht uns das keine Sorgen», sagt Scheibler.

40 Wölfe pro Jahr dürfen abgeschossen werden: Die Natur- und Tierschützer sind mit dem Vorschlag der Regierung nicht einverstanden. Denn es könnten unter Umständen viel mehr Abschüsse werden. Im Plan der Regierung sind nämlich Ausnahmesituationen vorgesehen: Wenn Schafe in bestimmten Zonen besonders gefährdet sind, können zusätzliche Abschüsse erlaubt werden.

Die französische Regierung will die Schafzüchter für gerissene Tiere entschädigen: Trotz versprochener Entschädigung sind auch die Schafzüchter mit dem Vorschlag der Regierung nicht einverstanden. Vor allem mit den Bedingungen, die daran geknüpft sein werden. Die Regierung verlangt von den Züchtern, dass sie zusätzliche Schutzmassnahmen ergreifen sollen: Sie sollen Hirtenhunde oder Herdenschutzhunde anschaffen oder wo möglich, elektrische Zäune errichten, um ihre Herden zu schützen. Das komme für die Schafzüchter überhaupt nicht in Frage, sagt Balmer. Sie haben deshalb ein Treffen mit Regierungsvertretern boykottiert.

Keine wichtigen News verpassen

Erhalten Sie die wichtigsten Nachrichten per Browser-Push-Mitteilungen.

Push-Benachrichtigungen sind kurze Hinweise auf Ihrem Bildschirm mit den wichtigsten Nachrichten - unabhängig davon, ob srf.ch gerade geöffnet ist oder nicht. Klicken Sie auf einen der Hinweise, so gelangen Sie zum entsprechenden Artikel. Sie können diese Mitteilungen jederzeit wieder deaktivieren.

9 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von Pius Wihler (Pius Wihler)
    Wer schützt eigentlich die Menschen vor den sog. Naturschützern? Diese angeblichen Tierschützer sind das Wohl der Menschen und Nutztiere verachtende, asoziale Leute. Denen sind Wölfe wichtiger als Menschen. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis in der Schweiz ein Kind oder Erwachsener von Wölfen getötet wird. In Europa sind sie nur eine grosse Plage und sollten ALLE sofort eliminiert werden, bevor es zu spät ist und dieses Trauerspiel weiter eskaliert! Die Berner Konvention sofort kündigen!
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
    1. Antwort von antigone kunz (antigonekunz)
      Wer schützt wen vor was und wem? Die Chance ist zwar grösser, dass Tiere vor Menschen geschützt werden sollten, denn der Mensch ist im Vormarsch und lässt keinen weißen Flecken mehr für alle, die Nichtmensch sind. Es sollte vermehrt Orte geben, wo Menschen und Drohnen absolut nicht hin dürfen, nicht weil es militärische Sicherheitszonen sind, sondern Rückzug-und Erholungsgebiete der Natur für an absolute humanfree area.
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von I. Bürgler (I.Bürgler)
    Im Youtube nach "Die schwerwiegenden Folgen der Wiederkehr des Wolfes in Frankreich" suchen; 1 Std. 13 Min. Sehr sehenswert und informativ. Eine überraschende und aktuelle Erkenntnis, die leider nicht alle wahr haben wollen. Einfach einmal den Film schauen und nachher den Kommentar abgeben.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
    1. Antwort von Marcel Halbeisen (BadTicket)
      Ein Film der von den Gegnern des Park Adula propagiert wurde? Naja...
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
    2. Antwort von Samuel Röthlisberger (S.Roethlisberger)
      Das schreiben sie jedes mal wenn irgendwas über Wölfe steht. Ich empfehle folgende Doku: Das schwerwiegende Auftauchen des Menschen und seine Folgen. Ironie off.
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
    3. Antwort von Silke Döding (Nordlicht)
      Ab 3. märz zeigt Peter Dettling Woche für Woche Videos über die Wölfe im calandra Gebiet und zwar pro und kontra hier in der Schweiz. Anstatt immer mit Propaganda Material aus dem Netz aufzutrumpfen, ist eine Diskussion mit Material aus dem hier und jetzt wohl wesentlich effektiver.
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Christoph Fischer (Christoph Fischer)
    Bei uns in Europa ist nur der eurasische Wolf heimisch, es gibt keine französischen Wölfe. Diese Tiere besitzen auch keine maschinenlesbaren Personalausweise und kommen ohne Schlepper in die Schweiz. Unnatürliche Grenzen sind eine Erfindung der Menschen, die Tiere kommen ziemlich gut ohne zurecht.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen