Jeder dritte griechische Haushalt zahlt über 40 Prozent seines Einkommens fürs Wohnen. Das ist mehr als doppelt so viel wie der EU-Durchschnitt (19 Prozent). Laut der griechischen Notenbank stiegen die Mieten in den letzten Jahren um rund 10 Prozent jährlich an.
Die beiden Büroangestellten Eva und Katerina verdienen als Büroangestellte in Athen etwas weniger als tausend Euro pro Monat. Das ist für griechische Verhältnisse ein normales Gehalt. Ein Grossteil ihres Einkommens geht für die Miete drauf.
«50 Quadratmeter kosten mindestens 700 Euro. Wir arbeiten also, nur um unsere Miete zu decken und sind für andere Ausgaben immer noch von unseren Eltern abhängig», sagt die studierte Politikwissenschaftlerin Eva und ergänzt: «Dabei wollen wir auf eigenen Beinen stehen, unser eigenes Leben gestalten, aber das geht nicht.»
Meist handelt es sich um ältere Wohnungen, die grossflächige Renovierungsarbeiten benötigen. Dieses Geld haben viele Besitzer aber nicht.
Landesweit steht jede vierte Wohnung leer. «Geschlossen», wie die Statistikbehörde vermerkt. Allein in der Athener Innenstadt sollen 120'000 Wohnungen ungenutzt sein. Stratos Paradias, Vorsitzender des griechischen Dachverbands der Immobilienbesitzer bestätigt, dass der Leerstand ein Problem für den Wohnungsmarkt darstelle. Doch meist gehe es um ältere, stark renovierungsbedürftige Wohnungen – Geld, das viele Besitzer nicht hätten.
Ein weiterer Grund sind laut Paradias die schlechten Erfahrungen mit «Mietnomaden». Sie «zahlten weder Miete noch Nebenkosten und richteten dazu noch Schäden an. Viele riskieren es nicht noch einmal, ihre Wohnung zu vermieten.»
Regierung will subventionieren und entlasten
Die griechische Regierung versucht nun mit finanziellen Anreizen, Immobilienbesitzer zu motivieren, auch diese «geschlossenen» Wohnungen zu vermieten. In der Hoffnung auf ein grösseres Wohnungsangebot, das die Mietpreise drücken soll. So sollen Renovierungsarbeiten dank EU-Geldern um bis zu 90 Prozent gefördert werden. Zugleich sollen die Mieteinnahmen drei Jahre lang steuerfrei sein.
Solche Schritte begrüsst der Verband der Immobilienbesitzer. Umso mehr, als die Regierung auch besseren Schutz vor unzuverlässiger Mieterschaft verspricht. In einem digitalen Register soll jeder angehende Mieter seine Bonität prüfen können und das Ergebnis dem Vermieter vorlegen. «Gute Mieter können so ihre gute Bonität nutzen. Sie finden viel leichter eine Wohnung und können auch die Miete leichter verhandeln», schätzt Paradias.
Die Mieter in Griechenland sind den Vermietern fast schutzlos ausgesetzt.
Die Massnahmen gingen in die falsche Richtung, sagt Aggelos Skiadas vom Mieterschutzbund. «Die Mieter in Griechenland sind den Vermietern fast schutzlos ausgesetzt. Die Mietverträge sind meist auf drei Jahre befristet, und bei jeder Vertragserneuerung kann eine höhere Miete verlangt werden.» Die Regierung müsse verlangen, dass die Miete der mit staatlicher Hilfe renovierten Wohnung erst einmal niedrig bleibe – um der Gesellschaft von dieser Unterstützung etwas zurückzugeben.
Die geplante Bonitätsabfrage sage zudem laut Skiadas nichts darüber aus, ob jemand die Miete bezahlen kann, weil andere Schulden bei einer Bank oder dem Finanzamt das Bild ebenfalls negativ beeinflussten – auch bei Menschen, die mit ihrer Miete bisher nie in Verzug geraten sind.