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Legende: Audio Sind Youtuber die neuen Meinungsmacher? abspielen. Laufzeit 06:46 Minuten.
06:46 min, aus Echo der Zeit vom 29.05.2019.
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Youtuber kritisiert die CDU «Keine Hetze, aber ein interessanter Fall»

Rezo, ein sogenannter Influencer, veröffentlichte vor den Europawahlen ein Video mit dem Titel «Zerstörung der CDU» auf Youtube. Das Video wurde millionenfach angeklickt und löste eine breite Debatte aus. Sie gipfelte darin, dass CDU-Vorsitzende Annegret Kramp-Karrenbauer offen darüber nachdachte, ob es nicht Regeln für politische Meinungsmache im Netz geben müsse. Rainer Stadler von der NZZ hält das für eine gute Frage.

Rainer Stadler

Rainer Stadler

Journalist

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Rainer Stadler ist Medienredaktor bei der NZZ und Mitglied des Stiftungsrates des Schweizer Presserates.

SRF News: Ist das Video von Rezo eine Hetzkampagne oder ein Beispiel dafür, wie Junge mit politischen Inhalten angesprochen werden können?

Rainer Stadler: Eine Hetze ist das nicht. Es ist ein interessanter Fall. Es illustriert sehr anschaulich, wie sich die ganze politische Kommunikation verändert. Insofern ist es sehr wichtig, dass wir darüber diskutieren.

Können Sie Kramp-Karrenbauers Sorgen verstehen?

Ich finde es falsch, wenn eine Frau, die möglicherweise Kanzlerin wird, dies so formuliert. Aber die Fragen, die sie stellt, verdienen diskutiert zu werden.

Welche Fragen meinen Sie konkret?

Verschiedene. Es geht hier um die Meinungsmacht und was die Rolle des Internets ist; von Youtubern, die inzwischen eine grosse Gefolgschaft aufbauen können. Und darum, ob man sie getrennt betrachten oder sie in Bezug zu Radio und Fernsehen setzen muss. Letztere nehmen in der medienpolitischen Diskussion immer noch eine Sonderrolle ein.

Muss man dies Ihrer Meinung nach getrennt anschauen?

Das ist heikel. Die Presse ist im Prinzip frei in der Art, wie sie Themen darstellt und kommentiert. Für Radio und Fernsehen gelten aber spezifische Regeln, auch für Private. Sie sind verpflichtet, Ereignisse sachgerecht darzustellen. Sie dürfen nicht diskriminieren und müssen die Menschenwürde achten.

Grundsätzlich muss man das nicht regeln. Aber man muss mehr Analyse liefern.

Das haben wir eingeführt, weil Radio und Fernsehen besonders wirkmächtige Medien sind. Doch soll man diese Regeln streichen? Sollen sie nur noch für öffentliche Sender gelten? Oder soll man sie auf neue Akteure ausweiten?

Was ist Ihre Meinung dazu?

Grundsätzlich würde ich sagen, man muss das nicht regeln. Aber man muss mehr Analyse liefern. Es gibt Leute, die sagen, Rezo hätte eine höhere Reichweite als ein Fernsehsender erreicht. Ich würde das bezweifeln. Man müsste die zahlen noch ein bisschen genauer interpretieren. Aber man kann sagen, er ist wirkungsmächtig und kann Meinungsbildung beeinflussen.

Es ist ein neues Phänomen, dass Einzelpersonen eine solch hohe Meinungsmacht haben. Ist das bedrohlich für eine Demokratie?

Nicht unbedingt. Es kommt immer darauf an, was für Akteure sonst noch unterwegs sind. Wir haben immer noch eine Vielzahl an Pressetiteln und Radio- und Fernsehsendern, die über Politik berichten. Youtuber sind neue Akteure. Sie haben gerade unter den Jungen eine grosse Reichweite.

Mittelfristig muss man damit rechnen, dass Akteure ohne klare Identität auftreten.

Heisst das nun, sie haben eine übermächtige Reichweite in dieser Generation? Ist das schon ein Meinungskartell? Und ist es erlaubt, dass sie sich für einen gemeinsamen Wahlaufruf zusammenschliessen? Das muss man diskutieren.

Im Herbst sind nationale Wahlen. Müssen wir uns darauf einstellen, dass die Parteien Youtuber verpflichten, die uns sagen, wen wir wählen sollen?

Möglich ist alles. Wir haben hier immer noch starke Massenmedien, die den demokratischen Diskurs wesentlich prägen. Von daher sehe ich keine besondere Gefahr. Aber mittelfristig muss man damit rechnen, dass Akteure ohne klare Identität auftreten. Diese sehen zwar aus wie Journalisten, sind aber keine. Sie verfolgen propagandistische oder kommerzielle Absichten.

Das Gespräch führte Simone Hulliger.

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14 Kommentare

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  • Kommentar von Willi Fetzer  (wi)
    @R.Stalder, und bitte welche Zielen verfolgen dann die diversen Zeitungen, die im Besitz von schweizer Familienclans sind? Sind die so neutral und ausgewogen, wie es sein müsste in der Demokratie oder sind sie voreingenommen und einseitig? Zum ersten Mal haben wir nun erlebt, dass die Macht des 4.Monopols nicht mehr kontrollierbar durch die Macht des GELDES erfolgt, sondern das da Aussenseiter plötzlich unkontrolliert mitmischen! Gut so!
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  • Kommentar von werner zuercher  (Werner Zuercher)
    Solange die Hetze gegen die AfD und alles andere Rechtsbürgerliche ging, war es für die mittlerweile linke Merkel-AKK CDU schön und lustig! Nun hat man am eigenen Leib erfahren wie lästig solche einseitigen Einflussnahmen sind. Zwar ist dieses angebliche Werk von Rezo eine lange vorbereitete und von den immer gleichen Verdächtigen gesponserte Aktion, wie das Ibiza-Video und die Klimahysterie! Aber schön, dass es diesmal die Hauptverantwortlichen für 14 Jahre Niedergang in Deutschland traf!
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  • Kommentar von Adrian Weber  (Pöbel)
    Niemand will gesetzliche bzw. staatliche Kontrollen von Youtubern, Twitterern etc. (China lässt grüssen!) Die Demokratie lebt doch vom Recht auf Meinungsfreiheit. Wenn Rezo's Aussagen nicht widerlegt werden können und man ihn deswegen zum Schweigen bringen will, dann ist das eine Verzweiflungstat. Kein kompetenter Politiker kann soetwas fordern wollen.
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    1. Antwort von Christa Wüstner  (Saleve2)
      Aber Frau KK betrachtet das als Hetze. Sehr bedenklich für eine vielleicht
      Zukünftige Kanzlerin. Er hat den Mut gehabt hier einmal klare Fakten auf den Tisch zu stellen. Es wäre die Aufgabe, darüber mit Renzo, wie er sich
      nennt, zu diskutieren und Antworten zu geben. Er hat alles mit Quellen belegt.
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