Zum Inhalt springen

Header

Navigation

Inhalt

Wohlfahrtsstaat Schweden Wenn der Computer das Arbeitslosengeld verweigert

Tausende Arbeitssuchende bekamen in Schweden kein Arbeitslosengeld. Die Panne zeigt die Gefahren der Digitalisierung.

Legende: Audio Kein Geld mehr wegen eines Computerfehlers abspielen. Laufzeit 05:24 Minuten.
05:24 min, aus SRF 4 News aktuell vom 27.02.2019.

Das ist passiert: In Schweden haben 70'000 Personen kein Arbeitslosengeld mehr ausbezahlt bekommen. Dies aber nicht, weil sie keinen Anspruch mehr darauf hatten, sondern weil ein Algorithmus sie fälschlicherweise von den Zahlungen ausgeschlossen hat.

Reaktionen der Ausgeschlossenen: Die Betroffenen hätten die Mails persönlich genommen, wie SRF-Nordeuropa-Mitarbeiter Bruno Kaufmann weiss. Dies auch deshalb, weil auf dem jeweiligen Schreiben der Name eines Sachbearbeiters und eine Telefonnummer stand. Die Betroffenen hätten erst später gemerkt, dass nicht diese Person, sondern eine Maschine ihren Fall bearbeitet hat.

Digitalisierung weit vorangeschritten: «In Schweden sind sich die meisten Leute gewohnt, dass sie von den Behörden keine Briefe mehr per Post bekommen», sagt Kaufmann. Der ganze Verkehr mit dem Staat läuft über digitale Plattformen ab. Trotz dieser Panne kündigten die Behörden weitere Digitalisierungsschritte an.

Misstrauen in die Maschine: Zurück zum Papier will in Schweden niemand. Aber es gebe Forderungen, bei der Digitalisierung einen Marschhalt einzulegen, sagt Kaufmann. Es soll viel umfassender kommuniziert werden, was abläuft und die Einzelnen sollen sich äussern können. «Letztlich braucht es nun eine Strategie, wie die Digitalisierung menschenfreundlich gestaltet werden kann.»

Wie die Leute nun zu ihrem Geld kommen: Wenn sie sich persönlich bei den Behörden melden, bekommen die Geprellten ihr Geld nachträglich. Allerdings gebe es diesbezüglich schon Erfahrungen aus den Gemeinden, zum Beispiel mit den Geldern der Sozialhilfe, die ebenfalls durch einen Algorithmus gesteuert wird. «Viele Leute haben sich nicht gemeldet und haben dementsprechend nichts erhalten.»

Vertrauen in den Wohlfahrtsstaat: In Schweden gehen rund 60 Prozent der Einnahmen in den Wohlfahrtsstaat. Der Einzelne gibt dem Staat sehr viel preis und der Staat gibt dem Einzelnen auch viel zurück. Wie sich die Panne auf das grundsätzliche Vertrauen der Menschen in den Staat auswirke, könne noch nicht gesagt werden, so Kaufmann. «Aber wenn das Vertrauen in den Staat erschüttert ist, ist viel verloren.»

Keine wichtigen News verpassen

Erhalten Sie die wichtigsten Nachrichten per Browser-Push-Mitteilungen.

Push-Benachrichtigungen sind kurze Hinweise auf Ihrem Bildschirm mit den wichtigsten Nachrichten - unabhängig davon, ob srf.ch gerade geöffnet ist oder nicht. Klicken Sie auf einen der Hinweise, so gelangen Sie zum entsprechenden Artikel. Sie können diese Mitteilungen jederzeit wieder deaktivieren.

12 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von Oli Muggli (Oli g)
    Grins.... Da möchte doch wer das Bargeld abschaffen? Lächerlich das ganze, habe es mehrmals live miterlebt in Griechenland, ohne Bargeld läuft nichts! Tolle Lektüre zum Thema, Analog ist das neue Bio.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Dani Furer (einfach statt kompliziert)
    Es ist nicht die Frage "ob" der Karren (Digitalisierung) an Wand gefahren wird sodern nur "wann". Alle sehen es, aber niemand will den heiligen Karren stoppen. Hauptsache die nächste Stufe z.b. G5 wird gezündet.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Christina H (samarka)
    Hier in Skandinavien wird z.T. auch mit Hochdruck daran gearbeitet, das Bargeld ganz abzuschaffen. Klar könnten gewisse Leute damit Geld sparen, aber Pannen wie diese sind längst nicht die einzigen Nachteile. Was wäre z.B. mit Touristen, die für jeden noch so kleinen Einkaufsbetrag Gebühren zahlen müssten?
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
    1. Antwort von Marc Bühler (Capten Demokratie)
      Das wäre dann ja Vollgeld ohne Geld. Giralgeld ist kein Geld sondern nur die forderung nach Geld, also eine Schuld. Wenn Bargeld, sprich Nationalbankegeld abgeschafft wird, wird Giralgeld somit Automatisch zu Vollgeld. Den es kann ja keine vorderung auf etwas geben was nicht Existiert. Also wird Giralgeld zu Vollgeld! Dieses Geld kann aber nicht mehr auf Schulden Basieren, denn jeder Bankrott einer Firma wäre dan Diebstahl und somit ein Kriminaldelikt. Den Schulden sind dann gleich Geld!
      Ablehnen den Kommentar ablehnen