- Der britische Premierminister Keir Starmer hat seinen Rücktritt angekündigt.
- Er wolle als Chef der Labour-Partei zurücktreten, aber noch Premier bleiben, bis ein Nachfolger gefunden sei.
- Der 63-Jährige beugt sich damit dem seit Monaten steigenden Druck aus seiner eigenen Partei.
Er habe am Morgen mit König Charles gesprochen, sagte Starmer vor seinem Amtssitz in der Londoner Downing Street. Er werde den nationalen Exekutivausschuss (NEC) seiner Labour-Partei bitten, einen Zeitplan für die Regelung seiner Nachfolge aufzustellen. Seinem Nachfolger oder seiner Nachfolgerin sicherte Starmer seine volle Unterstützung zu.
Abschied mit brüchiger Stimme
Starmer beugt sich damit dem seit Wochen steigenden Druck aus seiner Partei. Mit Andy Burnham steht bereits ein potenzieller Nachfolger in den Startlöchern. Der 56-Jährige hätte Starmer Berichten zufolge in eine Führungswahl gezwungen, wäre der Premier zu einer anderen Entscheidung gekommen.
«Bei jeder Entscheidung, die ich getroffen habe, ging es darum, das Land, das ich liebe, an die erste Stelle zu setzen», sagte Starmer. Seine Partei habe gesprochen und dem wolle er Gehör schenken: «Aus diesem Grund werde ich als Parteichef der Labour-Partei zurücktreten.» Er werde sich jetzt Zeit nehmen für seine Familie, sagte Starmer mit brüchiger Stimme und umarmte kurz darauf seine Frau Victoria, die mit ihm vor die Medien getreten war.
Rücktrittsforderungen seit Monaten
Burnham hatte vor wenigen Tagen durch den Sieg bei der Nachwahl im Bezirk Makerfield einen Parlamentssitz errungen – die Voraussetzung, um den Premier herausfordern zu können. Ob sich ein weiterer Kandidat, eine weitere Kandidatin für Starmers Nachfolge an der Labour-Spitze aus der Deckung wagt, ist noch offen. Ambitionen hatte zuletzt der als Gesundheitsminister zurückgetretene Wes Streeting gezeigt. Erwartet wird jedoch, dass er sich hinter Burnham einreiht und dafür mit einem Kabinettsposten belohnt wird.
Starmer durchlebt angesichts miserabler Umfragewerte seit Monaten eine schwere Krise. In seiner Fraktion steht er schon länger massiv unter Druck, zuletzt kehrten ihm auch immer mehr Kabinettsmitglieder den Rücken. Mehrere Minister und Ministerinnen traten zurück. Auslöser der jüngsten Zuspitzung war eine schwere Niederlage für Labour bei den Kommunal- und Regionalwahlen in England, Schottland und Wales im Mai zugunsten der Rechtspopulistinnen und -populisten von Reform UK.
Bei jeder Entscheidung, die ich getroffen habe, ging es darum, das Land, das ich liebe, an die erste Stelle zu setzen.
Starmer hatte das Amt des Premierministers nach dem Wahlsieg seiner sozialdemokratischen Labour-Partei im Juli 2024 übernommen. Die satte Mehrheit im Unterhaus des Parlaments konnte Starmer aber nie wirklich nutzen. Etliche Gesetzesvorhaben waren am Widerstand in den eigenen Reihen gescheitert.
Sechs Premiers in zehn Jahren
Die Briten und Britinnen sind es seit dem Brexit-Referendum vor zehn Jahren gewohnt, dass sich die Regierungschefs die Klinke in die Hand geben. Die Nachfolgerin oder der Nachfolger Starmers wird bereits die siebte Person auf dem Posten innerhalb der vergangenen zehn Jahre sein.
Sechs britische Premierminister und -ministerinnen in zehn Jahren
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Bild 1 von 6. David Cameron. David Cameron war von 2010 bis 2016 britischer Premierminister. Nach dem Brexit-Referendum im Juni 2016, das eine Mehrheit für den EU-Austritt brachte, trat er ab. Ende 2023 kehrte er als Aussenminister im Kabinett von Rishi Sunak vorübergehend auf die politische Bühne zurück. Bildquelle: Reuters/Phil Noble.
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Bild 2 von 6. Theresa May. Theresa May von der Konservativen Partei war von Juli 2016 bis Juli 2019 britische Premierministerin. Ihr Ziel, den Austritt Grossbritanniens aus der Europäischen Union vertraglich zu regeln, scheiterte dreimal im Unterhaus. Bildquelle: Reuters/Hannah McKay/Pool.
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Bild 3 von 6. Boris Johnson. Erst Brexit-Hardliner Boris Johnson gelang das Vorhaben. Im Juli 2022 kündigte er nach einer Reihe politischer Affären seinen Rücktritt als Premierminister an. Er war von Juli 2019 bis September 2022 im Amt. Bildquelle: Reuters/Hollie Adams.
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Bild 4 von 6. Liz Truss. Auf Boris Johnson folgte im September 2022 Liz Truss. Die konservative Politikerin blieb nur 49 Tage im Amt und war damit die Premierministerin Grossbritanniens mit der kürzesten Amtszeit. Bildquelle: Reuters/Daniel Cole.
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Bild 5 von 6. Rishi Sunak. Rishi Sunak übernahm am 25. Oktober 2022 die Führung der Konservativen Partei und wurde Premierminister. Nach dem Wahlsieg der Labour Party bei den Parlamentswahlen 2024 endete seine Amtszeit. Bildquelle: Reuters/Jack Taylor/Pool.
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Bild 6 von 6. Keir Starmer. Seit Juli 2024 regiert Keir Starmer Grossbritannien. Nun kündigte er seinen Rücktritt an. Dem Sozialdemokraten setzten zuletzt schwache Wahlergebnisse, schlechte Umfragewerte, Affären und wachsender Widerstand aus den eigenen Reihen zu. Bildquelle: Reuters/Jaimi Joy.
Internationale Reaktionen auf Starmers Rücktrittsankündigung liessen nicht lange auf sich warten. EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen würdigte Starmer als einen «Staatsmann», der die Sicherheit Europas gefestigt habe.