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CO2-Zertifikate sollen den Kohlestrom in China verteuern
Aus SRF 4 News aktuell vom 16.07.2021.
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Ziel: Weniger CO2-Ausstoss Peking setzt Emissionshandel in Kraft

In China startet das weltweit grösste System zum Emissionshandel mit Treibhausgasen. Bis 2060 will China klimaneutral sein. Der Emissionshandel soll dabei helfen. Expertinnen zeigen sich vorsichtig optimistisch.

In der ersten Phase des chinesischen Emissionshandelssystems geht es um den Energiesektor. Andere Industrien wie etwa Stahl oder Zement gehören noch nicht dazu.

Lina Li, Expertin für Emissionshandel beim Berliner Thinktank Adelphi, sieht es trotzdem als ersten wichtigen Schritt. «Nach den Pilotversuchen in mehreren Regionen gibt es nun eine nationale Politik, die den Energiesektor einbezieht», sagt sie. Das sei besonders wichtig, da der Energiesektor der grösste Emitter von Emissionen sei.

Anderes System als die EU

Trotzdem ist es erst ein Anfang. Verglichen mit dem Emissionshandelssystem der EU ist jenes von China weniger strikt. Zudem funktioniert es anders. Während in der EU die CO2-Obergrenze mit der Zeit sinken und die Zertifikate verknappt werden sollen, geht es bei der chinesischen Version um die Intensität der Emissionen. Also darum, wie viel CO2 pro Kilowattstunde ausgestossen wird.

In China sieht das Emissionshandelssystem also keine Obergrenze des Ausstosses vor. Entsprechend sei der wirtschaftliche Druck auf die Unternehmen auch nicht besonders hoch, betont Li. «Und die Bussen für Verstösse sind relativ moderat.» Wichtig sei nun, dass sich dies in den nächsten zwei, drei Jahren ändere und neben dem Energiesektor weitere Industrien dazu kämen.

Immerhin ein guter Anfang

Ähnlich sieht das Matthew Gray von der britischen Klima-Denkfabrik Transition Zero. Er erklärt sich die Zurückhaltung der Chinesen so: «Die Kosten des CO2-Ausstosses werden die Betriebskosten von Kohlekraftwerken erhöhen, ihre Profite nehmen ab.»

Und: «Die staatlichen chinesischen Kohle-Unternehmen haben ohnehin Finanzprobleme.» Deshalb rechne Peking mit Widerstand aus jenen Provinzen, die wirtschaftlich stark von der Kohleindustrie abhängig sind.

Gray glaubt denn auch nicht, dass die chinesische Emissionshandelsplattform dem Klima schnell viel bringen wird: «Kurzfristig wird es kaum einen Einfluss haben.» Die Anzahl der Zertifikate sei sehr grosszügig gemessen, es gebe gar ein Überangebot, deshalb seien die Preise am Anfang wohl sehr tief. «Langfristig gesehen besteht aber Hoffnung. Doch das System muss reformiert werden», so Gray.

SRF 4 News, 16.07.2021, 08:10 Uhr

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10 Kommentare

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  • Kommentar von Beat Reuteler  (br)
    Wichtig ist vor allem dass sich China auch anfängt zu bewegen, was hiermit passiert. Was die einzelnen Massnahmen kurzfristig bringen ist weniger entscheidend. Das System ist entwicklungsfähig. Bei uns wäre das Ziel 2060 realistischer, im Fall von China ist natürlich auch dieses Ziel fraglich, weil der Gap so viel grösser ist. Aber besser dieses Ziel als keines.
    Gut wäre es jetzt Zwischenziele zu formulieren, z.B. eines für 2030. Dann zeigt sich eine Basis für weitere Massnahmen.
  • Kommentar von Patrick Janssens  (patrickjanssens)
    @ Karl Kirchhoff
    Das verheimlichen ist erfolgreich weil die Politik und die Kontrollorgane eine Rolle spielen in der Geheimhaltung. Die Politik drückt ein Auge zu aus Angst der Wirtschaftsgigant könnte abwandern wenn wirklich Druck gemacht wird, und so viele Arbeitsplätze verloren gehen.
  • Kommentar von Patrick Janssens  (patrickjanssens)
    @ Thomas Leu
    @ Karl Kirchhoff

    Emissionshandel: versuchen Sie einmal herauszufinden was der Begriff Grandfathering bedeutet im Emissionshandel.
    Grossbetriebe verheimlichen ihre Emissionen: Beispiel 3M in der Nähe von Antwerpen/Belgien die Emissionen von PFOS und CO2.
    1. Antwort von Karl Kirchhoff  (Charly)
      Wie soll da etwas verheimlicht werden. Ein Blick auf die Gas, Öl oder Stromrechnung genügt! Man muss ja nicht alles glauben, was so geschrieben wird.