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Zehn Jahre, sechs Rücktritte An der Downing Street überlebt nur einer: Larry, der Kater

Sechs Premierminister in zehn Jahren: An der Downing Street 10 herrscht ein Kommen und Gehen. Die einzige Konstante: Der Kater Larry, der seit 15 Jahren im Haus des Regierungschefs residiert. Immerhin etwas, an das man sich in der britischen Politik halten kann …

Katze sitzt auf einer Strasse vor einem Gebäude.
Legende: Sollte die explosionsgeschützte Stahltür nicht einfach mit einer Drehtür ersetzt werden? «The Right Honourable Larry» wäre aus praktischen Gründen dafür. Die Sicherheitsverantwortlichen dürften weniger euphorisch sein. Getty Images/Dan Kitwood

Ansonsten bleibt die Erkenntnis: Das Elend des Königreichs spiegelt sich in den Rücktrittsreden der Regierenden wider.

David Cameron (2010–2016): Wer wagt, verliert

Da lässt man einmal abstimmen, und schon fällt das Land auseinander: Das dürfte sich David Cameron gedacht haben, als die Briten vor exakt zehn Jahren für den Brexit stimmten. Nach der «gigantischen demokratischen Übung» nahm er seinen Hut:

«Manchmal sehen die Dinge düster aus, doch unsere Zukunft ist golden», versicherte Cameron. Eine weitere Fehleinschätzung.

Mann in Anzug neben grossem Schlagzeilentext auf einer Zeitungsseite.
Legende: Glaubt man der «Sun», soll sich Cameron wenig vornehm von seinen Angestellten verabschiedet haben: «Warum sollte ich die harte Sch… erledigen?» Screenshot «The Sun»

Theresa May (2016–2019): Tränen zum Abschied

Mit der Brexit-Abwicklung wurde Camerons Parteikollegin Theresa May betraut. Die Bilanz fiel ernüchternd aus.

Zwei Personen, eine in einem roten Oberteil, vor britischen und europäischen Fahnen.
Legende: In drei Jahren wurde Mays mit der EU ausgehandelter Vertrag drei Mal vom Parlament abgelehnt. Schliesslich wurde der Druck der «Brexiteers» und Pro-Europäer in ihrer Partei zu gross. Keystone/AP/Oliver Matthys

«Es war die Ehre meines Lebens, diesem Land zu dienen», sagte die zweite Premierministerin nach Margaret Thatcher zum Abschied. Dann brach ihre Stimme.

Zu schämen brauchte sie sich nicht: Auch die «Eiserne Lady» liess der parteiinterne Putsch nicht kalt, der sie 1990 aus dem Amt drängte.

Boris Johnson (2019–2022): «Hasta la vista, baby!»

Schliesslich setzte sich die Erkenntnis durch: Der Mann, der uns die Suppe (mit) eingebrockt hat, soll sie auch auslöffeln: Boris Johnson. Der Londoner Bürgermeister hatte für den Brexit gekämpft – und seine «Durchschlagskraft» mehrfach unter Beweis gestellt:

Johnsons Amtszeit war bestes Futter für den Boulevard. Die «Partygate»-Affäre um Feiern am Regierungssitz während der Pandemie war der eine Skandal zu viel: Johnsons Kabinett kollabierte, kurz darauf erklärte er seinen Rücktritt.

Person in Anzug gestikuliert hinter einem Rednerpult mit Mikrofonen.
Legende: «Kein Sorry, aber dafür die elitäre Unbekümmertheit der Eton-Absolventen»: Der «Guardian» erkannte wenig Einsicht in Johnson Rücktrittsrede – dafür aber die Arroganz der britischen Bildungsaristokratie. Keystone/AP/Frank Augstein

Bald darauf verliess Johnson auch das Parlament in Westminster – mit den Worten «Hasta la vista, Baby».

Liz Truss (2022): «Liz» wer?!

Eine Fussnote in der britischen Geschichte bleibt die 49-tägige Amtszeit von Liz Truss. «Gemeinsam reiten wir diesen Sturm», versprach sie der Bevölkerung bei ihrer Vereidigung. Als sonderlich wetterfest erwies sich Truss jedoch nicht.

Frau hält eine Rede im Freien vor einem Podium, umgeben von mehreren Personen in Anzügen.
Legende: Ukraine-Krieg, Energiekrise, eine andauernde wirtschaftliche Schieflage: An Herausforderungen für die neue Premierministerin mangelte es nicht. Keystone/AP/Alberto Pezzali

Mit radikalen Steuerplänen stürzte Truss die Finanzmärkte und das britische Pfund ins Chaos. Die konservative Partei zog die Reissleine. Truss ging mit dem nächsten Versprechen: «Vor uns liegen bessere Tage.» Reiner Zweckoptimismus.

Rishi Sunak (2022–2024): «I’m sorry»

Die «Boote stoppen», die Inflation halbieren, das Gesundheitssystem retten: «Genau dafür können Sie mich zur Rechenschaft ziehen», erklärte Rishi Sunak bei seinem Amtsantritt. «Ruhig», aber auch ein bisschen «cringe», schrieb die BBC über sein Wirken an der Downing Street.

Rishi Sunak wirbt für Handy-Verbot an Schulen

Zum Verhängnis wurde dem ehemaligen Investmentbanker aber die wirtschaftliche Stagnation. Die Quittung: eine historische Wahlschlappe für die Tories. «I'm sorry», sagte Sunak zum Abschied. Komplett durchnässt, während aus Lautsprechern im Publikum der Song «Things can only get better» dröhnte.

«Es kann nur besser werden»: Abgesang auf Rishi Sunak

Keir Starmer (2024–2026): Der «Change» nach dem Chaos?

Damit war die Reihe am ersten Labour-Premierminister seit 2010: Keir Starmer.

Person mit Brille hält Rede auf roter Bühne mit Pult.
Legende: Nach den Chaos-Jahren unter den Konservativen sollte Starmer das Königreich in ruhigere Gewässer führen. Keystone/AP/Jon Super

Ruhig, unaufgeregt, seriös – und nach nicht einmal der Hälfte der Legislatur der nächste Premier, der zerknirscht zurücktrat.

Während sich Starmer, sichtlich bewegt, bei seiner Familie bedankte, erklang erneut ein Song aus der Ferne: die «Ode an die Freude» – die europäische Hymne. Dahinter steckte ein Anti-Brexit-Aktivist. Irgendwie hat Regieren auch schon mehr Spass gemacht...

SRF 4 News, 23.06.2026, 8.40 Uhr;liea

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