Sechs Premierminister in zehn Jahren: An der Downing Street 10 herrscht ein Kommen und Gehen. Die einzige Konstante: Der Kater Larry, der seit 15 Jahren im Haus des Regierungschefs residiert. Immerhin etwas, an das man sich in der britischen Politik halten kann …
Ansonsten bleibt die Erkenntnis: Das Elend des Königreichs spiegelt sich in den Rücktrittsreden der Regierenden wider.
David Cameron (2010–2016): Wer wagt, verliert
Da lässt man einmal abstimmen, und schon fällt das Land auseinander: Das dürfte sich David Cameron gedacht haben, als die Briten vor exakt zehn Jahren für den Brexit stimmten. Nach der «gigantischen demokratischen Übung» nahm er seinen Hut:
«Manchmal sehen die Dinge düster aus, doch unsere Zukunft ist golden», versicherte Cameron. Eine weitere Fehleinschätzung.
Theresa May (2016–2019): Tränen zum Abschied
Mit der Brexit-Abwicklung wurde Camerons Parteikollegin Theresa May betraut. Die Bilanz fiel ernüchternd aus.
«Es war die Ehre meines Lebens, diesem Land zu dienen», sagte die zweite Premierministerin nach Margaret Thatcher zum Abschied. Dann brach ihre Stimme.
Zu schämen brauchte sie sich nicht: Auch die «Eiserne Lady» liess der parteiinterne Putsch nicht kalt, der sie 1990 aus dem Amt drängte.
Boris Johnson (2019–2022): «Hasta la vista, baby!»
Schliesslich setzte sich die Erkenntnis durch: Der Mann, der uns die Suppe (mit) eingebrockt hat, soll sie auch auslöffeln: Boris Johnson. Der Londoner Bürgermeister hatte für den Brexit gekämpft – und seine «Durchschlagskraft» mehrfach unter Beweis gestellt:
Johnsons Amtszeit war bestes Futter für den Boulevard. Die «Partygate»-Affäre um Feiern am Regierungssitz während der Pandemie war der eine Skandal zu viel: Johnsons Kabinett kollabierte, kurz darauf erklärte er seinen Rücktritt.
Bald darauf verliess Johnson auch das Parlament in Westminster – mit den Worten «Hasta la vista, Baby».
Liz Truss (2022): «Liz» wer?!
Eine Fussnote in der britischen Geschichte bleibt die 49-tägige Amtszeit von Liz Truss. «Gemeinsam reiten wir diesen Sturm», versprach sie der Bevölkerung bei ihrer Vereidigung. Als sonderlich wetterfest erwies sich Truss jedoch nicht.
Mit radikalen Steuerplänen stürzte Truss die Finanzmärkte und das britische Pfund ins Chaos. Die konservative Partei zog die Reissleine. Truss ging mit dem nächsten Versprechen: «Vor uns liegen bessere Tage.» Reiner Zweckoptimismus.
Rishi Sunak (2022–2024): «I’m sorry»
Die «Boote stoppen», die Inflation halbieren, das Gesundheitssystem retten: «Genau dafür können Sie mich zur Rechenschaft ziehen», erklärte Rishi Sunak bei seinem Amtsantritt. «Ruhig», aber auch ein bisschen «cringe», schrieb die BBC über sein Wirken an der Downing Street.
Rishi Sunak wirbt für Handy-Verbot an Schulen
Zum Verhängnis wurde dem ehemaligen Investmentbanker aber die wirtschaftliche Stagnation. Die Quittung: eine historische Wahlschlappe für die Tories. «I'm sorry», sagte Sunak zum Abschied. Komplett durchnässt, während aus Lautsprechern im Publikum der Song «Things can only get better» dröhnte.
«Es kann nur besser werden»: Abgesang auf Rishi Sunak
Keir Starmer (2024–2026): Der «Change» nach dem Chaos?
Damit war die Reihe am ersten Labour-Premierminister seit 2010: Keir Starmer.
Ruhig, unaufgeregt, seriös – und nach nicht einmal der Hälfte der Legislatur der nächste Premier, der zerknirscht zurücktrat.
Während sich Starmer, sichtlich bewegt, bei seiner Familie bedankte, erklang erneut ein Song aus der Ferne: die «Ode an die Freude» – die europäische Hymne. Dahinter steckte ein Anti-Brexit-Aktivist. Irgendwie hat Regieren auch schon mehr Spass gemacht...